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Zivile Seenotrettung im Mittelmeer

Das Rettungsschiff Aquarius von SOS MEDITERRANEE ist seit Februar 2016 mit Unterstützung von AWO International auf dem Mittelmeer unterwegs, um Menschen in Seenot zu retten. Die Bilanz bestätigt, wie dringend notwendig die Einsätze sind: Mehr als 19 000 Menschen wurden bisher gerettet, mehr als 27 000 an Bord versorgt.

Zivile Seenotrettung im MittelmeerDas Team der Aquarius im Einsatz: Erst werden Rettungswesten verteilt. Anschließend werden alle Flüchtenden an Bord in Sicherheit gebracht.(Foto: Patrick Bar/SOS MEDITERRANEE)

Das Mittelmeer hat sich zu einer der Hauptfluchtrouten für Flüchtende nach Europa entwickelt. Und zu einer der gefährlichsten und tödlichsten: Mehr als 5000 Menschen starben 2016 bei ihrer Flucht. „Tausende Menschen fliehen vor Krieg und Gewalt und sterben, weil Europa wegsieht. Es ist unsere humanitäre Pflicht, diesen Menschen zu helfen. Deshalb unterstützen wir SOS MEDITERRANEE“, so Ingrid Lebherz am 4. Februar 2016 bei der Verabschiedung der Aquarius in Bremerhaven. Wenig später ist das Rettungsschiff zwischen Libyen und Italien unterwegs – besetzt mit einem Search-and Rescue- (SAR) und einem medizinischen Team, Rettungsbooten, einer Klinik für die medizinische Erstversorgung und Hunderten von Schwimmwesten. Bis zu 600 Menschen können gleichzeitig an Bord versorgt werden. Die Einsätze finden ausschließlich in Abstimmung mit der Rettungsleitstelle MRCC in Rom statt.

Wir werden dort dringend gebraucht!

Woche für Woche rettet das Team der Aquarius Menschenleben. Die Bilanz seit Februar 2016: In unzähligen Rettungseinsätzen wurden mehr als 19 000 Menschen aus akuter Seenot gerettet und mehr als 27 000 Menschen an Bord versorgt. Mehrere Babys kamen an Bord der Aquarius zur Welt (Stand: März 2018). „Die Aquarius ist eines der wenigen Rettungsschiffe, das aufgrund der Ausstattung auch im Winter voll im Einsatz sein kann“, berichtet Rettungskoordinator Nicola Stella. „Die Flüchtenden auf den Schlauchbooten sind stark geschwächt und unterkühlt. Sie halten es rund 13 bis 15 Stunden auf See aus, dann ist die Gefahr, dass sie sterben sehr hoch. Mit unserer Spezialausrüstung und einer gut ausgebildeten 35-köpfigen Besatzung können wir auch Rettungen in komplizierten Situationen durchführen. Das Schiff hat eine Kapazität von 600 Personen, wir hatten aber schon 1000 Gerettete an Bord“, so Stella.

An Bord werden die Geflüchteten medizinisch und psychologisch betreut. Sie berichten über die Hintergründe ihrer Flucht, über die Überfahrt auf überfüllten und seeuntauglichen Booten, von denen es kaum eines nach Italien schaffen würde, und sie erzählen über das Grauen, das sie in Libyen erlebt haben. Es sind Geschichten des Schreckens, stellvertretend für das Leid vieler. Krieg, Gewalt, Verfolgung, Armut und Perspektivlosigkeit sind die Hauptgründe für eine Flucht. Viele Menschen sehen keinen anderen Ausweg, als ihr Leben zu riskieren und zu probieren, nach Europa zu kommen. In Libyen angekommen, erleben die Menschen die schrecklichste Phase ihrer Flucht. Sie werden dort wie Sklav*innen gehalten. Sie werden ausgebeutet, erpresst, geschlagen, vergewaltigt – oder einfach getötet. „Ich bin erleichtert, dass wir Menschen retten konnten, aber zugleich bin ich tief erschüttert über das, was die Geflüchteten erleiden mussten“, so Klaus Vogel.

Projektinfo

ProjektZivile Seenotrettung im Mittelmeer
Ort/Region

Mittelmeer, Seegebiet zwischen dem Süden Italiens und Libyen

PartnerSOS MEDITERRANEE
Aktivitäten
  • Rettung flüchtender Menschen auf dem Mittelmeer
Laufzeitseit 2016
FördererEigenmittel, Aktion Deutschland Hilft

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