Mittelamerika • Nicaragua

Jugendliche als politische Akteure

Spezifische Interessen und Bedürfnisse von Jugendlichen werden bei der Gemeindearbeit in Nicaragua oft nicht berücksichtigt. ADM unterstützt den Aufbau von Jugendgruppen, ihre Vernetzung und die Ausarbeitung lokaler Agenden zu Jugendthemen. So gelingt die Beteiligung von Jugendlichen an kommunalen Entwicklungsprozessen.

Jugendliche als politische Akteure in NicaraguaUnsere Partnerorganisation ADM setzt sich für eine bessere Beteiligung von Jugendlichen in den Gemeinden ein. (Foto: AWO International)

Armut, Arbeitslosigkeit und das Demokratiedefizit im Land sind die drei wichtigsten Probleme in Nicaragua und betreffen insbesondere die jungen Menschen. In der Projektregion unserer Partnerorganisation ADM (Asociación de Desarrollo Municipal - Verein für Gemeindeentwicklung), die beiden Gemeindebezirke Teustepe und Boaco, spiegeln die nationale Situation anhand der folgenden Daten wider: 23 Prozent der Jugendlichen zwischen 14 und 29 Jahren sind Analphabeten, davon 7 Prozent im städtischen Bereich und 33 Prozent im ländlichen. Ein Großteil der Bevölkerung lebt in Armut oder sogar extremer Armut.

ADM wurde 1994 als Nichtregierungsorganisation mit Sitz in Managua, Nicaragua, gegründet. Die Organisation setzt sich auf lokaler Ebene für Gemeindeentwicklung, die Stärkung der Zivilgesellschaft und nachhaltige Landwirtschaft ein. Im Departamento Boaco begleitet ADM seit 16 Jahren kommunale Entwicklungsprozesse und hat dabei beachtliche Fortschritte erzielt: Alle sechs Gemeindebezirke Boacos formulieren inzwischen regelmäßig ihre kommunalen Entwicklungspläne und dies konsequent mit zivilgesellschaftlicher Beteiligung.

Jugendliche als Gestalter*innen ihres eigenen Lebens

Ziel des gemeinsamen Projektes von AWO International ist es, die Beteiligung von Jugendlichen aus ländlichen Gemeinden an lokalen Entwicklungsprozessen zu fördern. Dazu war es wichtig, zuerst den Austausch zwischen Erwachsenen und Jugendlichen positiver zu gestalten, denn Probleme zwischen den Generationen hatten dazu geführt, dass junge Menschen in den Gemeindeprozessen wenig präsent waren. Durch gemeinsame Workshops und Sensibilisierung der lokalen Autoritäten ist es gelungen, eine höhere Akzeptanz der Jugendlichen durch die Erwachsenen zu erreichen.

In allen Dörfern der beiden Gemeinden Teustepe und Boaco haben sich im Projektverlauf lokale Jugendgruppen gebildet. 174 Vertreter*innen dieser Jugendorganisationen konnten bereits zu Multiplikator*innen ausgebildet werden, um sich auf Gemeindeebene für Jugendfragen einzusetzen und so auch weitere Jugendliche anzuregen, für ihre Interessen einzustehen. „Unser Ziel ist es, die Jugendlichen zu Gestalter*innen ihres eigenen Lebens zu machen. Ihre Ideen sollen bei den Gemeindeautoritäten Gehör finden und in die lokalen Entwicklungspläne aufgenommen werden“, betont Karin Eder, Leiterin des AWO International Regionalbüros in Guatemala.

Um die Interessen der Jugendorganisationen zu bündeln und ihnen somit noch mehr Gewicht zu verleihen, wurden zwei Jugendnetzwerke gegründet, welchen insgesamt 30 Jugendorganisationen angehören. Die Jugendlichen lernen, ihre Interessen zu priorisieren und somit zu einer Agenda zu formulieren. Dabei liegt der Fokus der politischen Arbeit der Jugendlichen auf den Themen Gewalt, Sexualaufklärung und Verminderung von Schwangerschaften minderjähriger Frauen. Die Jugendlichen erhalten somit gegenüber Regierungsvertreter*innen als zivilgesellschaftliches Netzwerk eine bessere Verhandlungsbasis. Dadurch wird nicht nur die Teilhabe von Jugendlichen auf Gemeindeebene gestärkt, sondern auch die demokratischen Strukturen gefördert. Und das ist in Nicaragua – einem Land, welches in einer Demokratiekrise steckt – wichtiger denn je.

Landwirtschaftliche Fortbildungen gegen die Armut

Doch die Jugendliche beschäftigt nicht nur das Demokratiedefizit des Landes: Um der Arbeitslosigkeit und der damit einhergehenden Armut zu entfliehen, werden jugendliche Multiplikator*innen im Bereich Landwirtschaft fortgebildet. Einen großen Meilenstein konnte ADM hier mit dem Kooperationsvertrag mit der staatlichen Universität UNA (Universidad Nacional Agraria) erreichen. 70 Multiplikator*innen erhalten somit eine akademische Ausbildung im Bereich der ökologischen Landwirtschaft und landwirtschaftlicher Produktionstechniken.

Angestrebt wird auch hier, dass die Jugendlichen ihr Wissen an ihr Umfeld weitergeben, um die erlernten Techniken zu verbreiten. Mittelfristiges Ziel ist es, dass die Jugendlichen sich durch ihre landwirtschaftlichen Tätigkeiten ein eigenes Einkommen erwirtschaften und damit der Armut den Kampf ansagen.

Projektinfo

ProjektJugendliche als politische Akteure
Ort/Region

Elf ländliche Gemeinden von Boaco und elf ländliche Gemeinden von Teustepe, beides Gemeindebezirke des Departamentos Boaco, Nicaragua

PartnerADM- Asociación de Desarrollo Municipal - Verein für Gemeindeentwicklung
Zielgruppe

1.640 Jugendliche (Mitglieder der Jugendorganisationen und Teilnehmer*innen an Fortbildungen) und 726 Erwachsene (Gemeindevertreter*innen und lokale Autoritäten)

Aktivitäten
  • Organisationsentwicklung von 22 Jugendorganisationen und zwei Jugendnetzwerken
  • Sexualaufklärung und Vermindung von Schwangerschaften bei minderjährigen Frauen
  • Weiterbildung von Jugendlichen im Bereich ökologische Landwirtschaft
  • Politische Lobbyarbeit
Laufzeit2016-2018
Budget60.000 Euro p.a.
FördererBMZ

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