Mittelamerika • Guatemala

Förderung von Jugendlichen als politische Akteure

Aufklärung über Jugendrechte, Schulung in Konfliktprävention, Veranstaltung Runder Tische, Ausbildung zu Multiplikator*innen, Stärkung von Jugendorganisationen und Jugendnetzwerken – so unterstützt unser Partner SODEJU Jugendliche in Guatemala, damit ihre Belange Eingang in die kommunale und nationale Politik finden.

Jugendförderung und Gewaltprävention in GuatemalaJugendförderung und Gewaltprävention: Die Multiplikator*innen der Jugendorganisation VIDAJOVEN in San Raymundo geben ihr Wissen über Jugendrechte und jugendpolitische Lobbyarbeit an interessierte Jugendliche weiter. (Foto: Katrin Neuhaus/AWO International)

In Guatemala ist etwa 60 Prozent der Bevölkerung jünger als 25 Jahre alt. Die Teilhabe und Mitbestimmung Jugendlicher und junger Erwachsener in der Gesellschaft aber ist äußerst gering. Doch dabei ist die gesellschaftliche und politische Partizipation von Jugendlichen nicht nur aus demokratischer und integrativer Perspektive von essentieller Bedeutung. Indem man Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine Stimme schenkt, lernen sie ihre Wünsche, Vorschläge und Forderungen auf friedliche Art und Weise zu kommunizieren und damit gesellschaftliche Strukturen mitzugestalten. Und das ist in einem Land, in dem die Jugendlichen und jungen Erwachsenen in ihrer täglichen Lebensrealität mit Gewalt, Armut und Perspektivlosigkeit konfrontiert werden, wichtiger denn je.

Lobbyarbeit als Instrument der Teilhabe Jugendlicher

Im Rahmen des Regionalprogramms „Gewaltprävention und Förderung von Jugendlichen in Mittelamerika und Mexiko“ unterstützt AWO International die guatemaltekische Nichtregierungsorganisation SODEJU/FUNDAJU (Sociedad Civil para el Desarrollo de la Juventud/Fundación para la JuventudGesellschaft für die Entwicklung der Jugend/Jugendstiftung). Das gemeinsame Ziel: Die Teilhabe von Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Guatemala an politischen und gesellschaftlichen Prozessen zu stärken.

In sieben Gemeinden arbeitet SODEJU mit jeweils einer lokalen Jugendorganisation zusammen. Diese spielen vor Ort eine wichtige Rolle und werden von SODEJU in ihrem politischen Handlungsfeld gestärkt. Die Jugendlichen, die zu "Botschafter*innen des Friedens" ausgebildet wurden, haben die zentrale Aufgabe, sich als Multiplikator*innen in ihren Gemeinden gegen Gewalt und für ihr Recht auf Zukunftschancen und ein friedliches Leben einzubringen. Sie wiederum bilden interessierte Jugendliche und Erwachsene in den Themen Jugendrechte, Gewaltprävention und Konfliktmanagement aus und versuchen, neue Jugendliche für die Mitarbeit in ihren Organisationen zu gewinnen.

Ziel ist es, einen Prozess zu fördern, der Macht- und Gewaltstrukturen langfristig durch eine dialogfördernde, demokratische und friedfertige Kultur ersetzt. Und die Arbeit der jugendlichen Multiplikator*innen trägt Früchte: Seit Projektbeginn haben die Vertreter*innen aus sieben Jugendorganisationen rund 3.000 Jugendliche weitergebildet, beachtliche 85.000 Personen wurden für die Themen Jugendrechte, Gewaltprävention und Friedenskultur sensibilisiert.

Dialog, Vernetzung und Teilhabe

Zentral in der Strategie von SODEJU ist die Organisation von Runden Tischen, an denen Vertreter*innen von staatlichen und privaten Einrichtungen und die Jugendlichen selbst über Maßnahmen zur Förderung der Jugendlichen in der Gemeinde beraten. Die Jugendlichen gestalten somit ihre eigene Jugendpolitik mit. An dieser Dialogplattform nehmen Vertreter*innen des Innenministeriums, der Menschenrechtskommission, der Kirche, Friedensrichter*innen, Lehrer*innen, Vertreter*innen aus dem Gesundheitssektor und von Nichtregierungsorganisationen sowie die Gemeinderegierung und die Jugendlichen teil. Es geht darum, die von den Jugendlichen herangetragenen Vorschläge in konkrete Maßnahmen umzusetzen.

Neben der Unterstützung von lokalen Jugendorganisationen ist seit 2016 die Förderung von nationalen Jugendbewegungen ein zusätzlicher Schwerpunkt. Dabei sollen insbesondere die beiden nationalen Jugendnetzwerke CJG (Coordinadora Juventud por Guatemala) und ANJG (Asamblea Nacional de Jóvenes de Guatemala) gestärkt werden. Die Jugendvertreter*innen der Netzwerke erhalten Fortbildungen im Bereich der Lobby- und Advocacy-Arbeit, um ihre Forderungen noch besser zu vertreten. Zudem soll die Koordination der Netzwerke gestärkt und dadurch die Kommunikation zwischen den Mitgliedsorganisationen gesteigert werden. Langfristiges Ziel ist es dabei, dass die Jugendorganisationen und ihre Netzwerke als nicht mehr wegzudenkende politische Akteure in Guatemala in Jugendfragen anerkannt werden. Denn um die Herausforderungen, mit denen guatemaltekische Jugendliche täglich in ihrer Lebensrealität konfrontiert werden, zu begegnen, ist es von essentieller Bedeutung, dass die Jugendlichen auch auf nationaler Ebene eine Stimme erhalten.

Dass die Lobby-Arbeit von Jugendorganisationen erfolgreich ist, hat SODEJU/FUNDAJU bereits im 2012 gezeigt: Eine von den Jugendnetzwerken erarbeitete Jugendpolitik wurde offiziell ratifiziert. Doch die Jugendlichen streben nach einer nationalen Jugendgesetzgebung, welche den guatemaltekischen Staat verpflichtet, die Jugendlichen auf allen Ebenen mitzudenken, also in den lokalen, regionalen und nationalen politischen Agenden und Haushalten.

Projektinfo

ProjektFörderung von Jugendlichen als politische Akteure
Ort/Region

7 Gemeinden: Carranza, San Raymundo, Cantel, San Juan La Laguna, Jalapa, Palin und Santo Tomás la Unión

PartnerSODEJU/FUNDAJU
Zielgruppe

50 Jugendorganisationen mit jeweils 30 jugendlichen Mitgliedern, 145 Multiplikator*innen sowie Vorstandsmitglieder von sieben lokalen Jugendorganisationen

Aktivitäten
  • Befähigung von Jugendvertreter*innen zu Lobby- und Advocacy-Arbeit auf nationaler Ebene
  • Stärkung von Jugendnetzwerken in der Advocacy-Arbeit auf nationaler Ebene
  • Stärkung von lokalen Jugendorganisationen zur Gewaltprävention in den Projektgemeinden
Laufzeit2016-2018
Budget50.000 Euro p.a.
FördererBMZ

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