Mittelamerika • Honduras

Bekämpfung von Armut als zentrale Fluchtursache

Gewalt, Armut und Perspektivlosigkeit zählen zu den zentralen Fluchtursachen in Honduras. Gemeinsam mit der Partnerorganisation OCDIH leistet AWO International einen Beitrag zur Fluchtursachenbekämpfung: Bildung und Einkommen fördernde Maßnahmen sollen Jugendlichen und jungen Erwachsenen neue Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben aufzeigen.

Fluchtursachen bekämpfen in Honduras: Auf einer Messe stellen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihre Kleinunternehmen vor.Auf einer Messe stellen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen ihre Kleinunternehmen vor. (Foto: OCDIH)

Etwa 67 Prozent der honduranischen Bevölkerung lebt in Armut, 52 Prozent von ihnen sogar in extremer Armut. Hinzu kommt die Gewaltsituation des Landes, welche im Jahr 2012 mit 87 Morden auf 100.000 Einwohner einen Höchststand erreichte. Für viele Menschen ist Migration die letzte Hoffnung auf ein besseres Leben. 14 Prozent der honduranischen Bevölkerung leben als Migrant*innen in den USA.

Im Rahmen der Sonderinitiative „Fluchtursachen bekämpfen“ des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) führt AWO International gemeinsam mit der Partnerorganisation OCDIH (Organismo Cristiano de Desarrollo Integral de Honduras) ein Projekt zur Fluchtursachenbekämpfung durch. Ziel ist es, insbesondere durch Bildung und Einkommen fördernde Maßnahmen Jugendlichen und jungen Erwachsenen neue Perspektiven für ein selbstbestimmtes Leben aufzuzeigen.

Ausbildungsberufe schaffen den Jugendlichen eine Zukunftsperspektive

Die Partnerorganisation OCDIH versucht, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen den Zugang zum Arbeitsmarkt durch Bildungsmaßnahmen und fachliche Ausbildungen zu erleichtern. Ein wichtiger Partner für OCDIH bei der Realisierung dieses Vorhabens stellt daher das Instituto Nacional de Formación Profesional (INFOP), ein nationales Ausbildungszentrum, dar. In einer Ausbildungsstätte in Potrerillos bekommen die Teilnehmer*innen in Kursen die Möglichkeit, eine Ausbildung beispielsweise zur*m Schreiner*in, Elektriker*in oder Friseur*in zu machen.

Zudem werden die Jugendlichen und jungen Erwachsenen bei ihrem Berufseinstieg begleitet. Mit dem Aufbau von rentablen Kleinunternehmen können die Jugendlichen für sich und ihre Familien eine Lebensgrundlage erwirtschaften. Hierfür vergibt die Nationale Kommission für die Förderung der non-formalen Bildung (CONEANFO, Comisión Nacional para el Desarrollo de la Eduación No Formal) Kleinkredite an die Jugendlichen.

Psychologische Betreuung zur Verarbeitung von Gewalterfahrungen

Auch häusliche Gewalt, Bedrohungen und Erpressungen lassen Jugendliche und junge Erwachsene aus ihrem Land fliehen. 7 von 10 honduranischen Frauen haben in ihrem Leben schon am eigenen Leib Gewalt erfahren. Erschreckend ist dabei, dass die meisten Fälle sexueller Gewalt Mädchen zwischen 10 und 19 Jahren betreffen. OCDIH begleitet Jugendliche und junge Erwachsene in therapeutischen Gruppen bei der Erarbeitung von individuellen Lebenspläne, bei denen die Jugendlichen ihre Vorstellungen an ihre Zukunft formulieren, und der psychologischen Aufarbeitung der eigenen Gewalterfahrungen. Denn der Blick in die Zukunft ist nur möglich, wenn es die Teilnehmer*innen schaffen, ihre gewaltvolle Vergangenheit zu verarbeiten.

 Ein weiteres Ziel des Projektes ist es, dass sich die Jugendlichen selbst organisieren und ihren Forderungen eine Stimme geben. In Jugendorganisationen und einem Jugendnetzwerk setzen sich die Teilnehmer*innen mit ihren Rechten auseinander und formulieren ihre politischen, sozialen und gesellschaftlichen Forderungen, welche sie versuchen, auf politischer Bühne einzubringen. So lernen die Jugendlichen und jungen Erwachsenen demokratische Strukturen kennen und verleihen ihren Rechten, ihren Wünschen und ihren Vorstellungen eine Stimme.

Projektinfo

ProjektBekämpfung von Armut und Gewalt als zentrale Fluchtursachen in Honduras
Ort/Region

Gemeinden El Caracol, El Triunfo, Buena Vista, Nuevo Mundo San Miguel, El Tule und La Sabana im Gemeindebezirk Potrerillo in der Provinz Cortés, Honduras

PartnerOCDIH (Organismo Cristiano de Desarrollo Integral de Honduras)
Zielgruppe

Jugendliche und junge Erwachsene (potentielle Migrant*innen) und deren Familien aus armen Haushalten des Gemeindebezirks Potrerillos, Nordwesten von Honduras

Aktivitäten
  • Reduzierung der akuten Fluchtursachen durch Bildungsmaßnahmen
  • Einkommen fördernde Maßnahmen im landwirtschaftlichen oder handwerklichen Bereich
  • Erarbeitung von individuellen Lebensprojekten
  • Training zur Eingliederung in Beschäftigungsverhältnisse
  • Stärkung von Jugendorganisationen und Netzwerken zur politischen Einflussnahme
  • Maßnahmen zur politischen Einflussnahme in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Akteuren
  • Stärkung selbstbestimmter Migrationsentscheidungen und Förderung von aufgeklärter Migration
Laufzeit2017-2021
Budget67.000 Euro p.a.
FördererBMZ (Sonderinitiative Fluchtursachen bekämpfen)

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