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01. Februar 2017

Setz dir eine violette Brille auf! Die Rolle der Frauen in der Migration

Setz dir eine violette Brille auf! Anlässlich eines internationalen Symposiums zur Feminisierung der Migration geht Gretchen Kuhner, die Direktorin unseres Projektpartners IMUMI, der Rolle der Frauen in der Migrationsproblematik auf den Grund.

Internationales Symposium zur Rolle der Frauen in der Migration
Gretchen Kuhner spricht in einem Panel über den Einfluss der Agenda 2030 der Vereinten Nationen auf die nationale Migrationspolitik.

20 Prozent der jährlich etwa 400.000 Migrierenden aus Zentralamerika auf dem Weg in die USA sind Frauen und Mädchen. Die Mehrheit von ihnen ist auf internationalen Schutz angewiesen. Und obwohl der Anteil an Frauen unter den Migrierenden beachtlich hoch ist, wird die Migrationsproblematik viel zu selten aus der Perspektive der Frauen betrachtet.

Auf diese Thematik machte unser mexikanischer Projektpartner IMUMI (Instituto para las Mujeres en la Migración) während des vom 25. bis 26. Januar 2017 in Mexiko-Stadt stattfindenden Symposiums zur „Feminisierung der Migration“ aufmerksam. IMUMI hat das Symposium bereits zum vierten Mal als Co-Veranstalter ausgerichtet.

„Setzt die violette Brille auf!“ war eine der Forderungen an die Teilnehmer*innen des Symposiums. Ziel war es das Thema Migration aus einer Genderperspektive zu beleuchten. Denn Frauen und Mädchen trifft die Migrationsproblematik oftmals am schwersten. In einem Artikel zur Vorbereitung auf das internationale Symposium setzte sich Gretchen Kuhner, Direktorin unserer Partnerorganisation IMUMI, mit der Rolle der Frauen im Migrationszyklus auseinander: Was sind die Herausforderungen der Migration für Frauen? Mit welcher Art der Diskriminierung werden sie konfrontiert? Kuhner gibt mit dem Blick durch die violetten Gläser der Genderbrille in ihrem Artikel Antwort auf diese und weitere Fragen.

Gretchen Kuhner beleuchtet die Rolle der Frauen in der Migrationsproblematik

Die Migrationsproblematik basiert bereits seit vielen Jahren auf einer androzentrischen Perspektive, das heißt dass einzig und allein die Migrationserfahrungen der Männer eine Stimme bekommen. Und das, obwohl den Vereinten Nationen zufolge bereits seit mehr als fünf Jahrzehnten Frauen 50% der globalen Migrationsbevölkerung ausmachen.

„Um die Partizipation von Frauen in unterschiedlichen Migrationsprozessen zu beleuchten, ist es notwendig sich eine violette Brille aufzusetzen“, so Gretchen Kuhner in ihrem Artikel. Die Feminismusbrille sei notwendig, um Migrationsprozesse aus einer Genderperspektive zu analysieren und somit die Ungleichheit zwischen Männern und Frauen beim Namen zu benennen.

Denn Frauen sind im mexikanischen Migrationszyklus überall gegenwärtig: Sie sehen zu, wie Familienangehörige sich auf den Weg der Flucht in ein vermeintlich besseres Leben in den USA machen oder sie entscheiden sich selbst, die gefährliche Reise anzutreten. Man findet sie auf den Migrationsrouten ebenso wie im Einwanderungsland, wo sie sich in den meisten Fällen illegal aufhalten.

Und nicht wenige von ihnen werden zu Migrationsrückkehrerinnen. Bleiben sie zurück, bringt dies oftmals schwerwiegende Herausforderungen mit sich: Sie werden Opfer von Gewalt, leiden unter der Abwesenheit ihres Lebenspartners und später werden sie mit Scheidungs- oder Unterhaltsprozessen für ihre Töchter und Söhne konftrontiert.

Ein enormer Anstieg an Migrationsrückkehrer*innen ist auf die Wirtschaftskrise als auch die Verschärfung der amerikanischen Migrationspolitik zurückzuführen. 23 Prozent der im Jahr 2013 ausgewiesenen Migrant*innen aus den USA sind Mütter und/oder Väter von Töchtern oder Söhnen mit amerikanischer Staatsbürgerschaft. Ihnen wird der Zugang zur doppelten Staatsbürgerschaft und der Schuleintritt in ihrem Ursprungsland Mexiko verwehrt.

In unserer täglichen Arbeit mit Frauen, welche von der Migrationsthematik betroffen sind, sehen wir eine Vielzahl von Fällen von auseinandergerissenen Familien, Abschiebungen, physischer und sexueller Gewalt und einen von Hürden geprägten Zugang zur Justiz, Gesundheit und Bildung

Daher fordert Gretchen Kuhner die Leser*innen nicht nur dazu auf, die Migration durch die Gläser einer Genderbrille zu betrachten, sondern sich auch die (internationalen) Verpflichtungen zum Schutz von Migrantinnen, welche Mexiko eingegangen ist, ins Gedächtnis zu rufen.

Und bei eben dieser Thematik setzte Gretchen Kuhner erneut auf dem Symposium in einem Panel an, in dem sie über den Einfluss der Agenda 2030 der Vereinten Nationen auf die nationale Politik sprach. Die Expert*innen des Panels sind sich einig: Nicht die Migrant*innen selbst, sondern die Staaten müssen zur Rechenschaft gezogen werden, eine menschenfreundliche Migrationspolitik zum Schutz aller Geschlechter zu betreiben.

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