Südostasien • Indonesien

Migrant*innen aus Lombok vor Menschenhandel und Gewalt schützen

Armut und fehlende Arbeitsmöglichkeiten führen in vielen Gemeinden der Insel Lombok dazu, dass Menschen migrieren, um ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Oft werden sie Opfer von Menschenhändlern. Mit unserer Partnerorganisation ADBMI führen wir ein Projekt zum Schutz migrierender Frauen und Männer durch.

Mitglieder der Migrantinnengruppe „Pada Patuh“ in Ketapan Raya Village führen eine Diskussion mit Kindern von Migrant*innen durch, um Probleme zu identifizieren und adressieren. (Foto: AWO International)Mitglieder der Migrantinnengruppe „Pada Patuh“ in Ketapan Raya Village führen eine Diskussion mit Kindern von Migrant*innen durch, um Probleme zu identifizieren und adressieren. (Foto: AWO International)

Die Insel Lombok gehört zur indonesischen Provinz Nusa Tenggara Barat. Hier ist die Armutsrate besonders hoch und der Bildungsstandard niedrig. Viele Menschen haben keinen Zugang zu sauberem Wasser und zu ausreichend Nahrungsmitteln. Insbesondere Kinder leiden darunter. Der lokale Arbeitsmarkt ist schwach, sodass sich jährlich rund 40.000 Frauen und Männer von ihren Familien verabschieden und zum Arbeiten ins Ausland ziehen. In unseren Projektgemeinden sind es bis zu 15 Prozent der Bevölkerung. Grundsätzlich ist das nicht schlecht – denn die Migrant*innen können oftmals den Lebensunterhalt für die ganze Familie gewährleisten. Doch Arbeitsmigration hat sehr häufig schwere soziale Folgen: Viele Menschen gehen undokumentiert ins Ausland und begeben sich somit in ernste Gefahren. Ausbeutung, Missbrauch und Menschenhandel gehören zum traurigen Alltag für viele Migrierende.

Nach Angaben der Regierung von 2010 verfügen rund 82 Prozent der Arbeitsmigrant*innen aus Nusa Tengara Barat nur über eine Grundschulbildung. Die überwiegende Mehrheit sind Frauen, die als Haushaltsangestellte vermittelt werden. Durch ihre Arbeit in privaten Haushalten sind sie kaum geschützt vor Missbrauch, Gewalt und Ausbeutung. Sie berichten uns von Ausgangssperren, Passentzug, bis hin zu physischer Gewalt und sexueller Misshandlung. Teilweise schlafen sie auf dem Boden und erhalten kein sauberes Trinkwasser oder zu wenig Essen.

Zahlreiche Vermittlungsagenturen nutzen die wirtschaftliche Not der arbeitssuchenden Frauen aus und locken sie mit Versprechungen: Viel zu oft aber landen sie in ausbeuterische Arbeitsbedingungen und werden Opfer von Menschenhandel. Arbeitssuchende wissen oft sehr wenig über die Gefahren und die regulären Prozesse der Migration, so dass sie nicht rechtzeitig erkennen, dass sie Betrüger*innen und Menschenhändler*innen auf den Leim gegangen sind.

Aufklären und nachhaltig schützen

Im gemeinsamen Projekt mit unserer Partnerorganisation ADBMI befähigen wir Gemeindeorganisationen, das Bewusstsein und Wissen zum Thema undokumentierte Migration unter ihren Mitbürger*innen zu steigern. In 5 Unterbezirken Ost-Lomboks hat ADBMI hierfür Gemeindegruppen aufgebaut und stärkt diese. Sie nehmen an Workshops zu Organisationsentwicklung, Advocacy, Rechtsbeihilfe, Beratung, Networking, Fundraising, Mediation und Rechtsstreiten teil. Die Fähigkeiten im Rechtsbereich werden benötigt, um Arbeitsmigrant*innen, die Opfer von Rechtsverletzungen wurden, dabei zu unterstützen, Vermittlungsagenturen oder Arbeitgeber zur Rechenschaft zu ziehen.

Zudem stellt ADBMI im Rahmen des Projektes sicher, dass bestehende Richtlinien für den Schutz von Frauen in Arbeitsmigration auf lokaler Ebene umgesetzt werden, indem Gemeinderegulierungen erarbeitet und verabschiedet werden. Es werden Schutz- und Präventionsmechanismen für die Gemeinden erarbeitet.

Um den Kampf gegen Gewalt an Migrant*innen auch über die Projektlaufzeit hinweg aufrecht zu erhalten, stärkt ADBMI die Partnerschaft zwischen den Gemeindeorganisationen und dem lokalen „Integrated Service Center for Women and Children Empowerment“, der vom indonesischen Ministerium betrieben wird. Hierdurch sollen die Gemeindegruppen Zugang zu öffentlichen Geldern erhalten.

Unsere lokale Partnerorganisation

ADBMI (Advokasi Buruh Migran Indonesia) wurde im Jahr 2000 von Menschenrechtsaktivist*innen, Familien indonesischer Arbeitsmigrant*innen, ehemaliger Migrant*innen und lokalen Frauenrechtsaktivistinnen aus Ost-Lombok gegründet.

Die Gründung der NGO aus den Gemeinden heraus und ihr lokaler Ansatz, ermöglicht es ADBMI, gezielt die Bedürfnisse der Anwohner Lomboks zu adressieren und eng mit diesen zusammenzuarbeiten. Gleichzeitig führen sie wertvolle, solide Partnerschaften mit Stakeholdern, wie lokalen Regierungseinheiten.

Das Projekt profitiert von der langjährigen Erfahrung von ADBMI im Aufbau kommunaler Migrant*innenvereinigungen, gemeindebasierter Präventions- und Beratungsmaßnahmen sowie Policy Advocacy und kann auf die Unterstützung der rund 140 freiwilligen Helfer von ADBMI in der Region zurückgreifen.

Projektinfo

ProjektSchutz von Arbeitsmigrantinnen vor Menschenhandel und geschlechtsspezifischer Gewalt
Ort/Region

Lombok Timur (Ost-Lombok)

PartnerADBMI Foundation (Advokasi Buruh Migran Indonesia)
Zielgruppe

Arbeitsmigrant*innen und ihre Familien, Opfer von Menschenhandel, lokale Regierungsbeamte

Aktivitäten
  • Bewusstsein für Menschenhandel und Gewalt gegen Frauen steigern
  • Präventionsmechanismen in Gemeinden aufbauen
  • Implementierung von Gesetzen und Richtlinien für den Schutz von Arbeitsmigrantinnen
Laufzeit2018-2020
Budget61.500 Euro p. a.
FördererBMZ

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