Südasien • Indien

Selbstbestimmte Entwicklung durch Dorffreiwillige

In Zentralindien leben die Ethnien Baiga und Madia unter prekären Bedingungen. Freiwillige Dorfsprecher/innen werden dabei unterstützt, die Entwicklung ihrer Dörfer selbst in die Hand zu nehmen, sich für ihre Rechte einzusetzen und sich zu vernetzen.

Verbesserung der Lebensbedingungen, Indien, ErnährungssicherungDie Lebendsbedingungen vieler Baiga-Familien hat sich durch das Projekt grundlegend verbessert. (Foto: AWO International)

Seit Menschengedenken leben die Ethnien Baiga im zentralindischen Bundesstaat Madhya Pradesh und Madia im Bundesstaat Chhattisghar in und vom Wald. Sie gehören zu den indigenen Bevölkerungsgruppen der Adivasi. Ihre Lebensumstände sind prekär: Sie fristen ihr Dasein am Rande des indischen Wirtschaftsbooms, ohne sicheres Einkommen, mit unzureichender Nahrungssicherheit, mangelnder gesundheitlicher Versorgung und geringer bis fehlender Schulausbildung. Hinzu kommt, dass ihre wichtigste Ressource, der Wald, durch Bergbauprojekte und Abholzung bedroht ist. Zwar hat die indische Regierung in den letzten Jahren verschiedene Programme aufgelegt, die auf eine Verbesserung der Existenzgrundlage der Adivasi abzielen und ihre Rechte am Wald festschreiben, die Umsetzung dieser Programme ist aber nach wie vor unzureichend.

AWO International unterstützt deshalb seit 2003 das National Institute of Women, Child and Youth Development (NIWCYD) bei der Durchführung des Projektes “Livelihood Promotion of Primitive Tribal Groups and Marginalized Communities in Central India through Linkages to Government Schemes”. Ziel des Projektes, ist es, den Baiga und Madia in 34 Dörfern zu einer selbstbestimmten Entwicklung und würdigen Lebensumständen zu verhelfen, ohne dabei zu sehr in ihren Lebensalltag einzugreifen. Sie sollen ihre Entwicklung selbst in die Hand nehmen und die ihnen zustehende Ansprüche aus staatlichen Wohlfahrtsprogrammen und ihre gesetzlich garantierten Rechte einfordern.

NIWCYD fördert verschiedene Einkommen schaffende Maßnahmen wie den Aufbau von Saatgutbanken und Bewässerungssystemen sowie die Landentwicklung. Kampagnen zur gesundheitlichen Aufklärung und die Einführung von schulbegleitendem Unterricht tragen zur Verbesserung der Gesundheits- und Bildungssituation der Baiga und Madia bei. 

Gramdoots: Hilfe zur Selbsthilfe

NIWCYD setzt dabei vor allem auf ihre Selbstorganisation und Vernetzung mit staatlichen Stellen. Eines der wichtigsten Instrumente bei der Umsetzung des Projekts ist das Gramdoot-Modell: Es legt die Verantwortung für dörfliche Entwicklungsprozesse und für den Kontakt mit Regierungsbehörden in die Hände motivierter Frauen und Männer aus den Reihen der eigenen Dorfgemeinschaft, der sogenannten Gramdoots. Diese freiwilligen Dorfsprecher/innen sind gut vernetzt, organisieren sich bereits überregional und setzen sich wie mittlerweile zahlreiche andere Selbsthilfeorganisationen lautstark für ihre Rechte ein.

NIWCYD wurde 1982 von einer Gruppe engagierter Sozialaktivisten/innen mit dem Ziel gegründet, sich für die Entwicklung marginalisierter Bevölkerungsgruppen in Indien einzusetzen. Im Vordergrund sollte dabei der Selbsthilfeansatz stehen. Die Organisation hat ihren Sitz in Nagpur im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh. Das erfolgreiche Projekt befindet sich nach einer 13-jährigen Kooperation im „Phasing-out“ und wird 2014 beendet. Im Dezember 2013 fand die große Projektabschlussfeier mit einer symbolischen Übergabe an die Bevölkerung der Baiga statt.

Projektinfo

ProjektSelbstbestimmte Entwicklung durch Dorffreiwillige
Ort/Region

29 Dörfer des Dindori-Distrikts im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh und fünf Dörfer des Bastar-Distrikts im indischen Bundesstaat Chhattisghar

PartnerNational Institute of Women, Child and Youth Development (NIWCYD)
Zielgruppe

Angehörige der Adivasi-Gemeinschaften der Baiga in Madhya Pradesh und der Madia in Chhattisghar (insgesamt 3.089 Familien)

Aktivitäten
  • Entwicklung von Bewässerungssystemen, Landentwicklung, Training in verbesserten Anbautechniken 
  • Entwicklung und Aufbau der Kapazitäten von Dorffreiwilligen, Errichtung von Foren und Netzwerken, regionale Konferenzen und Workshops auf Länderebene, Aufbau der Kapazitäten von lokalen Selbstverwaltungen und Volksvertretern/innen
  • Mobilisierung von Ressourcen aus relevanten Regierungsprogrammen 
  • Entwicklung von Getreide – und Saatgutbanken, Stärkung von Basisorganisationen auf Gemeindeebene
  • Förderung von Selbsthilfe- und Frauengruppen
  • Aufbau von Studiengruppen zur Forstwirtschaft, Entwicklung von Registern zur biologischen Vielfalt, Trainings zu gemeinschaftlicher Waldplanung und Gemeindewaldbewirtschaftung, Studie und Dokumentation über den Waldbestand (Flora und Fauna)
  • Stärkung von Eltern- und Lehrerverbänden, Kampagnen zur Schuleinschreibung, Brückenkurse für langsam lernende Kinder
  • Studie zur Kindersterblichkeit, Förderung und Training von freiwilligen Gesundheitshelfern/innen und traditionellen Geburtshelfer/innen
Laufzeitbis 2014
FördererBMZ

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