Südostasien • Philippinen

Mit Aufklärung Kinderarbeit in Davao vermeiden

Auf den Philippinen existieren die schlimmsten Formen von Kinderarbeit. Um die Lebenssituation von Kindern und Jugendlichen in Davao City zu verbessern, klärt unser Partner Kaugmaon Eltern und Kinder in Schulungen und Workshops über Kinderrechte, die gesunde Entwicklung von Kindern und die Wichtigkeit des Schulbesuchs auf.

Ausbeuterische Kinderarbeit bekämpfenAm 12. Juni ist der Internationale Tag gegen Kinderarbeit. Unterstützt von unserer Partnerorganisation Kaugmaon protestieren Kinder (und Erwachsene) gegen ausbeuterische Kinderarbeit. (Foto: AWO International)

Mehr als die Hälfte der philippinischen Bevölkerung sind Kinder und Jugendliche. Ihre Situation war und ist oft dramatisch: Die Elendsviertel in den Städten wachsen stetig an, Kinderarbeit ist weit verbreitet. Etwa vier Millionen Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 17 Jahren arbeiten, um ihre Familien ernähren zu können. Die Hälfte dieser Kinder besucht die Schule nicht regelmäßig.

60 Prozent der arbeitenden Kinder sind in der Landwirtschaft beschäftigt, viele von ihnen auf Plantagen von multinationalen Konzernen. Ein weiterer großer Prozentsatz arbeitet auf Baustellen und in Lagerhallen oder ist ganztätig mit dem Sammeln von recyclebarem Müll beschäftigt. Arbeitende Kinder sind häufig Risiken wie mangelnder Bildung, Gewalt, Drogenmissbrauch, Gesundheitsproblemen und Prostitution ausgesetzt. Gemäß eines Berichts des US Department of Labor gehören die Philippinen nach wie vor zu den Ländern, in denen die schlimmsten Formen von Kinderarbeit existieren.

Aufklären und unterstützen

Seit 1984 setzt sich die Nichtregierungsorganisation Kaugmaon Center for Children's Concerns Foundation, kurz Kaugmaon, für eine Verbesserung der Lebenssituation von Kindern und jungen Menschen auf der philippinischen Insel Mindanao ein. Seit 2010 unterstützt AWO International ein Projekt von Kaugmaon zur Vermeidung von Kinderarbeit in fünf Gemeinden der Großstadt Davao City: Eltern und Kinder werden in Workshops und Schulungen über Kinderrechte und die gesunde Entwicklung von Kindern informiert. Den Eltern wird vermittelt, wie wichtig das Aufwachsen von Kindern in verantwortlichen und gefestigten Familienstrukturen ist. Die Leadership-Trainings der Kinder zielen darauf ab, ihr Selbstvertrauen zu stärken. Kaugmaon weist in den Elternberatungen außerdem auf die Wichtigkeit des regelmäßigen Schulbesuchs hin und vergibt für Schüler/innen aus besonders armen Familien 20 Stipendien für die Schulgebühren.

"Ein Kreislauf, der mit der Ausbeutung von Kindern endet"

Kinderhandel, Kinderarbeit und Kinderprostitution sind auf den Philippinen weit verbreitet. Ungefähr 4 Millionen Kinder gehen arbeiten, 2,4 Millionen unter ausbeuterischen Bedingungen. Schätzungen zufolge werden etwa 100 000 Kinder gezwungen, in der Prostitution und im Sextourismus zu arbeiten.Im Interview berichtet Caroline Sperling, Leiterin des Regionalbüros Südostasien, über die Ursachen, Hintergründe und Abgründe – und was AWO International dazu beiträgt, um Kinderhandel zu verhindern.

Warum sind gerade auf den Philippinen so viele Kinder von Kinderhandel betroffen?
Eine wesentliche Ursache für Kinderhandel ist und bleibt Armut. Hinzu kommt, dass die Eltern einen geringen Bildungsstand haben und sehr schlecht informiert sind über das Thema. In der öffentlichen Wahrnehmung wird Kinder- und Menschenhandel eher als Unglück wahrgenommen und nicht als krimineller Akt. Das macht viele Familien zu leichten Opfern von professionellen Kinderhändlern, die ihnen alles Mögliche versprechen: ein hohes Einkommen, bessere Lebensverhältnisse und einen Ausweg aus der Armut.

Wir haben über die Ursachen gesprochen, aber warum gibt es überhaupt so etwas wie Kinderhandel?
Es gibt eine erhebliche Nachfrage nach Kindern als billige Arbeitskräfte in ganz verschiedenen Bereichen. Damit beginnt ein Kreislauf, der mit der Ausbeutung von Kindern endet. Dazu gehört auch die Sexindustrie. Kinder fühlen sich oftmals verantwortlich, ihre Familien zu unterstützen, indem sie arbeiten. Etwa die Hälfte der arbeitenden Kinder tut dies unter katastrophalen und ausbeuterischen Bedingungen, beispielsweise in Bergwerken.  Besonders verstörend ist die sexuelle Ausbeutung von Kindern. Die Philippinen gehören zu den Ländern, in denen die Rate von Kinderprostitution und Sextourismus besonders hoch ist. Schätzungsweise 100 000 Kinder sind betroffen. Die Dunkelziffer ist vermutlich noch höher. Mit der rasanten Entwicklung der Informationstechnologie hat sich zudem das Phänomen Cybersex verbreitet: Bis in die hintersten Ecken der Philippinen entstehen Läden, in denen Kinder gezwungen werden, vor der Kamera sexuelle Handlungen vorzunehmen.

Was unternimmt die Regierung, um das Problem zu bekämpfen?
Die Regierung hat in den letzten Jahren einiges unternommen. Allerdings mangelt es noch immer daran, die Gesetze zum Kinderschutz auch umzusetzen. Zudem gibt es von staatlicher Seite zu wenig präventive Maßnahmen für besonders schutzbedürftige Familien und deren Kinder. Hinzu kommt, dass Fälle von Kinderhandel und Missbrauch auch angezeigt werden müssen. Viele Familien haben jedoch Angst, Anzeige zu erstatten. Häufig kaufen sich die Täter frei, die Anzeigen werden zurückgezogen. Außerdem sind sowohl Polizei als auch Justiz personell und finanziell nicht genügend ausgestattet. Das erschwert sowohl die Aufklärung von solchen Straftaten als auch die Verurteilung der Täter.

Auf welche Weise versucht AWO International, mit den Partnern vor Ort Kinderhandel zu vermeiden?
Zunächst geht es darum, Aufklärungsarbeit zu leisten und die Selbstorganisation der Gemeinden zu stärken. Dazu unterstützen wir die Gründung von Kinder- und Elterngruppen, die von Sozialarbeitern betreut werden. Die Gruppen erhalten Trainings zu den Hintergründen und Auswirkungen von Kinderhandel und lernen ihre Rechte kennen. Um Kinder adäquat zu schützen, müssen wir das gesamte Umfeld der Kinder erreichen. Dazu gehören auch die Polizei, Regierungsstellen und Schulen, mit denen wir eng zusammenarbeiten. Wir leisten aktiv Lobbyarbeit, damit das Thema Kinderhandel in die lokalen Entwicklungspläne der Gemeinden integriert wird. Wichtig ist es, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen, um ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Kinderhandel eine Straftat ist.

Was sind die Erfolge?
In vielen Regionen ist es uns gelungen, die Gemeinden und die Betroffenen selbst zu mobilisieren und zu organisieren, so dass diese sich aktiv gegen Kinderhandel einsetzen und Fälle melden. Wir sind überzeugt, dass dies eine Grundvoraussetzung ist, um Kinderhandel einzudämmen. Hinzu kommen natürlich auch Einzelfälle, wie zum Beispiel die Reintegration von betroffenen Kindern in ihre Familien oder die juristische Unterstützung von Familien, die zur Verurteilung von Tätern führt.

Projektinfo

ProjektMit Aufklärung Kinderarbeit in Davao vermeiden
Ort/Region

Fünf Gemeinden der Stadt Davao City, Mindanao

PartnerKaugmaon for Children’s Rights and Social Development
Zielgruppe

Familien mit sehr niedrigem Einkommen, arbeitende Kinder

Aktivitäten
  • Trainings und Workshops für Eltern und Kinder
Laufzeit2015-2017
Budget91.600 Euro p.a.
FördererBMZ

Was Sie auch interessieren könnte