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18. Dezember 2021 News

Der Weg in ein besseres Leben – Wie ehemalige Arbeitsmigrantinnen ihre Erfahrung einsetzen

Fast 11% der philippinischen Bevölkerung arbeitet längerfristig im Ausland. 56% davon sind Frauen. Die Arbeitsmigration bringt neben der Hoffnung auf ein besseres Leben auch Risiken und Probleme mit sich. Schutz und Sicherheit der Migrant*innen, besonders im Einsatzland, sind unzureichend.

Thelma Pasayloon ist eine ehemalige philippinische Arbeitsmigrantin. Von 2004 bis 2019 arbeitete sie abwechselnd in den Philippinen und den Vereinigten Arabischen Emiraten, um ihre Familie zu unterstützen

Thelma Pasayloon ist eine ehemalige philippinische Arbeitsmigrantin (Overseas Filippino Worker = OFW), die hauptsächlich für ihre alten und gebrechlichen Eltern sorgte, als diese noch lebten, und derzeit ihren einzigen Sohn, den 14-jährigen Gerard, allein aufzieht. Von 2004 bis 2019 arbeitete sie abwechselnd in den Philippinen und den Vereinigten Arabischen Emiraten, um ihre Familie zu unterstützen. Damals wohnte sie mit ihrer Familie in einem kleinen, baufälligen Haus aus Holz und Spanplatten, mit Löchern im Dach, das jederzeit bei einem Sturm oder einer Springflut hätte zusammenfallen können. In der Regenzeit stellte sie jede Nacht vorm Schlafengehen Eimer auf, um das Regenwasser aufzufangen.

"Wenn ich hier [auf den Philippinen] geblieben wäre, wären wir über die Runden gekommen, aber ich hätte es mir nie leisten können, ein eigenes Haus zu bauen", sagte sie. In den letzten drei Jahren, in denen sie im Ausland hart gearbeitet hat, konnte sie 400.000 PHP (rund 7.000 EUR) ansparen, genug für den Bau eines stabilen neuen Zuhauses aus Stein und Beton.

Sie schätzt sich sehr glücklich, dass sie während ihrer verschiedenen Arbeitsaufenthalte im Ausland faire und freundliche Arbeitgeber hatte; sie weiß, dass es so manche andere philippinische Arbeitsmigrantin nicht so gut getroffen hat. Ungelernte Arbeitskräfte mit relativ geringem Bildungsstand, die in der Regel als Hausangestellte arbeiten, finden sich häufiger in von Unterdrückung und Misshandlung geprägten Arbeitsverhältnissen wieder. Viele berichten von Gewalt und Ausbeutung durch ihre Arbeitgeber. Die Hindernisse für offizielle Beschwerden, strafrechtliche Verfolgung von Tätern und erst recht bei der Erlangung von Gerechtigkeit sind hoch und schrecken viele Betroffene ab. 

Die Arbeitsmigration kann auch negative soziale Folgen haben, besonders für die zurückgelassenen Kinder. Zerrüttete Familien, Fehlzeiten in der Schule, Schulabbruch, unzureichende Betreuung der Heranwachsenden sind einige der zu beobachtenden Auswirkungen. 

 Thelma beschloss bereits 2012, der Bago Aplaya Migrant Association oder BAMA beizutreten. BAMA ist einer von neun Migrantenvereinen in Davao City, die im Rahmen des Projekts von AWO International und MMCEAI zur Förderung der Rechte und des Wohlergehens von Arbeitsmigrant*innen organisiert und unterstützt werden. Diese Vereinigungen setzen sich aus Familienangehörigen, zurückgekehrten Migrant*innen und Vormunden von zurückgelassenen Kindern zusammen. Obwohl Thelma selbst keine Misshandlungen erfahren hat, kennt sie zahlreiche Frauen, die während ihrer Auslandstätigkeit Schlimmes erlebt haben, und kann deren Situation gut nachempfinden. Als unabhängige und starke Frau, die selbst schon einige schwierige Situationen durchlebt hat, wollte sie anderen eine Hilfe sein.  Durch die Erfahrungen, die sie als Mitglied von BAMA gemacht hat, ist ihr klargeworden, wie wichtig es ist, die eigenen Rechte und Ansprüche zu kennen. Nur so kann man sich selbstbewusst gegen Ausbeutung und Missbrauch wehren. 

"Durch die Teilnahme an den verschiedenen Schulungen, die von MMCEAI [und AWO International] initiiert wurden, konnte ich mein Selbstvertrauen stärken. Ich kann inzwischen ohne Probleme vor vielen Menschen frei sprechen. Als offizielle Vertreterin von BAMA wurde mir klar, dass wir körperlich, geistig und emotional stark sein müssen, um die vielfältigen Probleme bewältigen und unserer Gemeinschaft helfen zu können".

Heute ist Thelma die stellvertretende Vorsitzende von BAMA und die zentrale Person im Ausschuss für Organisation und Mitgliedschaft. Zusammen mit ihren Mitstreiter*innen ist sie aktiv am täglichen Betrieb der Migrantenberatungsstelle (Migrant Help Desk) in ihrem Stadtbezirk (Barangay) beteiligt. Die freiwilligen Mitglieder leisten dort Informations- und Beratungsdienst und kümmern sich auch um die Nachverfolgung der an staatliche Stellen und andere Dienstleister weitergeleiteten Fälle. Die Bedarfe der Hilfesuchenden sind vielfältig. Neben rechtlichem Beistand, materieller Hilfe, unmittelbarem Schutz sind sehr oft auch menschlicher Zuspruch und psychologische Unterstützung gefragt.  

Neben der Hilfe für Migrant*innen und deren Familien bemüht sich BAMA auch aktiv um die Festigung und weiteres Wachstum der Vereinigung. Dabei spielen kontinuierliches Lernen, die Erweiterung des Netzwerkes - vor allem auch auf Unterstützer aus dem privaten Sektor - und die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den lokalen Behörden wesentliche Rollen.

Neben ihrer aktiven Rolle bei der BAMA und in der Beratungsstelle betreibt Thelma auch ihren eigenen Gemischtwaren Laden (Sari-Sari Store), den sie mit einem Zuschuss aus dem Programm des Ministeriums für Wohlfahrt und Entwicklung eröffnet hat. Thelma freut sich darauf, ihr Geschäft und ihre Aktivitäten zu erweitern, um damit nicht nur ihrer eigenen Familie, sondern auch anderen Menschen helfen zu können. Sie möchte eine Inspiration für andere Arbeitsmigrant*innen sein.

Während Thelma zu den glücklichen Migrant*innen gehört, ist die Situation vieler anderer in den Einsatzländern nach wie vor prekär. Die Unterstützung durch Nichtregierungsorganisationen und der Zugang zu staatlichen Dienstleistungen tragen dazu bei, die Situation zu erleichtern. MMCEAI führt in Partnerschaft mit AWO International ein Projekt zur Einbindung von Arbeitsmigrant*innen und ihren Familien in soziale Strukturen und zur Förderung einer sicheren und regulären Migration in 9 Stadtbezirken von Davao City durch. Nach den Ergebnissen der in diesem Jahr durchgeführten Basiserhebung von MMCEAI in diesen Stadtbezirken sind 72 Prozent der philippinischen Arbeitsmigrant*innen weiblich, 54 Prozent arbeiten in einfachen Berufen und 63 Prozent sind in Ländern des Nahen Ostens tätig.

Die Gründung von BAMA und weiterer lokaler Migrant*innen Vereinigungen sowie ihre kontinuierliche Fortbildung durch MMCEAI werden mit Mitteln des BMZ ermöglicht. BAMA hat derzeit 39 Mitglieder.

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