19. Februar 2018

Hilfsprojekt in Uganda: Porridge für 14.000 Kinder und Jugendliche

Uganda hat in den letzten zwei Jahren mehr als eine Millionen Geflüchtete aufgenommen. AWO International unterstützt mit einem Hilfsprojekt Kinder und Jugendliche in den Flüchtlingssiedlungen. Ingrid Lebherz, Geschäftsführerin von AWO International, und Felix Neuhaus, Koordinator für Humanitäre Hilfe, besuchten das Hilfsprojekt nahe der südsudanesischen Grenze. Ein Bericht.

Für viele Kinder und Jugendliche in den Flüchtlingssiedlungen ist die Schule ein Ort der Sicherheit. Viele Eltern können ihren Kindern kein Essen mitgeben. Das Porridge gibt Kraft und Konzentration für den langen Schultag. (Foto: AWO International)Für viele Kinder und Jugendliche in den Flüchtlingssiedlungen ist die Schule ein Ort der Sicherheit. Viele Eltern können ihren Kindern kein Essen mitgeben. Das Porridge gibt Kraft und Konzentration für den langen Schultag. (Foto: AWO International)

Vor einem halben Jahr wäre mir zu Uganda als erstes Idi Amin eingefallen. Von 1971 bis 1979 terrorisierte er das Land und viele, die überleben wollten, mussten in die Nachbarländer fliehen. Seit einer Woche bin ich in Uganda und tief beeindruckt von der andauernd großen Freundlichkeit und Solidarität der Ugander*innen gegenüber Geflüchteten. In den letzten 2 Jahren hat Uganda über 1 Million Geflüchtete aus dem Südsudan und dem Kongo aufgenommen und will auch weiterhin seine Grenzen offen halten.

Felix Neuhaus, Koordinator für Humanitäre Hilfe und ich sind am 12. Februar über Brüssel und Kigali, in Ruanda nach Entebbe, dem Flughafen von Kampala geflogen. Erst weit nach Mitternacht sind wir in unserem Hotel angekommen. Am nächsten Morgen treffen wir uns im Büro unserer Partnerorganisation „Right to Play“ in Kampala, mit der wir seit einem guten halben Jahr eng zusammenarbeiten. Endlich können wir uns persönlich kennenlernen. Nach einem ersten Austausch brechen wir zu einer 8-stündigen Fahrt nach Adjumani, einer kleinen Stadt, 30 km vor der Grenze zum Südsudan auf. Hier sind in den letzten 2 Jahren sehr viele Siedlungen für Geflüchtete entstanden. Oft liegen sie neben bereits bestehenden Dörfern.

Jedes ankommende Familienoberhaupt erhält ein Stück Land, am Anfang noch 30 x 30 Meter, jetzt etwas weniger. Zudem bekommen sie Unterstützung, um sich ein kleines Rundhaus mit separater Latrine aus Lehmziegeln zu bauen. Das Flüchtlingswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) koordiniert zusammen mit dem Büro des Premierministers den Prozess. Das Welternährungsprogramm (World Food Programm, WFP) liefert Nahrungsmittel und viele internationale Hilfsorganisationen leisten Beiträge zur Wasser- und Gesundheitsversorgung oder anderen lebensnotwendigen Dingen.

Hygienetrainings und Aufklärungsmaßnahmen

Wir hatten uns letztes Jahr zur Förderung von Hygiene in Schulen und Schulmahlzeiten entschlossen. Die Schüler*innenzahlen in den lokalen Schulen hatten sich aufgrund des Zuzugs der Geflüchteten verdoppelt oder gar verdreifacht. Klassen von 180 (!) Kindern sind keine Seltenheit. Gerade hat es über 40 Grad im Schatten und es mangelt an sauberem Wasser. Damit wird Hygiene schnell zum Problem. Es drohen Cholera, Durchfall- und Hautkrankheiten. Jetzt haben wir Gelegenheit Kinder kennenzulernen, die von unserer Partnerorganisation in „Hygieneclubs“ zu Botschafter*innen ausgebildet wurden. Sie erklären uns, wie wichtig es ist, die Latrinen sauber zu halten, sich die Hände mit Seite zu waschen und für ausreichend Wasser bei den Waschbecken zu sorgen. Besonders beeindruckt sind wir von einigen Jungs, die beteuern, „dass Menstruation normal ist“. Sie möchten, dass ihre Schwestern und Klassenkameradinnen auch während ihrer Periode, zur Schule gehen können. Seit Projektbeginn gibt es in 28 Schulen waschbare Binden und geschützte Räume, wo die Mädchen sich umziehen und waschen können.

Bis 2016 gingen die Mädchen während ihrer Regelblutung kaum zur Schule, versäumten Unterricht und wurden gehänselt. In den „Hygieneclubs“ konnten die Kinder- und Jugendlichen besprechen, dass sie eigentlich auch gerne weiter zur Schule gehen möchten und nicht schon mit 15 oder 16 heiraten wollen. In vielen Familien war das Einsetzen der Regel ein Zeichen dafür, dass die Mädchen nun heiraten sollten. Der Schulleiter der Mugula-Schule berichtet von 35 Mädchen, die aus diesem Grund 2016 die Schule abgebrochen haben. 2017 waren es nur noch 6 Mädchen.

Im Februar beginnt in Uganda das neue Schuljahr. Damit startete in 10 Schulen, die von AWO International gefördert werden, die Schulspeisung. Was in unserer Planung noch 2 komplette Mahlzeiten pro Woche für die 1. und 2. Klasse pro Schule war, entwickelte sich in der Umsetzungsphase zu einem „Porridge“ aus Maismehl, Öl, Milchpulver und Wasser. Dies erhalten jetzt alle Schüler*innen. Wir haben gelernt, dass es in der Praxis nicht geht, nur einen kleinen Teil gut zu versorgen, während die anderen nichts bekommen.

Viele Kinder haben einen langen Schulweg. Der Schultag dauert 8 Stunden und die Eltern können ihnen kein Essen mitgeben. Mathew Amanzura, der Leiter der Schule in Pagirinya, weist darauf hin, wie wichtig dieses Porridge ist und dass es hilft, dass die Kinder zum Unterricht kommen und leistungsfähiger sind. Gemeinsam besichtigen wir den Lagerraum für Maismehl, Öl und Milchpulver. Als die Lieferung ankam, waren Schulleiter, Lehrer, Elternvertreter*innen und Schülervertreter*innen anwesend und bezeugten mit ihrer Unterschrift, dass die Mengen korrekt waren.

„Wie kommt es, dass die Menschen hier die Südsudanesen so freundlich und gelassen aufnehmen?“, frage ich Lily Limio, die Projektmitarbeiterin von Right to Play in Adjumani. „Es sind unsere Schwestern und Brüder, viele Menschen diesseits und jenseits der Grenze sprechen dieselben Sprachen und haben viele Gemeinsamkeiten, was uns verbindet. Auch meine Eltern mussten in den 70er Jahren fliehen und jetzt will ich etwas zurückgeben.“

Ingrid Lebherz
Geschäftsführerin AWO International

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