Südasien • Nepal

Sichere Migration für Frauen in Nepal

Immer mehr Frauen in Nepal entschließen sich, ihre Heimat zu verlassen, um im Ausland zu arbeiten. Viele migrieren dabei auf informellen Wegen. Damit steigt die Gefahr, Opfer von Menschenhandel zu werden. Prekäre Lebens- und Arbeitsverhältnisse und massive Menschenrechtsverletzungen sind oftmals traurige Realität in den Zielländern. Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation Pourakhi setzen wir uns für eine sichere Migration ein.

Abeitsmigratoin in NepalPotentielle Arbeitsmigrantin in einem Gemeindezentrum. Unsere Partnerorganisation Pourakhi berät Menschen, damit sie sicher migrieren. (Foto: AWO International)

Migration ist kein neues Phänomen in Nepal: Schon seit Jahrhunderten migrieren Menschen auf der Suche nach Arbeit ins Ausland – aufgrund der geografischen Nähe aber auch der kulturellen und sprachlichen Ähnlichkeiten spielt dabei die Migration nach Indien eine besonders große Rolle. Seit den 90er Jahren migrieren viele Menschen zunehmend auch in Länder wie zum Beispiel Katar, die Vereinigten Arabischen Emirate oder Malaysia.

Ursprünglich waren es vor allem Männer, die als Arbeitsmigranten ins Ausland gingen. Inzwischen entschließen sich auch immer mehr Frauen ihre Heimat zu verlassen. Kaum verwunderlich, denn das Leben vieler nepalesischen Frauen ist geprägt von geringen Bildungschancen, kaum Zukunftsperspektiven und einer geringen sozialen Anerkennung. Auch häusliche Gewalt und Diskriminierung gehören zu den Gründen. Auf der Suche nach einem besseren Leben versuchen sie ihr Glück im Ausland. Die Realität in den Zielländern sieht oftmals aber anders aus: Sie arbeiten in kaum kontrollierbaren Berufssparten zum Beispiel als Hausangestellte unter prekären Bedingungen. Diskriminierung, Gewalt und Missbrauch kennzeichnen oftmals den Alltag der Frauen. Viele Frauen reisen über irreguläre Wege aus, ohne die Sprache im Ankunftsland zu beherrschen. Sie haben kaum Informationen über den Migrationsprozess oder ihre Rechte und sind den Machenschaften der Schlepper*innen und Menschenhändler*innen hilflos ausgeliefert. Viele von ihnen werden zur Prostitution gezwungen.

Beratung, Aufklärung und Schutz von Arbeitsmigrantinnen

Seit 2012 arbeiten wir mit der nepalesischen Partnerorganisation Pourakhi zusammen mit dem Ziel, durch gezielte Informations-, Beratungs- und Medienarbeit eine sichere Migration zu fördern und rückkehrende Migrantinnen bei der Wiedereingliederung zu unterstützen. Zudem sollen Lobby- und Netzwerkarbeit mit Regierungsvertretern*innen, staatlichen Institution und Nichtregierungsorganisationen dazu beitragen, die Rechte von Migrant*innen zu stärken. Mit Beginn des gemeinsamen Projektes wurden erfolgreich Migrationsinformationszentren an verschiedenen Standorten aufgebaut. Hier erhalten Interessierte Informationen sowie Beratung zu sicherer Migration und juristische Unterstützung.

Zudem kümmert sich Pourakhi um zurückkehrende Migrantinnen: Viele erleiden physische und psychische Schäden während ihres Aufenthaltes und kommen traumatisiert zurück. Der Kontakt zu Verwandten ist oftmals abgebrochen, sie wissen nicht wohin. Aufgrund der hohen Vermittlungsgebühren von Schlepper*innen sind sie oft verschuldet. Pourakhi bietet den betroffenen Frauen in Notunterkünften erste Hilfe und unterstützt sie bei der Rückkehr in ihre Heimat. Für diese Zeit, was oft einige Tage, nicht selten aber auch bis zu einer Woche oder länger in Anspruch nimmt, gewährt die Notunterkunft eine kostenfreie Schlafmöglichkeit, Mahlzeiten und medizinische Betreuung.

Neben der Arbeit mit Migrant*innen setzen wir auch ein Augenmerk auf die Zusammenarbeit mit direkten Angehörigen von Migrant*innen. Durch gezielte Trainings soll ihnen hierbei vermittelt werden wirtschaftlich und nachhaltig mit den Rücküberweisungen ihrer Familienangehöriger aus dem Ausland umzugehen.

Unsere Partnerorganisation Pourakhi wurde 2003 gegründet und setzt sich seitdem für die Rechte und Anliegen von nepalesischen Arbeitsmigrantinnen ein. Zunehmend arbeitet Pourakhi auch mit Migranten zusammen. Inzwischen gehört die Organisation zu den wichtigsten zivilgesellschaftlichen Akteuren zum Thema Migration im Land. „Pourakhi“ bedeutet übersetzt übrigens „selbstständig“ und „unabhängig“. Das ist auch die Leitidee unserer Zusammenarbeit: Zurückgekehrte Migrant*innen sollen neues Selbstvertrauen gewinnen und somit zu einem selbstbestimmten Leben und geregelten Alltag zurückzufinden.

Projektinfo

ProjektSichere Migration für Frauen in Nepal
Ort/Region

3 Gemeinden (Dakshinkali, Tarkereshwor, Tokha) im Kathmandu-Tal, Nepal

PartnerPourakhi
Zielgruppe

53.000 Frauen und Männer, rückkehrende und potentielle Arbeitsmigrantinnen sowie Familienangehörige, Anrufer der Hotline

Aktivitäten
  • Betrieb von 8 Migrationsinformationszentren (MIZ)
  • Sensibilisierungsmaßnahmen für sichere Migration  (u.a. in Schulen)
  • Ausbildung (Training) von MIZ-Berater/innen, Jugendlichen und lokalen staatlichen Akteuren im Kontext sicherer Migration
  • Entwicklung und Ausstrahlung von Radioprogrammen und Betrieb einer Telefonhotline
  • Beratung von potentiellen und rückkehrenden Arbeitsmigrantinnen
  • Netzwerken & Lobbying mit Regierungsinstitutionen und zivilgesellschaftlichen Organisationen auf lokaler- und Distrikt-Ebene
  • Trainings und Einkommen schaffende Maßnahmen
  • Verbesserung des sozioökonomischen Status von Arbeitsmigrantinnen und Rückkehrerinnen
  • Sensibilisierung für geschlechtsspezifische Themen
Laufzeit2017-2019
Budget72.000 Euro p.a.
FördererBMZ

Was Sie auch interessieren könnte