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06. August 2018

Kein Fair Play auf den Baustellen der Weltmeisterschaft in Katar

Korruption, Schmiergeldaffären und gekaufte Stimmen: Die Vergabe der Fußball- WM 2022 nach Katar hat mit Fair Play wenig zu tun. Noch tragischer ist die Situation der Arbeitsmigrant*innen auf den Baustellen in Katar: Zwangsarbeit, Ausbeutung und massive Menschenrechtsverletzungen gehören zum traurigen Alltag. Ein Bericht aus Bangladesch.

Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen in Bangladesch setzen wir uns für Migrant*innenrechte und Menschenrechte ein.
Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen in Bangladesch setzen wir uns für Migrant*innenrechte und Menschenrechte ein. (Foto: AWO International)

 „Ein Mann aus meinem Dorf versprach, alle notwendigen Dokumente für mich zu organisieren. Da ich noch nie einen Pass besessen habe, war ich dankbar für seine Hilfe“, erzählt der 27-jährige Sumon Haque. Die Geschichten vieler Arbeitsmigrant*innen ähneln sich oft: Mittelsmänner werben die Arbeitssuchenden mit dem Versprechen, im Ausland einen überdurchschnittlichen Lohn zu verdienen. In ihrer verzweifelten Suche nach Arbeit vergessen viele, welchen Risiken sie sich aussetzen. Häufig verlassen die Migrant*innen Bangladesch bereits hoch verschuldet. „Als der Mann nach wenigen Tagen zurück ins Dorf kam, verlangte er 50 000 Taka (ca. 500 Euro) von mir. Er drohte mit Gewalt, wenn ich ihm das Geld nicht innerhalb einer Woche zahle“, so Sumon. Mühsam sammelt er das Geld mit Unterstützung von Verwandten und Nachbar*innen zusammen. Er reist nach Katar aus – und ist erneut der Willkür und Brutalität der Vermittler*innen ausgesetzt.

Ich wurde von einem Mann angesprochen. Er versprach mir einen Job auf einer Baustelle für die Fußballweltmeisterschaft in Katar.

Auch der 31-jährige Selim Dia war auf der Suche nach Arbeit, weil Überschwemmungen die Lebensgrundlage seiner Familie zerstörten. „Ich wurde von einem Mann angesprochen. Er versprach mir einen Job auf einer Baustelle für die Fußballweltmeisterschaft in Katar. Ich sollte das Dreifache meines alten Einkommens verdienen“, erzählt Selim. Und auch er hat erlebt, was es bedeutet, hilflos ausgeliefert zu sein und ausgebeutet zu werden. Die Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Arbeiter*innen sind prekär. Immer wieder wird über unzureichenden Arbeitsschutz oder extreme Überarbeitung berichtet. Immer wieder sind Tote zu beklagen. „Ich habe täglich zehn Stunden plus zwei Überstunden bei über 40 Grad in der prallen Sonne gearbeitet, ohne richtige Verpflegung. Auch in der Nacht konnte ich mich nicht erholen. Wir haben uns mit insgesamt zehn anderen ein Zimmer geteilt“, berichtet Sumon.

Die Geschichten von Selim und Sumon stehen stellvertretend für die Arbeitsund Lebensbedingungen vieler Arbeitsmigrant*innen. Rund 500 000 Menschen aus Bangladesch arbeiten derzeit in Katar, viele von ihnen auf den Baustellen der Fußballstadien für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022. Weder die katarische noch die bangladeschische Regierung sind ernsthaft interessiert, die Situation der Arbeitsmigrant*innen zu verbessern. Für Katar sind die Migrant*innen billige Arbeitskräfte ohne Rechte, um möglichst schnell und kosteneffizient die Stadien fertigzustellen. Für Bangladesch hingegen bilden die Migrant*innen im Ausland durch die Rücküberweisungen nach wie vor eine wertvolle Wirtschaftsressource, welche rund ein Drittel des Bruttoinlandproduktes ausmacht. Moderne Sklaverei unter dem Deckmantel wirtschaftlichen Aufschwungs vor den Augen der Welt.

Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen in Bangladesch unterstützen wir die Betroffenen und möchten das Bewusstsein für ihre Situation schärfen, denn Migrant*innenrechte sind Menschenrechte. Wir sensibilisieren und klären über sichere Migration auf, stellen psychologische Betreuung für rückkehrende Migrant*innen bereit, gehen gegen Menschenhandel vor – und bringen diese Themen durch Lobby- und Advocacy-Arbeit auf die politische Agenda des Landes.

Den Bericht und weitere Artikel zum Thema finden Sie in unserer weitblick-Ausgabe zum Thema Fair Play vom Mai 2018.

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