Mittelamerika • Mexiko

Aufklärung und Kampf gegen sexuelle Gewalt

Unsere Partnerorganisation CJGD hat in der Arbeit mit Jugendlichen festgestellt, dass sexuelle Gewalt und Geschlechterungerechtigkeit gesellschaftliche Probleme sind, die die Entwicklung von Jugendlichen am meisten einschränken und gefährden. Diese Themen sind Schwerpunkte in der Jugendarbeit: Ausgebildete Multiplikator*innen leisten Aufklärungsarbeit in Gemeindekomitees und betreuen Opfer sexueller Gewalt.

Mexiko: Auf einer Demonstration machen Multiplikator*innen von CJGD unter dem Titel „NiUnaMenos (Nicht eine weniger) auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam.Auf einer Demonstration machen Multiplikator*innen unter dem Titel „NiUnaMenos" (Nicht eine weniger) auf die Gewalt gegen Frauen aufmerksam. (Foto: CJGD)

Die Gewalt gegen Mädchen und Frauen in Mexiko ist besorgniserregend: Im Durchschnitt werden täglich sechs Frauen in Mexiko umgebracht – weil sie Frauen sind. Angesichts der steigenden Zahlen wurde der „Femizid“ in 16 der 32 mexikanischen Bundesstaaten als Straftatbestand verankert. Doch die Gewalt gegen Frauen erstreckt sich nicht nur auf den Straftatbestand des Femizids. Jede dritte Frau in Mexiko erleidet in ihrem Leben eine Form der Gewalt.

Gleichzeitig ist in den letzten Jahren die Anzahl der Schwangerschaften von Minderjährigen angestiegen. In Mexiko werden jährlich etwa 450.000 Geburten von Müttern unter 19 Jahren dokumentiert. Diese Situation ist nicht zuletzt auf eine konservative Politik zurückzuführen, in denen Sexualrechte und das Recht auf Sexualerziehung eingeschränkt werden.

Sexualaufklärung an Schulen

Der südliche Bundesstaat Tabasco, in dem unser Projektpartner Centro Juvenil Generando Dignidad (CJGD) aktiv ist, liegt mit der Anzahl an Schwangerschaften minderjähriger Mütter an achter Stelle im nationalen Vergleich. Zu den Hauptursachen zählen eine mangelnde Sexualaufklärung und Vergewaltigungen. Nach Angaben des Nationalen Zentrums für Gendergleichberechtigung (ENDIREH) ist Tabasco der Bundestaat mit den meisten weiblichen Gewaltopfern.

 AWO International unterstützt CJGD seit 2009. In den ersten beiden Projektphasen setzte sich die Organisation zum Ziel, über die Problematik der sexuellen Gewalt im Kontext von Schulen aufzuklären. In erster Linie wurden Jugendliche und Lehrer*innen als Multiplikator*innen ausgebildet, die in den Gemeinden und an ausgewählten Schulen die kulturell verankerten und als normal angesehen Formen der Gewalt gegen Frauen thematisieren sollten. In Workshops erarbeiteten die Teilnehmer*innen ihre derzeitigen Lebenswelten, lernten neue Verhaltensmuster kennen und erarbeiteten Vorschläge, die auf Gleichberechtigung basieren.

Parallel dazu wurde systematisch an Schulen mit Lehrkräften und Schüler*innen gearbeitet, um Einfluss auf den Lehrplan zu nehmen. Durch die Fort- und Weiterbildungsaktivitäten sollte langfristig auf eine gesellschaftliche Verhaltensänderung hingewirkt werden. Durch diese Arbeit hat sich CJGD als einer der wenigen Ansprechpartner zum Thema sexuelle Gewalt in Tabasco etabliert.

Betreuung von Opfern sexueller Gewalt in den Gemeinden

Seit 2016 arbeitet CJGD verstärkt auch auf Gemeindeebene: Hierzu wurden Komitees zur Gewaltprävention gegründet, welche sich aus unterschiedlichen Mitgliedern zusammensetzen: jugendliche Schulsprecher*innen, Multiplikator*innen, Lehrer*innen sowie Eltern- und Gemeindevertreter*innen. Gemeinsam verfolgen sie das Ziel, die Gemeindemitglieder und die „Schulgemeinde“ über sexuelle Gewalt zu informieren. Hierzu führen die Komitees Veranstaltungen und Fortbildungen durch, welche zur Aufklärung der Teilnehmer*innen über Sexualität, Sexualrechte und Safer Sex beitragen.

Gleichzeitig bilden die Komitees eine Anlaufstelle für Opfer sexueller Gewalt. Die Mitglieder begleiten die Opfer und ihre Familien zu staatlichen Instanzen, um die Sexualdelikte strafrechtlich verfolgen zu lassen. Denn die sogenannte „impunidad“ (Straflosigkeit) ist eines der zentralen Problemen in Mexiko: 98 von 100 Verbrechen in Mexiko bleiben ungesühnt.

Projektinfo

ProjektSexualaufklärung und Verminderung von sexueller Gewalt
Ort/Region

Gemeindebezirke Comalcalco und Paraiso im Bundesstaat Tabasco, Mexiko

PartnerCentro Juvenil Generando Dignidad (CJGD)
Zielgruppe

45 Mitglieder der Gemeindekomitees zur Gewaltprävention sowie 2.756 Personen und davon 70% Jugendliche aus drei Gemeinden (Schüler*innen, Gemeindemitglieder, Gewaltopfer)

Aktivitäten
  • Stärkung selbstbestimmter Entscheidungen von Jugendlichen zu ihrer Sexualität durch umfangreiche Aufklärungsmaßnahmen und Dialogveranstaltungen
  • Sexualaufklärung und Begleitung zur Anzeige von Sexualdelikten
  • Unterstützung von Familienangehörigen bei der Aufklärung von Fällen bei sexuellem Missbrauch und/oder Vergewaltigung
  • Organisationsentwicklung
Laufzeit2016-2018
Budget35.000 Euro p.a.
FördererBMZ

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