Mittelamerika • Guatemala

Inklusive Katastrophen­vorsorge in Guatemala

Menschen mit Behinderungen sind besonders gefährdet bei extremen Naturereignissen – insbesondere Kinder und Jugendliche sind den Folgen einer Naturkatastrophe schutzlos ausgeliefert. AWO International unterstützt in Zusammenarbeit mit dem Netzwerk ACOPEDIS und seinen Mitgliedsorganisationen ein Projekt zur inklusiven Katastrophenvorsorge in Guatemala.

Inklusive Katastrophenvorsorge in GuatemalaJorge Tzunun, selbst stark Sehbehindert, hat einen Verein gegründet, der Braille-Unterricht, Mal-, Musik- und Physiotherapie anbietet. (Foto: Lea Auffarth)

Das Leben vieler Familien mit Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen in Guatemala ist geprägt von Scham und Angst; oftmals werden die Kinder versteckt oder gar angebunden“, berichtet Karin Eder, Büroleiterin von AWO International in Guatemala. Menschen mit Behinderungen haben es in Guatemala schon im Alltag schwer. Doch bei Naturkatastrophen sind sie besonders gefährdet, da kaum auf ihre Bedürfnisse geachtet wird. Und dabei sind Naturkatastrophen in Guatemala keine Seltenheiten: Erdbeben, Dürren, Vulkanausbrüche und auch Erdrutsche und Überschwemmungen kommen regelmäßig vor. Der Weltrisikobericht listet Guatemala auf Platz 4 der am meisten gefährdeten Länder.

ACOPEDIS: Ein Netzwerk zur Inklusion von Menschen mit Behinderung

 Der See Atitlán in Guatemala ist dabei aufgrund seiner geografischen Lage in besonderem Maße von Naturkatastrophen bedroht: Umgeben von Vulkanen und Bergen, stellen Erdrutsche und Erdbeben die größten Gefahren für die Bevölkerung dar. Hier führt AWO International gemeinsam mit dem Projektpartner ACOPEDIS ein Katastrophenvorsorgeprojekt durch. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche mit Behinderungen und ihre Familien dabei zu unterstützen, besser auf extreme Naturereignisse vorbereitet zu sein. Dabei arbeitet das lokale Netzwerk mit seinen 14 Basisorganisationen zusammen. Übergeordnetes Ziel ist die Inklusion von Menschen mit Behinderung in allen gesellschaftlichen Bereichen. Die einzelnen Organisationen setzen dabei jedoch unterschiedliche Schwerpunkte: Während beispielsweise in der staatlich anerkannten Schule ADISA (frühkindliche) Rehabilitation und Physiotherapie für Menschen mit Behinderung angeboten werden, stellen Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung in der Werkstatt des Vereins Artesanos de ADISA Kunsthandwerk her.

Krisensimulationen zur Vorbereitung auf den Ernstfall

Um den Gefahren für die Menschen mit Behinderung zu begegnen, stellt ACOPEDIS zunächst Fortbildungsteams zusammen. Diese setzen sich aus Spezialist*innen aus verschiedenen Bereichen, wie zum Beispiel Psycholog*innen, Sozialarbeiter*innen und Physiotherapeut*innen, zusammen. In enger Absprache mit den Familien arbeiten sie Schulungs- und Fortbildungsmaterialien aus, die angepasst sind an die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung. In den Fortbildungskursen wird es dann konkret: In Gruppen erarbeiten sie Notfallpläne und üben, wie sie adäquat in Notsituationen reagieren können. Neben den Schulungen für die Familien wird auch das Umfeld der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung, beispielsweise deren Schulen, mit Fortbildungen für das Thema Inklusion und Katastrophenvorsorge sensibilisiert, um im Notfall Hilfe leisten zu können.

Angepasste Instrumente und Notfallpläne für Menschen mit Behinderung

Um auch das Bewusstsein der lokalen Behörden für die Vulnerabilität der Kinder und Jugendlichen mit Behinderung in Katastrophensituationen zu steigern, werden die staatlichen Institutionen zum Katastrophenmanagement auf lokaler und städtischer Ebene (COLRED und COMRED) und die Gemeindevertretung im Krisenmanagement mit Menschen mit Behinderung fortgebildet. ACOPEDIS erarbeitet gemeinsam mit den Behörden Instrumente, um auf die Bedürfnisse der Kinder und Jugendlichen besser eingehen zu können, und passt die Katastrophenpläne an. Denn die Gefahr für Menschen mit Behinderung Opfer im Falle einer Naturkatastrophe zu werden, ist besonders groß. Für Menschen mit geistiger Behinderung ist es oft nicht einfach, Gefahrensituationen zu erkennen und zu wissen, wie sie sich in solchen Situationen richtig verhalten. Menschen mit Sehbehinderung verstehen zwar, was um sie herum passiert, haben aber Probleme, sich zu orientieren, um zu einem sicheren Ort zu finden. Menschen mit einer körperlichen Behinderung fehlt die nötige Mobilität, um sich an einen sicheren Ort zu bewegen. Gehörlose Menschen hingegen wissen zwar, was zu tun ist, können aber die Warnsignale nicht hören. Daher braucht es seitens der staatlichen Behörden angepasste Instrumente für die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung, um in Notsituationen adäquat helfen zu können.

Projektinfo

ProjektInklusive Katastrophenvorsorge in Guatemala
Ort/Region

Sololá, Panajachel, San Andrés Semetebaj, San Lucas Tolimán, Santiago Atitlán, San Pedro La Laguna, San Juan La Laguna, Santa Catarina Iztahucán im Depatamento Sololá, Guatemala

PartnerACOPEDIS
Zielgruppe

400 Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderung und ihre 2.400 Familienmitglieder, Lehrer*innen und Schüler*innen, Mitglieder von staatlichen Institutionen und Gemeindevertretungen

Aktivitäten

  • Fortbildungen für Kindern und Jugendlichen mit Behinderung und deren Familien sowie deren näheres Umfeld (z.B. Schule)
  • Durchführung von Notfallsimulationen zur Erprobung des Ernstfalles
  • Fortbildung der Institutionen CODRED, COMRED und COLRED sowie des COCODE: Sensibilisierung für die Thematik, Anpassung der Notfallpläne, Erarbeitung von adäquaten Instrumenten für Notsituationen
Laufzeit2014-2017
Budget148.00 Euro
FördererAktion Deutschland Hilft

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