Südasien • Indien

Lebensbedingungen der Musahar verbessern

Die Musahar gehören in Indien zu den am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen. Mit Einkommen schaffenden Maßnahmen werden ihre Existenzgrundlagen verbessert. Durch Lobbyarbeit und den Aufbau von Basisorganisationen können sie ihre Rechte einfordern.

Verbesserung der Lebensbedingungen und Ernährungssicherung in IndienDie Musahar gehören zu den am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen in Indien. (Foto: AWO International)

Die im Grenzgebiet zu Nepal im Osten des nordindischen Bundesstaates Uttar Pradesh beheimatete Musahar-Gemeinschaft gehört zu den am meisten benachteiligten Bevölkerungsgruppen Indiens. Soziale Diskriminierung erfahren sie als Dalits bzw. Angehörige der sogenannten „scheduled castes“. Das sind ehemals Unberührbare im indischen Kastensystem, das zwar offiziell schon lange abgeschafft wurde, dessen soziale Grenzen im Bewusstsein aber nach wie vor fortbestehen. Hinzu kommt die wirtschaftliche Marginalisierung als Gelegenheitsarbeiter/innen, meist ohne Landbesitz und Zugang zu Ressourcen aus staatlichen Wohlfahrtsprogrammen. Die Musahar (nach ihrer traditionellen Kastenzuschreibung wörtlich „Rattenfänger“), die aus ihrem angestammten Lebensraum, dem Wald, verdrängt wurden, fristen heute ein Dasein unter menschenunwürdigen Bedingungen und sind mit einer ständigen Bedrohung ihrer Existenzgrundlagen konfrontiert.

Rechte stärken durch Selbstorganisation

AWO International unterstützt seit 2009 die in Gorakhpur ansässige Nichtregierungsorganisation Manav Seva Sansthan (MSS) bei der Umsetzung des Projektes ‘Enhanced livelihoods security through improved access to land entitlement and basic needs for the Musahar Community’. MSS wurde 1988 von einer Gruppe von Entwicklungsaktivisten/innen um Uma Shankar Tripathi gegründet, einem Schullehrer und Anhänger des berühmten indischen Sozialarbeiters Baba Amte. Ziel des Projektes ist es, zumindest die Grundbedürfnisse der Musahar-Gemeinschaft zu befriedigen und dafür zu sorgen, dass sie die ihnen zustehenden Ansprüche wie Land, Arbeit, Nahrungsmittelzuweisungen oder gesundheitliche Versorgung erhalten.

Das Projekt verfolgt einen integrierten Ansatz: Zum einen wird durch Einkommen schaffende Maßnahmen wie Trainings zur Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion, gesundheitliche Aufklärung und schulbegleitende Unterrichtskurse ein Beitrag zur Verbesserung der Existenzgrundlagen der Musahar geleistet. Zum anderen werden auf Gemeindeebene Basisorganisationen (z.B. Selbsthilfegruppen oder Spar- und Kreditvereine) aufgebaut und gefördert. Diese Organisierung sowie Aufklärungskampagnen und Lobbyarbeit gegenüber Regierungsbehörden tragen dazu bei, dass sich die Musahar ihrer Rechte bewusst werden und in der Lage sind, ihnen zustehende Ansprüche auch einzufordern.

Projektinfo

ProjektVerbesserung der Lebensbedingungen der Musahar
Ort/Region

24 Dörfer im Kushinagar-Distrikt im Bundesstaat Uttar Pradesh. Lobby- und Advocacy-Arbeit im Bundesstaat Bihar

PartnerManav Seva Sansthan (MSS)
Zielgruppe

6.205 wirtschaftlich und sozial benachteiligte Musahar-Familien (direkt), 650.000 Angehörige der Zielgruppe (indirekt)

Aktivitäten
  • Aufbau und Stärkung von Basisorganisationen auf Gemeindeebene und Selbsthilfegruppen
  • Kompetenzaufbau zu Themen wie Sicherung des Lebensunterhaltes, Gesundheit, Wasser und Sanitäranlagen, Anspruchsberechtigung, Rechte von Frauen und Kindern, häusliche Gewalt etc.
  • Aufklärungskampagnen auf Gemeindeebene
  • Trainings und Inputs zu nachhaltiger Landwirtschaft
  • Unterrichtsbegleitung für Kinder, die nicht in die Schule gehen
  • Gesundheitscamps
  • Advocacy-Workshops und öffentliche Anhörungen zu den Rechten und Ansprüchen der Musahar-Gemeinschaft
  • Mobilisierung von Ressourcen aus relevanten Regierungsprogrammen
Laufzeit2017
Budget50.000 Euro p.a.
FördererBMZ

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