Südostasien • Indonesien

Gewalt gegen Frauen nachhaltig bekämpfen

In Indonesien ist Gewalt gegenüber Frauen und Mädchen ein immer größeres Problem. In den letzten Jahren haben sich die Fälle von sexueller Gewalt nahezu verdoppelt. Gemeinsam mit der Partnerorganisation Mitra Wacana setzt sich AWO International für Frauenrechte und gegen Gewalt ein.

Frauen und Männer protestieren am 8. März für die Rechte der FrauenKundgebung zum Internationalen Frauentag am 8. März in Yogyakarta, Indonesien: Mehr als 250 Frauen und Männer folgten dem Ruf von 20 Frauenorganisationen und kamen zusammen, um für die Rechte der Frauen zu demonstrieren. Auch unsere Partnerorganisation Mitra Wacana gehörte zu den Initiatorinnen. (Foto: AWO International)

Es ist sehr bergig in Banjarnegara, der Projektregion unserer Partnerorganisation Mitra Wacana. Banjarnegara liegt in Zentraljava in Indonesien und zählt dort zu den ärmsten Gebieten. Ausgebaute Straßen, Arbeitsplätze, Zugang zu Märkten und staatlichen Dienstleistungen gibt es nur sehr unzureichend. Das Gesetz des Stärkeren spielt eine bedeutende Rolle. Leidtragende sind vor allem Frauen und junge Mädchen. Mitra Wacana heißt „Frauengruppe“. Aus dem Namen leitet sich die zentrale Vision der Organisation ab: die Diskriminierung von Frauen in Indonesien abzuschaffen. Mitra Wacana arbeitet an diesem Ziel seit 1996 und ist seit Mai 2014 Partnerorganisation von AWO International.

Gewalt gegen Frauen und Mädchen ist in Indonesien ein zunehmendes Problem. Offizielle Statistiken zeigen eine erhebliche Steigerung der Fälle von Gewalt gegenüber Frauen und Kindern. Im Jahr 2011 wurden 119 706 Fälle registriert. Im Jahr 2013 waren es mit 216 156 fast doppelt so viele. Der überwiegende Teil bezieht sich auf den Bereich der sexuellen Gewalt (ca. 60 %). Erschreckend ist in diesem Zusammenhang der Fakt, dass es sich bei den Opfern vorwiegend um Mädchen im Alter zwischen 13 und 18 Jahren handelt – also Kinder. Es sind meist ärmere und abgelegene Regionen, in denen Gewalt gegen Frauen häufig vorkommt. Wie zum Beispiel in Banjarnegara. Hier sind es vor allem junge Mädchen, die auf dem Heimweg von der Schule oder anderen Veranstaltungen Opfer von sexueller Gewalt werden. Aber auch Gewalt im häuslichen Bereich ist weit verbreitet.

Enik Maslahah leitet das Projekt und besucht die Projektregion regelmäßig. „Die Frauen in den vier Projektdörfern sind sehr motiviert. Bereits nach den ersten Monaten gibt es erstaunliche Erfolge“, berichtet sie. Sie meint damit vor allem die sehr zügig und erfolgreich gegründeten und gestärkten Frauengruppen, die sich untereinander vernetzen, das Thema Gewalt gegen Frauen in die Öffentlichkeit und in die Familien tragen und den Opfern Unterstützung anbieten. Die notwendige Nähe zur Zielgruppe des Projektes stellt Mitra Wacana außerdem durch „field officers“ sicher, also Mitarbeitende, die die allermeiste Zeit in den Projektdörfern verbringen und lokale Erkenntnisse in die Ausrichtung der Projektstrategie einfließen lassen. Am Projekt direkt beteiligt sind neben den Dorfbewohnerinnen und -bewohnern auch Mitarbeitende der Kommunen, die dazu befähigt werden, ihre Aufgaben und Rollen zum Schutz von Frauen und Kindern verbessert wahrzunehmen.

Auch die politischen Gremien in den Dörfern werden in das Projekt einbezogen. Das Ziel ist die Verabschiedung einer neuen Richtlinie, die den Schutz der Frauen und Mädchen auf Kommunalebene gewährleistet. Die Integration der gestärkten Frauengruppen, staatlichen Dienstleister und politischen Gremien in das Projektkonzept ist besonders herausfordernd für Mitra Wacana, gewährleistet aber auch eine nachhaltige Reduzierung von Gewalt in Banjarnegara über den Projektzeitraum hinaus. Das Ziel von Mitra Wacana ist es, dass die Frauengruppen ihre Interessen eigenständig gegenüber öffentlichen Stellen vertreten – und damit ihre Lebensbedingungen kontinuierlich verbessern.

Projektinfo

ProjektGewalt gegen Frauen nachhaltig bekämpfen
Ort/Region

Banjarnegara, Java

PartnerMitra Wacana
Zielgruppe

Junge Frauen und Mädchen in Banjarnegara

Aktivitäten
  • Unterstützung bei der Gründung von Frauengruppen
  • Aufklärungs- und Beratungsmaßnahmen
  • Lobby- und Advocavy-Arbeit
  • Vernetzung mit staatlichen und politischen Gremien
Laufzeit2015-2017
Budget60.000 Euro p.a.
FördererBMZ

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