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Partizipative Kommunikation: Die mittelamerikanische Filmschule ECC

Kommunikation ist ein Menschenrecht: Die Filmschule ECC bildet Jugendliche in Mittelamerika im Bereich der partizipativen Kommunikation aus. Um ihre eigene Lebensrealität mittels des Mediums Films zu reflektieren, erlernen sie alles von der Benutzung einer Filmkamera bis hin zur Umsetzung der eigenen Produktion.

Konzentriert am Set: Die Jugendlichen Filmemacher*innen übernehmen alles von der Benutzung der Kamera, über Positionen, Licht, Farbe, Ton bis zur Umsetzung Produktion.Konzentriert am Set: Die Jugendlichen Filmemacher*innen übernehmen alles von der Benutzung der Kamera, über Positionen, Licht, Farbe, Ton bis zur Umsetzung Produktion. (Fotos: ECC)

Das Umfeld, in dem Kinder und Jugendliche in Mittelamerika aufwachsen, ist geprägt von Gewalt: Gewalt in der Familie, Gewalt in der Schule, Gewalt auf der Straße. Es gibt kaum Orte, wo sie ihre Freizeit verbringen können. Oft werden sie als Mitglieder krimineller Jugendbanden stigmatisiert. Ihre Bedürfnisse werden kaum beachtet. Diese Perspektivlosigkeit treibt viele Jugendliche in die Flucht – sie machen sich auf in ein vermeintlich besseres Leben in Mexiko oder den USA.

Ausgehend vom Konzept der partizipativen Kommunikation bietet unsere Partnerorganisation ACISAM in El Salvador seit 2010 mit der mittelamerikanischen Filmschule ECC (Escuela de Cine Comunitaria) ein Kursprogramm an, bei dem Jugendliche die theoretischen und praktischen Grundlagen für die Produktion von Filmen lernen. In ihren Filmen reflektieren die Jugendlichen die sozialen Bedingungen ihres Lebensumfeldes und machen jugendspezifische Themen öffentlich. Zudem geht es darum, auf Medien in der Region einzuwirken, die Jugendliche meist unreflektiert als gesellschaftliches Problem und als Gewalttäter darstellen.

Reflexion der eigenen Wirklichkeit

Die Jugendlichen erlernen das technische Handwerkszeug, um ihren Blick auf die Wirklichkeit mittels des Mediums Film abzubilden: alles von der Benutzung der Kamera, über Positionen, Licht, Farbe, Ton bis zur Umsetzung der Produktion. Was bedeutet ihre Herkunft für sie? Wie sehen sie ihr Leben, ihre Region, die Menschen ihrer Umgebung? Wo sehen sie Probleme, wo Lösungen? Und was haben sie gemeinsam? Ihre Beiträge zeigen ihre Dorfgemeinschaft oder ihren Stadtteil, ihre Filmstars sind die normalen Leute von nebenan: die Señora, die Tortillas zubereitet oder der Nachbar, der Mais sät.

„Die Jugendlichen setzen sich mit ihrer eigenen Umgebung – ihren Gemeinden – auseinander und spiegeln sie mittels des Mediums Film wider. So entsteht die Figur des Alltagshelden und sowohl die Jugendlichen als auch die Dorfbewohner*innen gewinnen einen neuen Blickwinkel für ihre Umgebung“, berichtet Noé Valladares, Leiter der Videoschule.

Die professionelle Ausbildung basiert auf dem Konzept der partizipativen Kommunikation, das alle Bevölkerungsgruppen einschließt und beinhaltet, dass Medien von allen für alle gemacht werden. Es soll eine Kommunikation von Jugendlichen für die Menschen in ihrer Umgebung entstehen, die in den öffentlichen Medien systematisch ausgegrenzt werden. Deshalb verpflichten sich die Jugendlichen dazu, die Filme ihrem Umfeld zu präsentieren. Dass die Perspektiven von Jugendlichen im gesellschaftlichen Diskurs berücksichtigt werden und sie an der Entwicklung ihrer Gemeinden teilhaben können, ist Ziel des Projekts.

Der Migrationsfilm „La Travesía“

Seit Beginn des Projektes hat die ECC bereits 45 Kurzfilme zu jugendrelevanten Themen produziert, welche zum Großteil über den eigenen Youtube-Kanal abrufbar sind. Und dass das Projekt erfolgreich ist, zeigt die Auszeichnung des Films „Hindernisse auf dem Weg zum Ziel“ von Gustavo Antonio Molina (16) aus El Salvador. Sein Film hat in dem vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) ausgerufenen Film- und Fotowettbewerb „Jugendliche, eure Stimme zählt in einer Welt von 7 Milliarden Menschen!“ den ersten Preis gewonnen.

Nachdem die Jugendlichen zunächst Kurzfilme gedreht haben, wagen sie nun den nächsten Schritt. Sie drehen einen Spielfilm, welcher eines der zentralen Themen der Region behandelt: die Migration. „La Travesía“ („Die beschwerliche Reise“) wird der Film lauten und handelt von Migrant*innen aus der Region, ihren Beweggründen, welche sie dazu gebracht haben, sich auf die Migrationsroute über Mexiko in die USA zu begeben, und den Herausforderungen, welchen sie während der gefährlichen Reise ausgesetzt sind. Dabei soll der Film nicht nur das Bewusstsein der teilnehmenden Filmemacher*innen und Schauspieler*innen für das Thema Migration schärfen, sondern auch die Partnerorganisationen von AWO International in der Region Zentralamerika für die Problematik sensibilisieren.

Projektinfo

ProjektPartizipative Kommunikation: Die mittelamerikanische Filmschule ECC
Ort/Region

El Salvador mit Teilnehmer*innen aus Guatemala, Nicaragua und Mexiko

PartnerACISAM
Zielgruppe

Jugendliche und Erwachsene aus den Gemeinden Comalcalco (Mexiko), Ixcán (Guatemala), Carranza (Guatemala), San Raymundo (Guatemala), Suchitoto (El Salvador), Boaco (Nicaragua), Ciudad Sandino (Nicaragua)

Aktivitäten
  • Stärkung selbstbestimmter Entscheidungen von Jugendlichen durch alternative Medienarbeit
  • Verbesserung der technischen und kreativen Ausdrucksmöglichkeiten von Jugendlichen durch das Medium Film
  • Verbesserung der kritischen Stellungnahme von Jugendlichen zum Thema Migration
  • Aufwertung der kulturellen Identität durch Problematisierung von Themen aus den Herkunftsgemeinden
  • Stärkung einer Jugendkultur durch Medienarbeit
Laufzeit2016-2018
Budget50.000 Euro p.a.
FördererBMZ

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