Mittelamerika • El Salvador

Jugendliche machen Lokalpolitik

Jugendliche in El Salvador haben in der öffentlichen Diskussion keine Stimme. Ihre Bedürfnisse werden kaum beachtet und sie werden oftmals als Mitglieder krimineller Jugendbanden stigmatisiert. Unsere Partnerorganisation ACISAM stärkt die Rechte von Jugendlichen und Jugendorganisationen, fördert den Dialog zwischen den Generationen und setzt Maßnahmen zur Gewaltprävention um.

Die Jugendorganisationen und –netzwerke veranstalten Jugendfestivals, bei dem neben der politischen Arbeit natürlich Spiel und Spaß nicht zu kurz kommen dürfen.Die Jugendorganisationen und –netzwerke veranstalten Jugendfestivals, bei dem neben der politischen Arbeit natürlich Spiel und Spaß nicht zu kurz kommen dürfen. (Foto: ACISAM)

Über zehn Jahre lang kämpfte in El Salvador die linksgerichtete Guerilla-Bewegung FMLN gegen das Militärregime. Rechte Paramilitärs töteten Tausende vermeintliche Unterstützer der FMLN. 1992 wurde ein Friedensvertrag vereinbart, der Bürgerkrieg beendet. Seitdem ist El Salvador eine Demokratie, seit 8 Jahren regiert die FMLN.

Doch die Ursachen der Gewalt konnten in 25 Jahren nicht bekämpft werden: Jahrzehnte nach der Beendigung des Bürgerkrieges ist die Gewaltsituation nahezu auf demselben Niveau. Heute sind es nicht die Militärs, sondern die Jugendbanden, die sogenannten Maras, die das Land terrorisieren. Die Anzahl der Jugendlichen, die Mitglied bei einer der Jugendbanden sind, wird auf etwa 30.000 geschätzt. Ein sehr hohe Zahl – aber die Mehrheit der Jugendlichen ist von der Gewalt der Maras selbst betroffen.

Jugendorganisationen und -netzwerke stärken

Unsere Partnerorganisation ACISAM wurde 1986 gegründet - auch als Reaktion auf den Bürgerkrieg. Die Arbeitsschwerpunkte umfassen psychosoziale Betreuung von Jugendlichen und Erwachsenen, Bildung und Medienarbeit. Seit 2009 führen wir mit ACISAM ein Projekt in den Gemeindebezirken Suchitoto und El Paisnal nördlich der Hauptstadt San Salvador durch, das drei Aktionsfelder verbindet: Jugendliche in der Krise, Jugendliche und ihre Rechte und Jugendliche als soziale Subjekte. Schwerpunkt des Projektes ist die Stärkung ausgebildeter Jugendvertreter*innen sowie deren Organisationen und Netzwerke zur Bewusstseinsschaffung für Jugendfragen. Ausgebildete jugendliche Multiplikator*innen tragen anhand unterschiedlicher Kanäle ihr bereits erlangtes Wissen weiter. Beispielsweise gibt es Jugendorganisationen, die ein eigenes Radioprogramm oder kleine Fernsehprogramme ins Leben gerufen haben. Über Radio oder Fernsehen vermitteln die Organisationen ihr Wissen über Jugendfragen und Gewaltprävention an interessierte junge Menschen und Erwachsene weiter.

Seit 2009 konnten durch diese Kanäle sowie sportliche und kulturelle Aktivitäten bereits 4.000 Jugendliche und junge Erwachsene über relevante Themen aufgeklärt werden. Sie werden über ihre Rechte informiert, in ihrem Selbstbewusstsein und politischem Engagement gestärkt. Ziel ist es, dass die Wissensvermittlung die jungen Menschen anregt, aktiv die Entwicklungsprozesse in ihren Gemeinden mitzugestalten, ihre Anliegen in lokalen Agenden den verantwortlichen Autoritäten vorzulegen und zu erreichen, dass ihre Forderungen umgesetzt werden. Gezielte Lobbyarbeit soll dazu führen, dass die Autoritäten sich verantwortlich dafür zeigen, Maßnahmen zur Gewaltprävention und Jugendfragen in den Gemeinden umzusetzen. Dabei konnten die Jugendorganisationen bereits erste Erfolge verzeichnen: Sensibilisiert durch Fortbildungen im Umweltfragen haben sie sich bei der Gemeindeverwaltung dafür eingesetzt, dass ein Müllberg nahe eines Schulgeländes beseitigt wurde.

„Lernen, glücklich zu sein!“

Der Zusammenschluss der Jugendorganisationen zu Netzwerken ermöglicht eine bessere Verhandlungsbasis zwischen der Zivilgesellschaft und Regierungsvertreter*innen. Die gebündelten Interessen verleihen den Forderungen, insbesondere zu den Themen Gewalt, Schwangerschaften minderjähriger Frauen und Arbeitslosigkeit, mehr Gewicht. Zum einen wird hierdurch die Partizipation der Jugendlichen auf Gemeindeebene gestärkt. Zum anderen findet hierdurch eine Demokratieförderung statt. Die Jugendlichen lernen, ihre Vorstellungen mittels gewaltfreier Kommunikation zu formulieren. Damit gestalten sie die gesellschaftlichen Strukturen ihrer Gemeinden mit und nehmen ihr Glück selbst in die Hand – so, wie es auch auf dem Logo von ACISAM steht: „Lernen, glücklich zu sein“ (Aprendiendo ser felices!).

Projektinfo

ProjektJugendliche machen Lokalpolitik
Ort/Region

Zwölf Gemeinden des Gemeindebezirks El Paisnal und achtzehn Gemeinden des Gemeindebezirks Suchitoto, El Salvador

PartnerAsociación de Capacitación e Investigación para la Salud Mental (ACISAM)
Zielgruppe

900 Jugendliche und jeweils zwei Multiplikator*innen aus 30 Jugendorganisationen

Aktivitäten
  • Aus- und Weiterbildung von Jugendlichen
  • Organisationsentwicklung von Jugendorganisationen und zwei Netzwerken
  • Lobbyarbeit zur Umsetzung der Jugendpolitik
  • Jugend fördernde Maßnahmen auf Gemeindeebene
Laufzeit2016-2018
Budget50.000,00 Euro p.a.
FördererBMZ

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