Mittelamerika • Mexiko

Das Recht auf Bildung und Schutz für migrierende Kinder

Die Zahl der minderjährigen Flüchtenden aus Mittelamerika in die USA ist in den letzten Jahren rasant angestiegen. Unsere Partnerorganisationen IMUMI aus Mexiko setzt sich für die Einhaltung der Schutzmaßnahmen unbegleiteter Minderjähriger ein und macht sich stark für den Zugang zu Bildung für Kinder und Jugendliche transnationaler Familien.

Zentralamerikanische Mütter auf der Suche nach ihren auf der Flucht verschwundenen Töchtern und Söhnen.Zentralamerikanische Mütter auf der Suche nach ihren auf der Flucht verschwundenen Töchtern und Söhnen. (Foto: IMUMI)

70.000 unbegleitete Kinder und Jugendliche kamen bis Mitte des Jahres 2015 über die US-mexikanische Grenze, mehr als doppelt so viele wie im 2013 (24.668). Laut Daten des Instituto Nacional de Migración (INM) und des Washingtoner Instituts für Migrationspolitik wurden im Jahr 2015 etwa 35.000 Kinder und Jugendliche in Mexiko verhaftet, in Auffanglagern festgehalten und später in ihre Herkunftsländer abgeschoben. Dabei halten mexikanische Behörden oftmals die gesetzmäßigen Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen nicht ein.

Seit 2016 unterstützt AWO International die mexikanische Nichtregierungsorganisation IMUMI (Instituto para las Mujeres en Migración), die sich für die Rechte und den Schutz von migrierenden Kindern, Jugendlichen und Frauen einsetzt. Ein Schwerpunkt von IMUMI ist Lobby- und Advocacyarbeit und hat zum Ziel, den Dialog zwischen NGOs und staatlichen Institutionen zur Gewährleistung der Schutzmaßnahmen für migrierende Kinder und Jugendliche zu stärken.

Lobbyarbeit zum Schutz von migrierenden Kindern und Jugendlichen

Eines der primären Ziele von IMUMI ist es, dass die Kinder und Jugendlichen im Falle einer Festnahme nicht in Auffanglagern untergebracht werden. Bei diesen handelt es sich in der Regel um große Hallen, wo die Migrant*innen auf durchgelegenen Matratzen untergebracht und nach Alter und Geschlecht getrennt werden, ohne eine Art der Betreuung zu erhalten. Dabei arbeitet IMUMI mit einem Netzwerk von Organisationen zusammen, um die migrierenden unbegleiteten Kinder und Jugendliche vor Ort zu betreuen. Durch Lobbyarbeit soll erreicht werden, dass die Schutzmaßnahmen migrierender Kinder und Jugendlicher eingehalten werden und diese in staatlichen Einrichtungen zum Schutz von Kindern untergebracht werden, wo sie, während über ihre Asylanträge entschieden wird, adäquat betreut werden.

„Caravanas de Madres“: Auf der Suche nach ihren verlorenen Kindern

Doch nicht alle Migrant*innen erreichen ihr Ziel. Viele der Migrant*innen verschwinden während der Flucht: Sie werden Opfer eines Gewaltverbrechens oder brechen den Kontakt zu ihren Familien aus Scham, dass sie abgeschoben wurden, ab. Hier kommen die „Caravanas de Madres de Migrantes Desaparecidos“ zum Einsatz. Es handelt sich dabei um einen Zusammenschluss von Müttern, welche sich auf die Suche nach ihren auf der Flucht verlorenen Töchtern und Söhnen machen. IMUMI begleitet die Mütter und unterstützt sie bei Treffen mit staatlichen Autoritäten.

Eine dritte Säule der Arbeit von IMUMI ist die Zusammenarbeit mit transnationalen Familien. Insbesondere aufgrund der zunehmenden Abschiebungen in die USA kehren mexikanische Familien freiwillig in ihre Herkunftsgemeinden zurück – Orte, an denen ihre in den USA geborenen Kinder noch nie gelebt haben. Die mexikanischen Behörden erkennen diesen Kindern und Jugendlichen die mexikanische oder die doppelte Staatsbürgerschaft nur über ein aufwendiges Antragsverfahren an. Es handelt sich dabei um ein behördliches Verfahren, welches viel Geld kostet – Geld, welches die Rückkehrerfamilien oftmals nicht haben. Hier leistet IMUMI rechtlichen Beistand, unterstützt die Kinder und Jugendlichen bei der Anerkennung der mexikanischen Staatsbürgerschaft und setzt sich gemeinsam mit anderen Nichtregierungsorganisationen dafür ein, dass dieses Verfahren vereinfacht wird.

Hinzu kommt, dass den in den USA geborenen Mexikaner*innen der Schuleintritt verwehrt wird, obwohl bereits 2015 ein nationales Abkommen verabschiedet wurde, dass den Schuleintritt für diese Kinder und Jugendlichen vereinfachen soll. Doch die Umsetzung scheitert an mangelndem Wissen der lokalen Behörden und Schulen über diese neue Regelung. IMUMI setzt sich daher für die Verbreitung des nationalen Abkommens und die Fortbildung von Behörden- und Schulpersonal ein, um den Migrationskindern und -jugendlichen den Schuleintritt in ihrem Heimatland Mexiko zu ermöglichen.

Projektinfo

ProjektDas Recht auf Bildung und Schutz für migrierende Kinder
Ort/Region

Gemeindebezirke San Francisco, Hueyotilpan und Santa Ana Chiatempan des Bundesstaates Tlaxcala und Bezirke Iztapalapa, Nezahualcóyotl und Azcapotzalco von Mexiko Staat im Bundesstaat Mexiko Stadt, Mexiko

PartnerIMUMI (Instituto para las Mujeres en Migración)
Zielgruppe

Migrierende Kinder und Jugendliche in Mexiko auf der Flucht in die USA, Kinder und Jugendliche transnationaler Familien in Mexiko

Aktivitäten
  • Zugang zu Bildung und Identität von Kindern und Jugendlichen transnationaler Familien
  • Unterstützung von Familienangehörigen bei der Rechtssicherung in Bezug auf Bildung, Identität und Schutz
  • Gewährung von Schutzmaßnahmen für festgehaltene migrierende Kinder und Jugendliche
  • Stärkung von Komitees zur Dialogförderung zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen
Laufzeit2016-2018
Budget40.000 Euro p.a.
FördererBMZ

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