Einblicke an Bord
Am 5. und 6. August 2025 hatten wir die Gelegenheit, die Humanity 1 im Hafen von Syrakus auf Sizilien zu besuchen. Wir wurden herzlich vom Team empfangen und bekamen eine Tour über das ganze Schiff. Von der Klinik an Bord, über die Bereiche für die Überlebenden bis hin zu der Schiffsküche und der Brücke konnten wir spannende Einblicke in die Arbeit von SOS Humanity gewinnen. Die Crew besteht aus 29 Personen und unterteilt sich in die Marine Crew und die Operational Crew. Die Marine Crew ist dafür zuständig, das Schiff am Laufen zu halten. Dazu zählen z.B. Wartungsarbeiten an den Maschinen und die Brücke, die für die Navigation verantwortlich ist. Die Operational Crew ist für die eigentlichen Rettungseinsätze zuständig. Mit schnellen, kleineren Rettungsbooten werden Menschen in Seenot und Überlebende geborgen. An Bord der Humanity 1 werden diese dann medizinisch und psychologisch versorgt. Die Küche kümmert sich um die Verpflegung der gesamten Crew und der Geretteten. Das Essen ist für alle gleich und es wird gemeinsam gegessen.
Eindrücke aus der Seenotrettung
Am Abend sprachen wir über Erfahrungen in der Seenotrettung, aktuelle politische Herausforderungen und mögliche Zukunftsperspektiven. Dabei wurde einmal mehr deutlich, wie unverzichtbar die Arbeit von SOS Humanity und anderen zivilen Rettungsorganisationen auf dem Mittelmeer ist.
An unserem zweiten Tag des Besuchs hatten wir die Möglichkeit, mit dem Kapitän Joachim ein Interview zu führen. Wir haben ihn gefragt, was ihn an der Arbeit bei SOS Humanity besonders beeindruckt:
„Für mich ist wirklich eine beeindruckende Sache, die sich immer wiederholt, dass die Leute, wenn sie an Bord kommen, erstmal total kaputt sind. Sie haben teilweise schon drei, vier Tage auf diesen wirklich seeuntauglichen, unbrauchbaren Booten verbracht. Teilweise ist ihnen dann das Wasser ausgegangen oder das Essen. Also sie sind wirklich in einem sehr schlechten Zustand, wenn sie bei uns an Bord kommen. Und wenn sie bei uns an Bord sind, können sie erstmal ihre Grundbedürfnisse wieder erfüllen. Sie können trinken, sie können essen, sie können duschen, sie können sich hinlegen, sind in einem sicheren Umfeld, was sie ja teilweise Monate oder Jahre nicht hatten. Und dann, wenn man dann merkt, wie sich die Stimmung auch zum Positiven verändert, wenn sie dann plötzlich wieder lachen und Musik machen, das ist schon klasse.“
Unterstützung dringend notwendig
Die Eindrücke von der Humanity 1 zeigen: Zivile Seenotrettung ist eine humanitäre Notwendigkeit. Während die europäische Politik oft wegsieht oder Rettungseinsätze behindert und Rettungsschiffe festsetzt, setzen Organisationen wie SOS Humanity ein starkes Zeichen der Solidarität und Menschlichkeit.
Wir haben den Kapitän gefragt, was Interessierte tun können, um SOS Humanity zu unterstützen?
„Unterstützung von Land aus ist natürlich ganz wichtig. Wir sind auf Spenden angewiesen. Wir können nur arbeiten, weil uns viele Menschen eben durch Spenden unterstützen. Es ist einfach teuer, so ein Schiff zu betreiben. Wir müssen Treibstoff kaufen, es ist immer etwas zu reparieren und das kostet alles Geld. Wir müssen Hafengebühren bezahlen und wir müssen natürlich auch das Equipment kaufen, was wir den Leuten geben, die wir gerettet haben. Also jeder Mensch bekommt einen kleinen Beutel, ein sogenanntes Rescue Kit mit. Da ist unter anderem eine Zahnbürste drin, ein Handtuch und Seife - Basics, die Menschen dann auch immer gerne annehmen. Ja, und das kostet alles Geld, vom Kleinen bis zum Großen.”
Mit der Entscheidung, die finanzielle Unterstützung für zivile Seenotrettung einzustellen erteilt die Bundesregierung den Menschenrechten auf dem Mittelmeer eine klare Absage. Zwar waren die seit 2023 bereitgestellten Gelder keine Lösung für die humanitäre Krise auf dem Mittelmeer und ersetzen kein dringend erforderliches europäisches Seenotrettungsprogramm. Dennoch konnten sie einige Rettungseinsätze ermöglichen und so dabei helfen, Menschen vor dem Ertrinken bewahren. Doch auch damit ist jetzt Schluss. Statt Rückhalt erfahren Organisationen wie SOS Humanity immer wieder Diffamierungen – etwa durch die widerlegte Behauptung eines angeblichen „Pull-Faktors“. Wissenschaftlich ist längst belegt, dass Menschen nicht wegen der Präsenz von Rettungsschiffen fliehen, sondern weil ihnen Krieg, Gewalt, Armut und Verfolgung keine andere Wahl lassen. AWO International stellt sich dieser Rhetorik entschieden entgegen. Für uns gilt der humanitäre Imperativ: Menschen in Seenot müssen gerettet werden. Wir bleiben solidarisch an der Seite unserer Partnerorganisation und setzen uns für eine faktenbasierte Migrationspolitik ein, die Menschenrechte ins Zentrum stellt.
Damit die wichtige Arbeit von SOS Humanity fortgeführt werden kann, bitten wir um Spenden für die Seenotrettung. Jede Unterstützung – ob groß oder klein – trägt dazu bei, dass Menschen in Not nicht schutzlos auf dem Mittelmeer zurückgelassen werden.
Spendenkonto
IBAN: DE87 3702 0500 0003 2211 00
BIC: BFSWDE33XXX
SozialBank
Stichwort Seenotrettung