Mittelamerika • El Salvador

Prävention von sexueller Gewalt gegen Frauen

Sexuelle Gewalt beeinflusst das Leben junger Menschen auf einschneidende Weise. Insbesondere junge Frauen und Mädchen sind betroffen. Unsere Partnerorganisation IMU setzt sich im Rahmen des Programms zur Jugendförderung und Gewaltprävention für die Rechte der Frauen ein und führt Maßnahmen zur Prävention von sexueller Gewalt durch.

Prävention von sexueller Gewalt gegen Frauenin El SalvadorJunge Frauen - und Männer - in El Salvador demonstrieren für mehr Gleichberechtigung. (Foto: IMU)

Erika und Odarlin sind zwei mutige junge Frauen aus San Salvador. Mutig, weil sie über Themen sprechen, die in El Salvador tabu sind: In den Veranstaltungen, die sie in Schulen, in Jugendgruppen oder auf der Straße durchführen, sprechen sie über sexuelle Gewalt, über Gleichberechtigung und Geschlechtergerechtigkeit oder über (ungewollte) Schwangerschaften von jungen Frauen. Die beiden wurden von unserer Partnerorganisation IMU als Multiplikatorinnen ausgebildet. „Ich war elf Jahre alt, als ich in die Gruppe eingetreten bin. Ich wollte einen Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche aufgeklärt werden und dass junge Frauen und Mädchen nicht ungewollt schwanger werden oder sich mit Geschlechtskrankheiten anstecken. Deswegen habe ich mich als Multiplikatorin ausbilden lassen“, berichtet Odarlin.

Ich wollte einen Beitrag dazu leisten, dass Jugendliche aufgeklärt werden und dass junge Frauen und Mädchen nicht ungewollt schwanger werden.

Die Vision von IMU ist es, in einer von patriarchalen Strukturen geprägten Gesellschaft einen Beitrag für gesellschaftlichen Wandel zu leisten. Das erklärte Ziel: geschlechterspezifische Diskriminierung und Benachteiligung von Frauen zu bekämpfen und Frauenrechte  zu stärken. Seit 2009 wird IMU dabei von AWO International unterstützt.

Aufklärungsarbeit an Schulen und im Gesundheitssektor

Alarmiert durch die Zunahme von sexuellen Übergriffen und die hohe Zahl von ungewollten Schwangerschaften junger Mädchen ist die Prävention von sexueller Gewalt ein wichtiger Arbeitsschwerpunkt von IMU. Dabei arbeitet die Frauenrechtsorganisation intensiv mit Schulen zusammen. In Sport- und Theaterkursen lernen die Schüler*innen andere Ausdrucksformen als Gewalt kennen und erfahren, dass sie als Jugendliche eigene Rechte haben und dass beide Geschlechter die gleichen Rechte haben – keine Selbstverständlichkeit in den patriarchalischen Gesellschaften Mittelamerikas.

In Aufklärungskursen bietet IMU Jugendlichen einen geschützten Raum, in dem sie über ihre Gewalterfahrungen und Themen, wie Sexualität, Verhütung und Familienplanung frei sprechen können. Dort lernen sie auch, dass sie ein Selbstbestimmungsrecht über ihren eigenen Körper haben. Um die Thematik nachhaltig verankern zu können, wurden Lehrer*innen und Schüler*innen von der 7. bis zur 9. Klasse zu Multiplikator*innen ausgebildet. Auch das nahe Umfeld der Jugendlichen (Familie, Gemeindeorganisationen) werden bei der Präventionsarbeit mit einbezogen, genauso wie der Gesundheitssektor: Durch die Ausbildung von Krankenschwestern in der Erstbetreuung von Opfern sexueller Gewalt konnte auch hier eine bessere Betreuung von Gewaltopfern erreicht werden.

Teilhabe von Frauen stärken

In der neuen Projektphase arbeitet IMU verstärkt mit anderen lokalen Frauenorganisationen zusammen und unterstützt sie dabei, sich in ihren Gemeinden zu vernetzen und gemeinsam Veranstaltungen und Demonstrationen durchzuführen, damit die Forderungen nach mehr Gleichberechtigung umgesetzt werden. In diesem Kontext heißt Empowerment, die Handlungsmöglichkeiten von Frauen zu erweitern – zum Beispiel durch Weiterbildung und Organisationsentwicklung –, damit sie selbst das wirtschaftliche, politische und gesellschaftliche Leben mitgestalten können. Hierzu werden auch die Frauen zu Multiplikatorinnen ausgebildet und gründen Selbsthilfe- und Lerngruppen sowie Gemeindekomitees zur Gewaltprävention und zum Kinder- und Jugendschutz. Ziel ist es, über Sexualrechte aufzuklären, die Anzahl ungewollter Schwangerschaften zu verringern und gleichzeitig die Opfer sexueller Gewalt zu ermutigen, die Täter anzuzeigen.

Durch die aktive Teilnahme der Frauenorganisation an den lokalen Gremien konnten die Frauenorganisationen bereits 2014 einen wichtigen Meilenstein erreichen: Das Bildungsministerium verabschiedete im Oktober 2014 ein bindendes Protokoll zur Thematisierung von sexueller Gewalt an Schulen. Sexualkunde ist nun im Lehrplan der 7., 8. und 9. Klassen vorgesehen und die Lerninhalte wurden um einen Menschenrechtsansatz und die Gender-Perspektive erweitert. Damit rückte IMU seiner eigenen Vision ein großes Stück näher. Das nächste Ziel ist nun, jeweils einen Schulrat in den beiden Projektschulen zu gründen, welcher sich aus Schüler*innen, Lehrer*innen und Eltern zusammensetzt, um sicherzustellen, dass der neue Lehrplan auch in der Praxis Anwendung findet.

Projektinfo

ProjektPrävention von sexueller Gewalt gegen Frauen
Ort/Region

Gemeindebezirke Aguilares und Guazapa im Norden von San Salvador, El Salvador

PartnerIMU (Instituto de Investigación, Capacitación y Desarrollo de la Mujer- Institut zur Forschung, Befähigung und Entwicklung der Frau)
Zielgruppe

930 Schüler*innen und 730 Erwachsene

Aktivitäten
  • Aus- und Fortbildungsmaßnahmen an Schulen
  • Weiterbildung von Lehrer*innen und Multiplikator*innen
  • Stärkung selbstbestimmter Entscheidung von Jugendlichen zu ihrer Sexualität durch umfangreiche Aufklärungsmaßnahmen und Dialogveranstaltungen
  • Sexualaufklärung und Präventivmaßnahmen zur Gesundheitsvorsorge von jungen Mädchen und jungen Männern
  • Beratung und Betreuung der Opfer von Sexualdelikten und ihrer Familien
Laufzeit2016-2018
Budget50.000 Euro p.a.
FördererBMZ

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