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SüdasienNepal

Förderung sicherer Migration und Prävention von Menschenhandel

Immer mehr Menschen in den abgelegenen Regionen im Westen Nepals verlassen ihre Dörfer, um im Ausland Arbeit zu finden. Viele von ihnen sind dabei den Machenschaften von Menschenhändler*innen und Schleppern ausgesetzt. Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation NEEDS führen wir ein Projekt durch, um sichere Arbeitsmigration zu fördern und somit präventiv gegen Menschenhandel vorzugehen.

Eine Hilfs- und Informationsstelle für Migrant*innen von unserer Partnerorganisation NEEDS im Westen Nepals
Eine Hilfs- und Informationsstelle für Migrant*innen von unserer Partnerorganisation NEEDS im Westen Nepals (Foto: AWO International)

In der Hoffnung auf ein besseres Leben verlassen jeden Tag rund 1.700 Menschen in Nepal ihre Heimat, um im Ausland zu arbeiten. Sie migrieren in die Nachbarländer Indien und China oder in die Golfstaaten, um dort den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien zu sichern - oft unter katastrophalen Arbeitsbedingungen. Inzwischen leben über 3,5 Millionen Nepales*innen als Arbeitsmigrant*innen im Ausland. Die nepalesische Regierung hat die gesellschaftlichen Folgen der Arbeitsmigration lange Zeit vernachlässigt, auch weil die Rücküberweisungen von Migrierenden einen wesentlichen Anteil am Bruttoinlandsprodukt (BIP) des Landes ausmachen. Über die Hälfte aller nepalesischen Haushalte erhält Unterstützung von Familienmitgliedern im Ausland, in der Summe 6 Milliarden US$ und somit knapp ein Drittel des nepalesischen BIP. Migration ist inzwischen zu einem lohnenden Wirtschaftsfaktor in Nepal geworden.

Die Distrikte Doti und Kanchapur im Westen Nepals zählen zu den ärmsten des Landes. Herausfordernde topografische Bedingungen erschweren die Lebensbedingungen in einer Region, die von der Landwirtschaft abhängig ist. Knapp die Hälfte aller Einwohner*innen lebt in Armut ohne Zugang zu grundlegender Gesundheitsversorgung. Geschlechter- und kastenbasierte Diskriminierung ist weit verbreitet. Für viele Menschen ist Migration die einzige Hoffnung auf ein besseres Leben. Durch die geografische Nähe zu Indien gelten beide Distrikte als Transitregionen und weisen eine hohe Migrationsrate auf.

Vor allem Frauen werden Opfer von Ausbeutung und Menschenhandel

Die Nepales*innen, welche das Land verlassen, sind oft nur wenig qualifizierte Arbeitskräfte. In den Ankunftsländern leben und arbeiten sie meist unter extrem widrigen Bedingungen: Fehlende Arbeitsschutzmaßnahmen, schwierige klimatische Bedingungen, Ausbeutung und sogar Folter kennzeichnen den Alltag vieler Arbeitsmigrant*innen. Der Anteil der Frauen ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Viele sehen in der Migration meist die einzige Chance, der häuslichen Gewalt und der Diskriminierung zu entfliehen. Sie arbeiten häufig als Hausangestellte oder vergleichbaren Berufen, die schwer kontrollierbar sind. In Gastland angekommen werden sie häufig Opfer von Gewalt und Missbrauch – oder werden sogar zur Prostitution gezwungen.

Aber auch die Familienangehörigen, die in Nepal zurückbleiben, kämpfen mit den Folgen der Migration. Alte Familienstrukturen werden aufgelöst und neue Abhängigkeitsverhältnisse entstehen. Viele Menschen sind fortan sich selbst überlassen. Das familiäre Sicherungsnetz und die Fürsorge vonseiten ihrer Kinder, Eltern oder Ehepartner, welche nun im Ausland leben, fallen weg. Einzig die monetäre Unterstützung durch Rücküberweisungen aus dem Ausland kommt ihnen zugute.

Sichere Migration und Prävention gegen Menschenhandel

Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation NEEDS haben wir 2015 das erste Migrationsprojekt in den Distrikten Kanchapur und Doti gestartet. Ziel ist es, sichere Migration zu fördern und somit präventiv gegen Menschenhandel vorzugehen. Die lokale Bevölkerung soll stärker über Migration aufgeklärt werden, um somit selbstbestimmte Entscheidungen für oder gegen Migration zu treffen. Ein weiteres wichtiges Anliegen unserer Arbeit ist die Erstversorgung und die Reintegration von zurückkehrenden Migrant*innen sowie Opfern und Überlebenden von Menschenhandel. Im ersten Schritt steht die Sensibilisierung für das Thema im Vordergrund. Durch Aufklärungskampagnen wird auf die Themenbereiche unsichere Migration, Menschenhandel und geschlechterbasierte Gewalt aufmerksam gemacht. Diese werden unter anderem von zurückkehrenden Migrant*innen durchgeführt. Da Schulen eine wichtige Grundlage für die Präventionsarbeit bilden, erhalten Lehrer*innen themenbezogene Fortbildungen, um als Multiplikator*innen ihr Wissen weiter zu geben. Somit werden auch schon die Jüngsten für die Themen Migration und Menschenhandel sensibilisiert. Neben der Aufklärungsarbeit in den Schulen finden hierzu auch breit angelegte Print- und Radiokampagnen statt. 

Auf lokaler Ebene dienen neu errichtete Migrationsinformationszentren dazu, Gruppen von Rückkehrern durch Fortbildungen die Reintegration in die Gemeinschaft zu erleichtern und einen Austausch zwischen den Betroffenen zu gewährleisten. Die Migrationsinformationszentren sind meist an strategisch günstigen Orten wie zum Beispiel an zentralen Busbahnhöfen gelegen, da diese Verkehrsknotenpunkte für potenzielle Migrant*innen sind. Für die Zurückkehrenden ist es oftmals nicht leicht, wieder zurück in einen normalen Alltag zu finden. Unklare berufliche Perspektiven, zerbrochene Familienstrukturen und fehlende finanzielle Rücklagen erschweren die Situation. Viele haben im Zuge ihres Aufenthaltes Gewalt erfahren und kommen traumatisiert zurück. Für die betroffenen Personen stellen wir im Rahmen des Projektes eine professionelle Erstversorgung sowie anschließende psychosoziale Beratung zur Verfügung.

Projektinfo

Projekt Förderung sicherer Migration und Prävention von Menschenhandel
Ort/Region Distrikt Kanchanpur und Doti, Nepal
Partner NEEDS (Nepal Environment & Education Development Society)
Zielgruppe (Saisonale) Arbeitsmigrant*innen, Haushaltsmitglieder von Arbeitsmigrant*innen, zurückkehrende Migrant*innen
Aktivitäten
  • Gründung und Förderung von Migrationsinformationszentren (MIZ)
  • Informations- und Beratungsleistungen
  • Gendersensibilisierung
  • Förderung von Sozialstrukturen auf lokaler Ebene
Laufzeit 2017-2019
Budget 70.000 Euro p.a.
Förderer BMZ

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