Südasien • Nepal

Mehr Rechte und Teilhabe für ehemalige Leibeigene

Erst 2002 ist in Nepal ein System der Leibeigenschaft abgeschafft worden. Die versprochene Rehabilitierung der ehemals Leibeigenen (Kamaiya), wird kaum umgesetzt, sie leben noch immer in Armut. Kamaiya werden deshalb dabei unterstützt, sich zu organisieren, damit sie selbstbewusst ihre Rechte und ihnen zustehende Leistungen einfordern.

Nepal, Mehr Rechte und Teilhabe, LeibeigeneAuch nach Abschaffung der Schuldknechtschaft werden Kamayia-Gemeinschaften benachteiligt. Wir unterstützen die Selbstorganisation Kamayia. (Foto: AWO International)

Noch bis vor zehn Jahren existierte vor allem in West-Nepal ein System der Schuldknecht- bzw. Leibeigenschaft, das als Kamaiya-System bekannt war. Dabei „verkauften“ verarmte und landlose Familien die Arbeitskraft ihrer Töchter und Söhne an Grundbesitzer, bei denen sie sich verschuldet hatten. Die Kamaiya (wörtlich: hart arbeitende Landarbeiter), gehörten zum Großteil der indigenen Bevölkerungsgruppe der Tharu aus dem Terai im Süden Nepals an. Bei ihren „Besitzern“ fristeten sie oft ein menschenunwürdiges Dasein. Erst 2002 wurde das Kamaiya-System offiziell abgeschafft. Den 80.000 bis 100.000 Kamaiya wurde im Rahmen eines Rehabilitierungsprogramms eigenes Land und finanzielle Unterstützung versprochen. Bis heute ist die Rehabilitierung aber nur unzureichend vollzogen und die meisten Kamaiya leben nach wie vor in bitterer Armut.

Kamaiya-Gemeinschaften stärken

AWO International unterstützt die lokale Nichtregierungsorganisation Society for Participatory and Cultural Education’ (SPACE), die in der Arbeit mit Kamaiya-Gemeinschaften über langjährige Erfahrung verfügt, bei der Umsetzung des Projekts „Community Empowerment and Sustainable Livelihood Programme“. Ziel des Projekts ist es, einem Teil der Kamaiya eine nachhaltige Existenzgrundlage zu verschaffen, einen Beitrag zur Verbesserung ihrer Gesundheits- und Bildungssituation zu leisten und dafür zu sorgen, dass die ihnen zustehenden Leistungen aus dem Rehabilitierungsprogramm der Regierung auch ankommen. Im Rahmen des Projekts werden in fünf Bezirken des Distrikts Bardiya im Südwesten Nepals Kamaiya-Gemeinschaften dabei unterstützt, sich in Selbsthilfegruppen und Netzwerken so zu organisieren, dass sie ihre Entwicklung selbstbestimmt in die eigene Hand nehmen und selbstbewusst ihre Rechte einfordern.

Für mehrere tausend Kamaiya sowie die in ihrem Siedlungsgebiet beheimateten Dalits (Angehörige benachteiligter Bevölkerungsgruppen) und Landlosen werden Maßnahmen wie der Verbesserung der Wasserversorgung, landwirtschaftlichen Trainings, Berufsausbildung, Förderung von Kleinstunternehmen, schulbegleitendem Unterricht, Alphabetisierungskursen etc. durchgeführt. Dadurch werden unter anderem alternative Einkommensmöglichkeiten geschaffen, Kindern wird ein geregelter Schulbesuch ermöglicht.

Das Projekt wurde 2015 erfolgreich abgeschlossen.

Projektinfo

ProjektRechte und Teilhabe für ehemalige Leibeigene
Ort/Region

Siedlungen der Kamayia in den fünf VDCs Motipur, Deudhakala, Sorahawa, Kalika und Dhadawar des Bardiya-Distriktes in Südnepal

PartnerSociety for Participatory and Cultural Education (SPACE)
Zielgruppe

Direkte Zielgruppe: 8.268 Personen. Indirekte Zielgruppe: 5.300 Personen

Aktivitäten
  • Aufbau von Basisgruppen und Netzwerken auf Gemeindeebene
  • Trainings für Gruppenmitglieder in z. B. Führungskompetenz, internem Management, Buchhaltung, Sparen und Kreditwesen
  • Aufklärungskampagnen über Primärbildung und Schulanmeldung
  • Förderung von mindestens 80 Kindern durch Kleinststipendien
  • Durchführung von Alphabetisierungsprogrammen
  • Einkommen schaffende Maßnahmen
  • Entwicklung von Stundenplänen für außerschulischen Unterricht, Trainings für die Umsetzung von nicht formellen Bildungsangeboten
  • Aufklärung über Hygiene und sanitäre Einrichtungen
  • Sensibilisierungskampagnen zu Menschenrechten
  • Advocacy-Trainings für die Kamaiya
  • Mobilisierung von Ressourcen aus relevanten Regierungsprogrammen
LaufzeitDas Projekt wurde 2015 erfolgreich abgeschlossen
FördererBMZ

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