Mittelamerika • Guatemala

Arbeitsmigration in Guatemala

Migration scheint für viele Guatemaltek*innen der einzige Weg aus Armut und Perspektivlosigkeit, so auch im Gemeindebezirk Ixcán. Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation ACCSS informieren wir über sichere Migration, leisten psychosoziale Betreuung für Familienangehörige und Migrationsrückkehrer*innen und setzen uns in Zusammenarbeit mit Jugendorganisationen für Alternativen zur Arbeitsmigration ein.

Die „Caravana de Madre“ ist eine Vereinigung von Müttern, welche sich auf die Suche nach ihren auf der Flucht verlorenen Töchtern und Söhnen macht. Auch ACCSS unterstützt Familien bei der Suche nach ihren vermissten Angehörigen.Die „Caravana de Madre“ ist eine Vereinigung von Müttern, welche sich auf die Suche nach ihren auf der Flucht verlorenen Töchtern und Söhnen macht. Auch ACCSS unterstützt Familien bei der Suche nach ihren vermissten Angehörigen. (Foto: ACCSS)

Das Departamento El Quiché im Westen Guatemalas an der Grenze zu Mexiko gehört zu einem der ärmsten Regionen in Guatemala. Etwa 75 Prozent der Bevölkerung lebt hier in Armut, rund 42 Prozent sogar in extremer Armut. Die meisten von ihnen gehören der größten indigenen Volksgruppe Guatemalas – den Quiché – an. Für viele ist die Migration in die USA der einzige Ausweg, um der Armut zu entkommen. Dabei setzen sie sich zahlreichen Gefahren aus.

Gemeinsam mit unserer Partnerorganisation ACCSS leisten wir im Gemeindebezirk Ixcán in El Quiché in Guatemala einen Beitrag, um der zunehmenden Problematik der Arbeitsmigration in der Region zu begegnen. Dabei arbeiten wir zum einen mit potenziellen Migrant*innen, Migrant*innen im Transit und von der Migration betroffenen Familien zusammen und setzen uns zum anderen für Alternativen zur irregulären Migration ein.

Um potenzielle Migrant*innen und solche, die sich bereits auf der Migrationsroute befinden, über sichere Migration aufzuklären, wurde in dem Gemeindebezirk ein lokales Komitee gegründet. Das setzt sich zusammen aus jugendlichen und erwachsenen Multiplikator*innen. Ihr Ziel ist es, über die Rechte und Gefahren aufzuklären, denn die Route über Mexiko in die USA gehört zu einer der gefährlichsten Migrationsrouten der Welt: Überfälle von kriminellen Banden, Gewalt und Menschenhandel gehören mittlerweile zum Alltag. Um diesen Herausforderungen entgegenzuwirken, werden die Migrant*innen über ihre Rechte und sichere Migrationsrouten, auf denen sie Schutz in Herbergen oder bei solidarischen Familien finden, informiert.

Viele Migrant*innen erreichen ihr Ziel gar nicht erst: Einige von ihnen werden festgenommen und in ihre Herkunftsländer abgeschoben, wieder andere verschwinden auf der Migrationsroute. Daher arbeitet das lokale Komitee auch mit betroffenen Familienangehörigen von verschwundenen Migrant*innen zusammen. Mit der Unterstützung von ACCSS werden die bekannt gewordenen Fälle an die entsprechenden nationalen und mexikanischen Behörden weitergeleitet, um den Familien bei der Suche nach ihren vermissten Angehörigen zu helfen. Zusätzlich erhalten die Familien und Migrationsrückkehrer*innen psychosoziale Betreuung in Selbsthilfegruppen, um die traumatischen Erfahrungen zu verarbeiten.

Alternativen zur irregulären Migration

Gleichzeitig setzt sich ACCSS gemeinsam mit sechs Jugendorganisationen und einem Jugendnetzwerk für Alternativen zur irregulären Migration ein. Dabei stärkt ACCSS die Organisationstrukturen der Jugendorganisationen und zeigt ihnen Mechanismen auf, um für ihre Rechte und Forderungen einzustehen. Vordergründiges Ziel der Jugendlichen ist es dabei, Einfluss auf die Haushaltspolitik zu nehmen: 0,5 Prozent des Haushaltes des Gemeindebezirkes Ixcán sollen für Jugendliche ausgegeben werden, um so Programme umzusetzen, die insbesondere Jugendlichen Alternativen zur irregulären Migration aufzeigen. Denn für sie gibt es in den abgelegenen Gemeinden kaum Möglichkeiten eine adäquate Schulausbildung zu bekommen und damit später wenige Chancen, zum Lebensunterhalt ihrer Familien beizutragen. Die Regierungsprogramme sollen den Jugendlichen Alternativen zur Migration aufzeigen und ihnen damit Hoffnung auf eine bessere Zukunft in ihrer Herkunftsregion geben.

Projektinfo

ProjektArbeitsmigration in Guatemala
Ort/Region

Sechs Gemeinden im Gemeindebezirk Ixcán im Departamento El Quiché: Primavera del Ixcán, Playón, Afán, Armenia, Zona II, San Lucas und die Bezirkshauptstadt Playa Grande

PartnerACCSS
Zielgruppe

Potenzielle Migrant*innen, Migrant*innen im Transit und Rückkehrer*innen, von der Migration betroffene Familien und 18 Mitglieder des lokalen Komitees zur Migration

Aktivitäten
  • Stärkung selbstbestimmter Migrationsentscheidungen und Förderung von „aufgeklärter“ Migration
  • Unterstützung von Familienangehörigen bei der Aufklärung von Fällen von vermissten Migrant*innen
  • Psychosoziale Betreuung für Familienangehörige und Migrationsrückkehrer*innen
  • Stärkung von Jugendorganisationen und eines Jugendnetzwerkes bei der Advocacy-Arbeit zur Erreichung von Jugendförderungsprogrammen der Gemeindeverwaltung
Laufzeit2016-2018
Budget50.000 Euro p.a.
FördererBMZ

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