Südostasien • Indonesien

Rechte für Arbeitsmigrant*innen über Grenzen hinweg stärken

Auf der Suche nach einem Einkommen verlassen jährlich Hunderttausende Menschen Indonesien. Viele von ihnen laufen Gefahr, Opfer von Missbrauch, Ausbeutung und Menschenhandel zu werden. Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation INFEST setzen wir uns für eine sichere Migration und menschenwürdige Arbeitsbedingungen in Indonesien und im Zielland Malaysia ein.

Unsere Partnerorganisation INFEST bietet neben Aufklärung und Information zum Thema sichere Migration auch Workshops und Trainings an. So können ehemalige Migrant*innen oder Familienangehörige Erfahrungen und Wissen rund um das Thema weitergeben. (Foto: AWO International)Unsere Partnerorganisation INFEST bietet neben Aufklärung und Information zum Thema sichere Migration auch Workshops und Trainings an. So können ehemalige Migrant*innen oder Familienangehörige Erfahrungen und Wissen rund um das Thema weitergeben. (Foto: AWO International)

„Ich wurde gezwungen einen Darlehensvertrag für Gehaltsabzüge an die Vermittlungsagentur zu zahlen. Mein Pass wurde mir abgenommen und ich bekam ihn erst wieder, als die Abzüge vollständig bezahlt waren“, berichtet eine Sara*. Sie ist eine von vielen Betroffenen, die im Ausland arbeiten wollen und dabei Betrüger*innen auf den Leim gehen. Viele Menschen verlassen ihre Heimat, weil sie keine Arbeit finden. In Ländern wie Malaysia und Saudi-Arabien erhalten sie verhältnismäßig gute Gehälter auch für geringqualifizierte Jobs.

Doch wenn sie in die Hände ausbeuterischer Vermittler oder Arbeitgeber geraten, rutschen sie noch tiefer in die Armutsspirale ab. Sie werden betrogen und müssen überhöhte Abgaben an die Agenturen zahlen, die Ausbeutung reicht bis zur Schuldknechtschaft. Es kommt vor, dass sie nach Ankunft im Zielland einen neuen Vertrag aufgezwungen bekommen - mit weitaus niedrigerem Gehalt und schlechteren Arbeitskonditionen als zuvor vereinbart. Als Druckmittel wird Ihnen der Pass abgenommen oder sie erhalten falsche Papiere, sodass  sie sich – ungewollt - illegal im Ausland aufhalten. Viele Arbeitsmigrant*innen leiden zudem an den unmenschlichen Arbeits- und Lebensbedingungen: „Wir waren in unserer Unterkunft eingesperrt und durften nicht raus. Zum Schlafen waren wir wie Sardinen in der Dose auf dem Boden aneinandergereiht“, erzählt Sara.

Beraten, informieren und aufklären

Nach Schätzungen der Weltbank von 2016 arbeiten insgesamt 9 Millionen Indonesier*innen im Ausland – darunter 4,3 Millionen Migrant*innen ohne Papiere und Dokumente. Mehr als die Hälfte sind Frauen, die oftmals im informellen Sektor als Haushaltshilfe arbeiten. Aus Unkenntnis und manchmal aus purer Verzweiflung nehmen sie jedes Angebot an und fallen so auf Rekrutierungsagenturen herein, die illegal arbeiten oder Gesetze und Regularien missachten.

Gemeinsam mit der indonesischen Partnerorganisation INFEST setzen wir uns dafür ein, dass Arbeitsmigrant*innen über ihre Rechte informiert sind und diese auch geltend machen können. Das Projekt richtet sich sowohl an zurückgekehrte Migrant*innen und zurückgelassene Familien ist Ost-Java, als auch an Menschen, die bereits nach Malaysia migriert sind. Unser Ziel ist, ihren Zugang zu Recht und Justiz zu verbessern, der bisher in ihrer Heimat sowie im Zielland Malaysia mangelhaft ist. Durch diese Arbeitsweise erhält unsere Partnerorganisation INFEST Informationen über verschiedene Aspekte der Arbeitsmigration aus erste Hand und kann gezielt gegen das breite Spektrum an Problemen wie zum Beispiel undokumentierte Migration, illegale Vermittlungsagenturen, Betrug, Ausbeutung vorgehen.

Auf lokaler Ebene werden Gemeindegruppen in Ost-Java (Indonesien) und Johor Bahru (Malaysia) gegründet und gestärkt, sodass sie bei konkreten Fällen von Rechtsverletzungen reagieren können. Zudem informieren sie ihre Gemeinden über sichere Migration und über die rechtlichen Grundlagen. INFEST vernetzt die Gemeinden mit Organisationen und lokalen Regierungseinheiten, damit eine einheitliche, wirkungsvolle Fallbearbeitung stattfinden kann. Durch ein von INFEST entwickeltes Informationssystem können Fälle von Rechtsverletzungen gegen Migrant*innen von den Organisationen standardisiert bearbeitet und dokumentiert werden. Außerdem bringt INFEST die Gemeindegruppen in Partnerschaften mit Regierungsorganisationen und beispielsweise dem indonesischen Konsulat in Johor Bahru (Malaysia). Darüber hinaus setzt sich INFEST dafür ein, dass die Dorfregierungen Verantwortung im Kampf gegen Menschenhandel und unsichere Migration übernehmen, indem sie sich an umfassende Schutzmechanismen für Migrant*innen beteiligen.

*Namen zum Schutz der Personen geändert

Projektinfo

ProjektRechte für Arbeitsmigrant*innen über Grenzen hinweg stärken
Ort/Region

Java-Timur (Indonesien) & Johor Bahru (Malaysia)

PartnerINFEST (Institute for education development, social, religious, and cultural studies)
Zielgruppe

Arbeitsmigrant*innen und ihre Familien, Regierungsstellen

Aktivitäten
  • Aufbauen und Stärken eines Netzwerks für indonesischen Arbeitsmigrant*innen in Malaysia für Fallbearbeitung und Advocacy
  • Gründung und Stärkung gemeindebasierter Organisationen in indonesischen Dörfern
  • Implementieren von Richtlinien und Gesetzen zum Schutz von Arbeitsmigrant*innen
Laufzeit2018-2020
Budget68.000 Euro p. a.
FördererBMZ

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