Trotz - oder gerade wegen - Corona träumen viele Menschen in Mittelamerika nach wie vor von einem besseren Leben. Die Pandemie und damit einhergehende Ausgangssperren, Reiseverbote sowie fehlende Transportmittel blockieren jedoch gängige Migrationsrouten. Hinzu kommt die große Angst vor einer Ansteckung mit dem Virus. Denn die USA verzeichnen aktuell die weltweit meisten COVID-19-Fälle und auch Mexiko hat, durch das Ausbleiben nationaler Maßnahmen zur frühen Eindämmung, mit vielen Infizierungen zu kämpfen. Dies schreckt viele potenzielle Migrant*innen ab.
Während der Migrationsstrom gen Norden abebbt, ist der Strom in die andere Richtung scheinbar ohne Halt. Einige Migrant*innen kehren aus Angst vor einer Ansteckung freiwillig in ihre Heimatländer zurück, andere sind durch den Jobverlust dazu gezwungen. Hinzu kommt die Tatsache, dass die Abschiebungen aus Mexiko und den Vereinigten Staaten bisher nicht eingestellt wurden: Noch immer landet mindestens ein Flieger mit Deportierten pro Woche in Guatemala, Honduras und El Salvador.
Unmenschliche Bedingungen in Abschiebelagern
Zahlreiche dieser abgeschobenen Migrant*innen sind mit dem Coronavirus infiziert. Sie haben sich möglicherweise in den USA oder in Mexiko angesteckt. Unsere mexikanische Partnerorganisation IMUMI prangerte im April die unmenschlichen Bedingungen in den überfüllten mexikanischen Abschiebelagern an, die einen Infizierungsherd für die dort untergebrachten Personen darstellen. Durch das enge Zusammensein in den Abschiebelagern, aber auch während der Abschiebung selbst, schnellen die Infektionsraten unter den Deportierten hoch. In ihren Heimatländern in Mittelamerika, werden sie daher vom Flughafen oder von der Grenze aus direkt in speziellen Herbergen untergebracht, wo sie für mindestens 15 Tage in Quarantäne bleiben, bevor sie mit einem Gesundheitszertifikat zurück in ihre Gemeinden reisen dürfen.
Anfeindungen gegenüber Migrant*innen

Migrant*innen, die sich auf der Reise durch Mexiko befinden, sehen sich zahlreichen Problemen und Diskriminierungen ausgesetzt. Die meisten Herbergen, die für Migrant*innen als Schutzraum dienen, mussten ihren Betrieb einstellen, um Mitarbeitende sowie die Migrierenden selbst vor einer Ansteckung zu schützen - Unterstützung in Form von Schutzmaterialien oder monetärer Art stellte die mexikanische Regierung nicht zur Verfügung. Die lokale Bevölkerung reagiert aus Angst vor einer Ansteckung zudem xenophob, auch körperliche Angriffe wurden bereits verzeichnet. Auch zurück in ihrem Heimatland sind die Rückkehrer*innen solchen Aggressionen ausgesetzt: in Guatemala wurden beispielsweise in einer Herberge untergebrachte Migrant*innen von Anwohner*innen bedroht, bevor diese versuchten die Unterkunft in Brand zu stecken.
Viele Familien verlieren Lebensgrundlage

Durch die zahlreichen Jobverluste sowie fehlende Rücküberweisungen der Migrant*innen in den USA, Mexiko oder Europa, rutschen viele Familien in die Armut ab. Denn allein im Jahr 2019 wurden mehr als 98 Millionen US-Dollar von Auswander*innen zurücküberwiesen - dies entspricht 20 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Für hundertausende Familien stellen diese Rücküberweisungen demnach die Lebensgrundlage dar. Die Prognose für 2020 sieht demnach düster aus: Die Armutsrate in Lateinamerika soll um 4,4 Prozent steigen, insgesamt 214,7 Millionen Menschen sollen in Armut leben. Davon 83,4 Millionen in extremer Armut. Um diese Familien zu unterstützen, verteilen wir beispielsweise in Honduras Geld für die Anschaffung wichtiger Lebensmittel und Hygienematerialien. Mehr zu diesem Projekt können Sie hier lesen.