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02. Dezember 2021 Projektupdate

Eine starke Kooperation für inklusive Katastrophenvorsorge

Menschen mit Behinderung sind in Notsituationen besonders gefährdet und werden häufig nicht berücksichtigt. Wir möchten diese Situation in Mittelamerika ändern und setzen uns gemeinsam mit unseren Partnern für ein inklusives Katastrophenmanagement ein.

Erste Hilfe Kurs in Guatemala (Foto: AWO International)
Erste Hilfe Kurs in Guatemala (Foto: AWO International)

In Zusammenarbeit mit dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB) und der Christoffel Blindenmission (CBM), setzt sich AWO International in einem vierjährigen Projekt dafür ein, die Resilienz der Bevölkerung in Guatemala, El Salvador, Honduras und Nicaragua zu steigern und Menschen mit Behinderung in lokale und nationale Notfallpläne mit einzubeziehen. Dadurch soll für Menschen mit Behinderung und ihre Familien ein sichereres Umfeld geschaffen werden. Im Interview erzählt uns Loida Yax, Fachkraft für Humanitäre Hilfe von AWO International in Guatemala, von dem Projekt und den Herausforderungen, mit denen Menschen mit Behinderung in Notfällen konfrontiert sind.

AWO International: Was sind die prinzipiellen Gefahren, denen die Bevölkerung mit und ohne Behinderung in Mittelamerika ausgesetzt ist?  

Loida Yax: Die vier zentralamerikanischen Länder weisen gemäß des Weltrisikoberichts alle ein hohes Risiko für Naturkatastrophen auf. Sowohl Guatemala, El Salvador als auch Nicaragua haben aktive Vulkane auf ihrem Territorium und sind sehr anfällig für Erbeben. In der Vergangenheit wurden auch Tropenstürme in der Region immer häufiger (siehe: Hilfsprojekt ETA/IOTA) und in der Regenzeit von Juni bis November sind Überschwemmungen sowie Erdrutsche häufige Phänomene, mit denen die zentralamerikanische Bevölkerung und die Behörden zu kämpfen haben. 

AWO International: Welche Schwierigkeiten haben Menschen mit Behinderung in Notfallsituationen? 

Loida Yax: Menschen mit Behinderung sind in Zentralamerika eine unsichtbare Gesellschaftsgruppe, was zu Diskriminierung in verschiedenen Lebensbereichen führt - auch in humanitären Situationen. Viele Menschen mit Behinderung haben nicht die Möglichkeit sich selbst zu evakuieren und sind auf die Hilfe von anderen angewiesen. Den lokalen Behörden und Helfer*innen ist allerdings meist nicht bewusst, wo die Familien wohnen, die auf zusätzliche Unterstützung angewiesen sind. Gleichzeitig sind örtliche Evakuierungsrouten und Schutzherbergen so gut wie nie barrierefrei zugänglich. Da Behinderung heute noch ein Tabuthema ist, haben die zuständigen Behörden keine inklusiven Notfallpläne vorbereitet und die Thematik nicht auf ihren Agenden. All dies macht es für Menschen mit Behinderung schwierig, sich wie alle anderen in Sicherheit zu bringen. 

AWO International: Der Staat ist im Notfall also kaum eine Hilfe, wie reagieren denn die nahen Angehörigen von Menschen mit Behinderung im Falle von Erbeben oder Überschwemmungen?

Loida Yax: Die Familienangehörigen sind oft nicht genug auf Notfälle vorbereitet: sie bekommen in diesen Situationen Panik und wissen nicht, was sie tun sollen. Im schlimmsten Fall werden die Angehörigen mit Behinderung dann in der Gefahrenzone zurückgelassen und die anderen Familienmitglieder bringen sich lediglich selbst in Sicherheit. Über solche Vorfälle sprechen allerdings die wenigsten. 

AWO International: Das neue Projekt findet in vier zentralamerikanischen Ländern gleichzeitig statt. Wie wird das koordiniert und warum wurde sich für diese Arbeitsweise entschieden? 

Loida Yax: AWO International hat zwei Partnerorganisationen: ACOPEDIS in Guatemala sowie CORDES in El Salvador. Der ASB arbeitet in Nicaragua mit FECONORI. CBM koordiniert die Arbeit in Honduras mit den Organisationen CUSO und PREPACE sowie in Guatemala mit der Organisation ASORO. Die Zusammenarbeit der drei deutschen Organisationen in vier verschiedenen Ländern ist eine Neuheit und soll vor allem das Wissen, welches die einzelnen Organisation und ihre Partner mitbringen, gekonnt bündeln. Das Programm wird vom Ministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) gefördert.  

AWO International: Was möchte das Projekt von AWO International, ASB und CBM in Zentralamerika bewirken?

Loida Yax: Wir möchten die Problematik verdeutlichen, derer Personen mit Behinderung im Notfall ausgesetzt sind, und diese sowohl den Behörden als auch der Allgemeinbevölkerung vor Augen führen. Die betroffenen Familien sollen ihre Stimme wiederfinden und gemeinsam in der Öffentlichkeit für ihre Rechte eintreten. 

AWO International: Wie wird zur Erreichung dieses Ziels vorgegangen?

Loida Yax: Auf lokaler und Bezirks-Ebene werden in diesem Zusammenhang inklusive Notfallpläne entworfen, bei denen Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen selbst bei der Erarbeitung helfen und Hand in Hand mit den zuständigen Behörden arbeiten. Gleichzeitig wird die Widerstandsfähigkeit der Menschen mit Behinderung und ihrer Familien erhöht und sie werden somit besser auf mögliche Katastrophen vorbereitet. In allen vier Projektländern werden mit Hilfe der lokalen Partner Aufklärungs- und Kommunikationskampagnen gestartet und Fortbildungen mit den zuständigen Behörden veranstaltet. Außerdem erhalten Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen gezielt Betreuung sowie Schulungen zu verschiedenen relevanten Themen. Unser großes Ziel ist es, dass die nationalen Risikomanagementsysteme in Zentralamerika die Leitlinien und Ziele des Sendai Framework for Disaster Risk Reduction 2015-2030 in ihre Instrumente aufnehmen, um die Einbeziehung von Menschen mit Behinderungen in das Risikomanagement sowohl in den Familien, als auch auf Gemeinde- und kommunaler Ebene zu stärken. Auf diese Weise sollen in Zukunft auch benachteiligte Bevölkerungsgruppen in Notfällen keinem höheren Risiko mehr ausgesetzt sein

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