Nachhaltige Entwicklung

2015 wurde die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ von den 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) verabschiedet, darunter auch Deutschland. Mit Hilfe der Agenda will die Weltgemeinschaft die globalen Herausforderungen wie Armut, Hunger und Klimawandel bewältigen. Wir machen gemeinsam mit mehreren Partnerorganisationen in den kommenden Jahren auf die Agenda 2030 aufmerksam.

Die Agenda 2030 ist universell gültig, d. h. alle Länder der Erde müssen die 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung (Sustainable Development Goals, SDG) und ihre 169 Unterziele bis 2030 umsetzen, also auch Deutschland und die anderen Industrienationen. Um die SDG zu verwirklichen, muss sich die Politik innerhalb Deutschlands an den Zielen ausrichten, darf deutsche Politik über nationale Grenzen hinaus nicht den SDG widersprechen und müssen andere Länder bei deren nationaler Umsetzung unterstützt werden. Die Bundesregierung hat zur Umsetzung der SDG in und durch Deutschland die Deutsche Nachhaltigkeitsstrategie als politischen Rahmen gewählt und in der Neuauflage von 2017 entlang der SDG strukturiert. Anhand ausgewählter Indikatoren soll die nachhaltige Politik gefördert und deren Umsetzung gemessen werden.

Des Weiteren gibt es bestehende politische Institutionen, wie den Parlamentarischen Beirat sowie den Staatssekretärsausschuss für Nachhaltige Entwicklung, die die Umsetzung der SDG begleiten. Geleitet wird die Umsetzung vom Kanzleramt. Obwohl die Umsetzung der SDG strukturell damit in Deutschland gut aufgestellt ist, befürchten zivilgesellschaftliche Organisationen, dass die Umsetzung der SDG nur in wenigen Bereichen erfolgen wird. Denn die Nachhaltigkeitsstrategie hat nur wenige der SDG Unterziele ausgewählt und bildet somit bei Weitem nicht den Umfang der Agenda 2030 ab.

Umsetzung in und durch Deutschland – Was muss passieren?

Darüber hinaus gelten die Ziele sowie die Nachhaltigkeitsinstitutionen als sehr schwache Politikinstrumente, die nur geringen Einfluss auf wichtige politische Entscheidungen haben. Viele zivilgesellschaftliche Organisationen fordern aus diesem Grund, dass ein umfassender und verbindlicher nationaler Umsetzungsplan erstellt werden muss. Sämtliche Gesetzesvorhaben und Politikstrategien müssen künftig auf Kompatibilität mit der Agenda 2030 geprüft und korrigiert werden. Dies erfordert umsetzungsstarke Strukturen, wie einen „SDG-TÜV“ im Gesetzgebungsprozess.

Zudem müssen ausreichend personelle und finanzielle Ressourcen auf allen Ebenen (Bund, Länder, Kommunen, Zivilgesellschaft, Fachbehörden wie statistische Ämter usw.) bereitgestellt werden. Die Agenda 2030 bietet einen wichtigen Referenzrahmen, um eine nachhaltige Entwicklung hin zu einer sozial-ökologisch verträglichen Gesellschaft in und durch Deutschland kritisch zu begleiten. Zivilgesellschaftliche Organisationen warten nicht, bis die erforderlichen Reformen auf der politischen Ebene eingeleitet wurden. Bereits jetzt nutzen zahlreiche Verbände die Agenda 2030, um von der kommunalen bis zur globalen Ebene ihre Forderungen für eine nachhaltige Entwicklung und sozial-ökologische Transformation zu formulieren und umzusetzen.

Unterstützen Sie gemeinsam mit uns Superheldinnen und Superhelden in der Landwirtschaft:

Für eine bäuerlich-ökologischere Landwirtschaft und artgerechte Tierhaltung, für Klimagerechtigkeit und gutes Essen! 2019 entscheidet die Bundesregierung bei der EU-Agrarreform (GAP) maßgeblich mit, welche Landwirtschaft die EU Jahr für Jahr mit 60 Milliarden Euro unterstützt. Der Umbau zu einer bäuerlichen und ökologischeren Landwirtschaft kann nicht mehr warten. Bei den Verhandlungen in Brüssel muss sich die Bundesregierung an die Seite der Bäuerinnen und Bauern stellen, die Tiere artgerecht halten, insektenfreundliche Landschaften schaffen und gutes Essen herstellen. Deswegen schlagen wir – die bunte, vielfältige und lautstarke Bewegung – am 19. Januar in Berlin mit unseren Töpfen Alarm für die Agrarwende! Weitere Informationen

Die Verringerung von Ungleichheit innerhalb und zwischen Ländern ist die zentrale Herausforderung für nachhaltige Entwicklung bis zum Jahr 2030.

#FightInequalities

Umsetzung auf allen Ebenen – Die Bedeutung für uns

Die globale Nachhaltigkeitsagenda ist nicht nur für Staaten, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft von zentraler Bedeutung, sondern auch für jede und jeden von uns. Vor allem im globalen Norden steht unser Konsumverhalten im Zentrum der Aufmerksamkeit aller gesellschaftlichen Kräfte. Daher dürfen und sollen wir alle unseren persönlichen Einflussbereich nicht unterschätzen. Wir müssen unsere ressourcenintensiven Lebensstile kritisch hinterfragen, auf Zukunftsfähigkeit überprüfen, ein globales Solidaritätsgefühl entwickeln und die planetarischen Grenzen anerkennen. Der Wandel beginnt bei uns und setzt sich in unserem direkten persönlichen Umfeld, bei unserem gesellschaftlichen Engagement und bei unseren Wahlentscheidungen fort.

Gemeinsam mit 28 europäischen Organisationen macht das Projekt „Make Europe Sustainable for All!“ regional, national und europaweit auf die Ziele für nachhaltige Entwicklung der UN aufmerksam und setzt sich für konkrete Umsetzungsschritte der Agenda 2030 ein. Dabei ist es ein wichtiges Ziel, partnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen zivilgesellschaftlichen Organisationen in Europa zu schaffen und die Kapazitäten zivilgesellschaftlicher Organisationen für die kritische Begleitung der Umsetzung der Agenda 2030 zu stärken.

Vision 2030

Die Milleniums-Entwicklungsziele (MDG) haben gezeigt, dass Erfolge in der menschlichen Entwicklung möglich sind, wenn der politische Wille zur Gestaltung und Veränderung da ist. Der Abschlussbericht zur Umsetzung der Ziele stellt fest, dass die weltweite Armut in den letzten zwei Jahrzehnten signifikant gesunken ist. Dennoch räumt Richard Dictus, Vertreter für das UN-Entwicklungsprogramm in Deutschland, ein, dass es noch viele offene Probleme gibt. So würden zwar mittlerweile weniger Menschen in Armut leben. Gleichzeitig habe jedoch die Ungleichheit zugenommen – einerseits zwischen den Ländern, andererseits innerhalb der Länder.

Daher ist eine zentrale Forderung der Agenda 2030, Ungleichheit in und zwischen Ländern bis zum Jahr 2030 zu verringern. Gesetze und internationale Verträge müssen durch Politiker*innen stringent gestaltet werden, damit Erfolge auf einem Gebiet nicht durch Fehlschläge auf anderen Gebieten relativiert werden. Die größte Aufgabe besteht für uns alle darin, unsere eigene Agenda 2030 auf lokaler Ebene, beruflich und privat, umzusetzen. Dazu müssen wir unseren Ressourcenverbrauch kritisch hinterfragen, Handlungsspielräume identifizieren und eine Vision gestalten, wie wir und unsere Nachkommen ab dem Jahr 2030 leben möchten. Dann gilt es, unsere Vision Schritt für Schritt umzusetzen.

Alle Informationen zu den Globalen Zielen für nachhatlige Entwicklung finden Sie in unserem aktuellen Factsheet. Mit unseren Ratgebern Gerecht aktiv und Gerecht einkaufen möchten wir Sie dabei unterstützen, auf globale Ungerechtigkeiten hinzuweisen und für eine solidarische Entwicklung der Weltgeschicke in den kommenden Jahrzehnten einzutreten.

Netzwerktreffen "Nachhaltigkeitsziele in der freien Wohlfahrtspflege"

Am 25. September 2018 - dem dritten Geburtstag der globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung - haben 15 AWO-Gliederungen und Vertreter*innen weiterer Verbände analysiert, welche Chancen von den Nachhaltigkeitszielen für die Freie Wohlfahrtspflege ausgehen und welche Beiträge sie für ihr Erreichen leisten kann. Auch im kommenden Jahr planen wir wieder ein Netzwerktreffen im September 2019. Zum Bericht 

Fragen? Kontaktieren Sie uns!
Roman Fleißner
E-Mail: roman.fleissner[at]awointernational.de
Tel. 030 / 25292-364

Das sind die 17 Ziele für eine nachhaltige Entwicklung

Ziel 1: Armut in jeder Form und überall beenden, Zugang zu Land und armutsreduzierenden Dienstleistungen garantieren.

Ziel 2: Den Hunger beenden, Ernährungssicherheit und eine bessere Ernährung erreichen, nachhaltige Landwirtschaft fördern.

Ziel 3: Ein gesundes Leben für alle Menschen jedenAlters gewährleisten, Mütter- und Kindersterblichkeit
senken, schwere Krankheiten bekämpfen.

Ziel 4: Inklusive, gerechte und hochwertige Bildung gewährleisten, lebenslanges Lernen fördern, Zugang zur Bildung für nachhaltige Entwicklung gewähren.

Ziel 5: Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung für alle Frauen und Mädchen erreichen,
Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen beenden.

Ziel 6: Verfügbarkeit und nachhaltige Bewirtschaftung von Wasser und Sanitärversorgung für alle gewährleisten, wasserverbundene Ökosysteme schützen.

Ziel 7: Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher, nachhaltiger und moderner Energie für alle sichern. Anteil erneuerbarer Energien erhöhen.

Ziel 8: Dauerhaftes, breitenwirksames und nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive Vollbeschäftigung und menschenwürdige Arbeit für alle fördern.

Ziel 9: Eine nachhaltige Infrastruktur und Industrialisierung unter schonendem Ressourceneinsatz fördern.

Ziel 10: Ungleichheit in und zwischen Ländern verringern. Globale Finanzmärkte regulieren und überwachen. Migration sicher und verantwortungsvoll gestalten.

Ziel 11: Städte und Siedlungen inklusiv, sicher und nachhaltig gestalten. Sicherung bezahlbaren Wohnraums und nachhaltiger Verkehrssysteme. Umweltbelastungen senken.

Ziel 12: Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster und effiziente Ressourcennutzung sichern. Nahrungsmittelverschwendung verringern. Öffentliche Beschaffung nachhaltig gestalten.

Ziel 13: Umgehend Maßnahmen zur Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen und in nationale Politiken und Strategien einbeziehen.

Ziel 14: Ozeane, Meere und Meeresressourcen im Sinne nachhaltiger Entwicklung erhalten und nachhaltig nutzen. Überfischung beenden, Küsten schützen.

Ziel 15: Landökosysteme schützen und wiederherstellen. Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodenverlust und Verlust der Artenvielfalt beenden.

Ziel 16: Friedliche und inklusive Gesellschaften fördern, allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen, leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen aufbauen.

Ziel 17: Globale Partnerschaften aufbauen, 0,7 % des BIP für internationale Zusammenarbeit ausgeben, Entschuldung, gerechte Handelssysteme und Politik-Kohärenz umsetzen.

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