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Naher OstenLibanon

Gesundheitsversorgung für Geflüchtete mit Behinderungen im Libanon

Geflüchtete mit Behinderungen haben im Libanon eine unzureichende medizinische Versorgung, was zu erheblichen Einschränkungen im Alltag führt. Um Abhilfe zu leisten, fördern wir zusammen mit der Volkshilfe Österreich eine mobile Klinik in der Bekaa-Ebene. Auch Covid-19 Präventionsmaßnahmen werden dort durchgeführt.

Ein kleiner Junge mit Krücken. Neben ihm steht ein Arzt. Im Hintergrund sind Zelte und Pflanzen zu sehen.
Die mobile Klinik unterstützt Menschen mit Behinderungen, darunter auch Kinder.

Der Libanon ist nach dem langen Bürgerkrieg und der komplexen politischen Lage immer noch ein fragiler Staat. Besonders nach der Explosion am Hafen von Beirut, in Folge dessen es eine Hyperinflation im Libanon gab, haben sich die Lebensverhältnisse für viele Menschen verschlechtert. Sie haben es schwer, ihre Grundbedürfnisse an Lebensmitteln, Medizin und in der Energieversorgung zu decken. Mehr als die Hälfte der Menschen im Libanon lebt inzwischen unter der Armutsgrenze. Zudem hat auch die instabile Lage in Syrien einen Einfluss auf das Land: von den 6,5 Millionen Geflüchteten aus Syrien, leben aktuell ca. 1,5 Millionen im Libanon. Hinzu kommen palästinensische Geflüchtete sowie Menschen aus dem Irak, dem Sudan und anderen Ländern, welche in dem Land Zuflucht suchen. Da die Regierung nicht genügend Kapazitäten hat, um die Grundversorgung der Geflüchteten zu gewährleisten, wurde diese Aufgabe hauptsächlich von internationalen Organisationen und NGOs übernommen. Trotzdem leiden noch immer viele Geflüchtete unter fehlendem Zugang zur Gesundheitsversorgung, zu Nahrung, zu Sicherheitsstrukturen sowie zu weiteren existenziellen Lebensgrundlagen. 

Die Lage von Menschen mit Behinderungen im Libanon

Menschen mit Behinderungen sind im Libanon mit verschiedenen Schwierigkeiten konfrontiert. Sie können durch   viele Barrieren im öffentlichen Raum oft nicht eigenständig leben und haben daher auch große Schwierigkeiten auf dem Arbeitsmarkt. Das gilt sowohl für geflüchtete Menschen als auch für die libanesische Bevölkerung. Zudem ist diese Gruppe stark marginalisiert und Vorurteilen ausgesetzt. Die Inklusion ist in vielen Lebensbereichen nicht sehr weit vorangeschritten. 

Zudem haben Menschen mit Behinderung oft eine höhere gesundheitliche Belastung. Für Geflüchtete mit Behinderungen äußert sich das auch auf der Flucht: sie sind oft unzureichend ausgestattet, besonders bei der Versorgung mit dringend benötigten Medikamenten oder Hilfsmitteln wie Rollstühlen. Auch nach der Flucht macht sich dies bemerkbar, denn einige Menschen können z.B. ohne Rollstühle ihr Zuhause nicht verlassen. Auch um die gesundheitliche Situation der Menschen im Blick zu haben, ist eine gute medizinische Versorgung wichtig. Laut einer Studie über die Lage von Geflüchteten mit Behinderungen im Libanon wurde außerdem bekannt, dass bei 50% der Geflüchtetenhaushalte mindestens ein Menschen mit Behinderung dazu gehört. 

Seit Beginn der Covid-19 Pandemie wurden die Rechte dieser mithin schon marginalisierten Gruppe weiter eingeschränkt. So  haben Menschen mit Behinderungen auch einen schlechteren Zugang zu wichtigen Informationen zu COVID 19 Themen. Durch ihre oftmals gesundheitliche Vorbelastung kann fehlende Prävention jedoch schwerwiegende Auswirkungen auf ihre Gesundheit haben.

Eine mobile Klinik im Osten des Libanons

Zusammen mit der Volkshilfe Österreich sowie unserer lokalen Partnerorganisation Mousawat fördern wir eine mobile Klinik. Sie ist in einem Krankenwagen unterwegs, mit jeweils einem bzw. einer Hausärzt*in, Neurolog*in, Pflegefachkraft, Physiotherapeut*in und Psychotherapeut*in. Sie bieten den Menschen Zugang zur gesundheitlichen Vorsorge, Rehabilitation und Versorgung. Falls benötigt, erhalten die Patient*innen ebenfalls medizinische Hilfsmittel wie Prothesen oder Gehilfen. Zudem werden Sensibilisierungsmaßnahmen durchgeführt: zum Beispiel gibt es Selbsthilfegruppen, aber auch Bildungsmaßnahmen zu Themen wie Inklusion. So können betroffene Familien und Angehörige sich gegenseitig unterstützen und Menschen mit Behinderungen werden mehr in das alltägliche Leben mit einbezogen. Auch Bildungsveranstaltungen und Informationen bezüglich Covid-19 werden weitergetragen und Hygienepakete für die Prävention verteilt. 618 Menschen im Bekaa Tal werden so erreicht, um medizinische Versorgung wahrzunehmen oder an den Schulungen und Bildungsprogrammen teilzunehmen. 

Projektinfo

Projekt Health on Wheels III: Bereitstellung einer Gesundheitsversorgung für Geflüchtete mit Behinderungen sowie vulnerable Bevölkerungsgruppen im Libanon
Ort/Region Libanon/ die Distrikte Marj, Bar Elias, Baalbak, Qab Elias in der Bekaa-Hochebene
Partner Volkshilfe Solidarität (Österreich), Mousawat (Libanon)
Zielgruppe Palestinenser*innen, Syrier*innen und Libanes*innen aller Altersgruppen mit Behinderungen, darunter die Ärmsten und Unterprivilegiertesten; Andere marginalisierte und exkludierte Menschen, welche ihre Rechte nicht wahrnehmen können
Aktivitäten
  • Grundlegende Gesundheitsversorgung für Menschen in Not inkl. Psychotherapie, Physiotherapie und Neurologische Untersuchungen 

  • Bereitstellung von Medikamenten für die Patient*innen 
  • Bereitstellung von medizinischen Hilfsmitteln für Patient*innen 

  • Bewusstseinsschaffende Aktivitäten bezüglich der Themen Behinderung, Prävention, Rehabilitation, Inklusion 

  • Anschaffung von Röntgengeräten und medizinischen Laboratorien als Teil der Untersuchung 

  • Hilfe bei der Gründung und Durchführung von Selbsthilfegruppen 

  • Aufklärungskampagnen für die Prävention von Covid-19 

  • Verteilung von Hygiene-Paketen für die Prävention von Covid-19 

Laufzeit 01.04.2022-31.03.2023
Budget 106.200€ (davon 96.750€ AWO International)
Förderer Aktion Deutschland Hilft, Volkshilfe Solidarität, AWO International

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