Naher Osten • Libanon

Hilfe für syrische Flüchtlinge im Libanon

Seit Beginn des Bürgerkrieges in Syrien sind 4,8 Millionen Syrer*innen sind aus dem Land geflohen, etwa 1,2 Millionen in das kleine Nachbarland Libanon. Kein anderes Land hat im Verhältnis zur eigenen Bevölkerung mehr Geflüchtete aufgenommen. Dort führt AWO International ein Hilfsprojekt für Geflüchtete durch.

Hilfe für Syrische Flüchtlinge im LibanonRasha floh mit ihrer Familie aus ihrer Heimatstadt in Syrien. Seit einem Jahr wohnt sie in der Zeltsiedlung Qaa. Hier kam ihre zweite Tochter Nur zur Welt. (Foto: AWO International)

In der kahlen nordlibanesischen Bekaa-Ebene haben etwa 350 000 Syrer*innen Zuflucht in fast 2000 Zeltsiedlungen gefunden. Im Sommer gleißende Hitze, im Winter beißende Kälte, ein Leben ohne ein festes Dach über dem Kopf, ohne ein sicheres Auskommen, ohne Gewissheit, jemals ihre Familienangehörigen, ihre Dörfer und Häuser wiederzusehen. Immer mit dem Blick auf die Bergkette, die das Bekaa-Tal säumt und hinter der nur wenige Kilometer entfernt ihre Heimat liegt, in der Krieg herrscht.

Flucht in den Libanon

Rasha* (22 Jahre) und Kalil (30 Jahre) leben seit knapp einem Jahr in der Zeltsiedlung in Qaa. Zusammen mit ihrer einjährigen Tochter Rana flohen sie aus ihrer Heimatstadt Darayya, einem Vorort von Damaskus. Lange hatten sie die Hoffnung, ihr Kind in Darayya aufwachsen zu sehen – bis die Kämpfe und Grausamkeiten des IS ihr eigenes Leben bedrohten. Sie folgten Rashas Eltern, die schon ein Jahr zuvor in die Bekaa-Ebene geflohen waren. Ihre Flucht zu Fuß mussten sie immer wieder tagelang unterbrechen, um vor den schweren Kämpfen zwischen dem IS und der Al-Nusra-Front Schutz zu suchen.

Zwanzig Tage brauchten sie, bis sie endlich die libanesische Kleinstadt Hermel nahe der syrischen Grenze erreichten. Dort lebten Rashas Eltern in einer der zahlreichen Zeltsiedlungen. Inzwischen sind die beiden gemeinsam mit ihrer Tochter und Rashas Eltern in eine Zeltsiedlung am Rande des Dorfes Qaa gezogen. Dort ist die Pacht für das Land, auf dem ihre Zelte stehen, geringer als in Hermel. Die UN-Hilfeleistungen reichen aber kaum aus, um mit der Familie über die Runden zu kommen. Tagsüber arbeitet Kalil für libanesische Bauern als Tagelöhner. Trotzdem reicht das Geld nicht, um ihre Bleibe instand zu halten. „Wir sind froh, dass wir unsere Kinder vor dem Krieg in Syrien in Sicherheit bringen konnten und sie zumindest mit ihren Eltern und zwei ihrer Großeltern zusammenleben können. Gleichzeitig ist das Leben hier sehr schwer und die Kinder sind häufig krank“, so Rasha.

Winterfeste Unterkünfte und Hygiene

Gemeinsam mit der italienischen Organisation „Gruppo di Volontariato Civile“ (GVC) und mit Mitteln der EU unterstützt AWO International Geflüchtete in den Siedlungen in der Bekaa Ebene. Insbesondere in informellen Zeltsiedlungen, wo viele Menschen jeden Alters auf engstem Raum zusammenleben, sind Hygienemaßnahmen besonders wichtig. Lokale Mitarbeiter*innen von GVC führen Workshops und Aufklärungsmaßnahmen durch, die sich speziell auch an Frauen und Kinder richten. „Nur die wenigsten Flüchtlinge verbinden mangelnde Hygiene ursächlich mit den Haut- und Geschlechtskrankheiten, mit denen sie und ihre Nachbar*innen in den informellen Siedlungen immer wieder akut zu kämpfen haben“, sagt Safa von GVC.

Die Zelte, in denen die meisten Menschen leben, sind kaum für den Winter gerüstet. Um sie winterfest zu machen, verteilen AWO International und GVC Plastikplanen, Schlafmatten, Isolierfolien, Vorhängeschlösser sowie weitere Gegenstände und unterstützen die Menschen bei der Montage. „Wir sind froh über die Hilfe“, sagt Kalil. „Nach unserer Ankunft im Libanon brach der Winter über uns ein. Auch dieser Winter wird wieder sehr hart werden für uns und unsere Familie. Zum Glück haben wir in diesem Jahr Unterstützung, um unsere Zelte mit dem Nötigsten für den Winter auszustatten.“

Trotz der harten Bedingungen geht das Leben für Rasha und Kalil weiter. Seit diesem Februar sind die beiden stolze Eltern einer zweiten Tochter, die sie Nur genannt haben – das bedeutet „Licht“ auf Arabisch. Ihre größte Hoffnung ist es, dass sie eines Tages mit ihrer gesamten Familie nach Darayya zurückkehren können.

Projektinfo

ProjektHilfe für Syrische Flüchtlinge im Libanon
Ort/Region

Bekaa-Tal, Libanon

PartnerGVC
Zielgruppe

Syrische Flüchtlinge in informellen Siedlungen

Aktivitäten
  • Hygienemaßnahmen
  • Ausstattung der Zelte mit Plastikplanen, Schlafmatten, Isolierfolien, Vorhängeschlösser sowie weiteren Gegenständen, um die Zelte winterfest zu machen
Laufzeit2016
Budget50.000 Euro

Was Sie auch interessieren könnte