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Ein solidarisches Bündnis zur Betreuung von Migrant*innen

Die Situation von Honduras hat sich seit dem Putsch von 2009 dramatisch verschlechtert, sodass die Migrationszahlen stetig steigen. Unsere Partnerorganisation OCDIH klärt Migrant*innen über ihre Rechte auf und gewährt in Zusammenarbeit mit der guatemaltekischen Basisorganisation ACOMUMSAM Schutz auf den Migrationsrouten.

Jugendliche werden in einem Workshop für die Gefahren der Migration sensibilisiert.Jugendliche werden in einem Workshop für die Gefahren der Migration sensibilisiert. (Foto: AWO International)

Folgen des Putsches von 2009 sind die Schwächung demokratischer Institutionen, die Militarisierung des Landes, Straflosigkeit von Verbrechen und steigende Armut. Das zentralamerikanische Land wird vom Einfluss der organisierten Kriminalität und der Drogenkartelle dominiert. Die Korruption reicht bis in die Regierungsspitze.

Honduras ist eines der gefährlichsten Länder der Welt. Nach Angaben der Vereinten Nationen ist Honduras momentan das Land mit der höchsten Frauenmordrate – 7 von 10 honduranischen Frauen haben in ihrem Leben schon am eigenen Leib Gewalt erfahren. Diese Faktoren führen dazu, dass bereits 14 Prozent der honduranischen Bevölkerung als Migrant*innen in den USA leben. Insbesondere Kinder und Jugendliche fliehen vor Gewalt und Hoffnungslosigkeit, manche haben das Ziel, ihre Familien in den USA zu finden.

Nichtregierungsorganisationen wie OCDIH sind selbst betroffen

Unsere Partnerorganisation OCDIH (Organismo Cristiano de Desarrollo Integral de Honduras) ist eine angesehene Nichtregierungsorganisation (NGO) im Nordwesten von Honduras, bekannt für ihre Themenkompetenz in ländlicher Entwicklung, humanitärer Hilfe und Menschenrechten.

Die Organisation ist seit Jahren selbst vom Thema Migration betroffen: Viele von OCDIH ausgebildete Promotor*innen oder Gemeindevertreter*innen machen sich auf den Weg in den nach Mexiko oder in die USA. Dies war ein Grund für OCDIH, sich intensiv mit dem Thema Migration auseinanderzusetzen und Migrationsprojekte durchzuführen. Mittlerweile hat sich die Organisation im Bereich Migration etabliert. AWO International unterstützt die Organisation seit 2016.

OCDIH verfolgt das Ziel, die potentiellen Migrant*innen auf eine selbstbestimmte Migrationsentscheidung vorzubereiten: Was sind die Gefahren der Migration? Welche Rechte habe ich als Migrant*in? Gibt es sichere Migrationsrouten?

Migrationskomitees zur Aufklärung und Selbsthilfegruppen zur Betreuung von Familien

Mit Unterstützung von OCDIH wurden in den zwei Gemeindebezirken Nueva Arcadia und San Nicolás in der Provinz in Copán Migrationskomitees gegründet, die die Bewohner*innen über ihre Rechte, Risiken und Gefahren der Migration informieren. Ein Ziel ist es, den Auswirkungen der Migration auf Gemeindeebene entgegenzuwirken: Rückkehrer*innen benötigen Unterstützung bei der sozialen Integration und sind auf emotionale Hilfe angewiesen, um die Erfahrung der Migration zu verarbeiten, Familienangehörige suchen nach ihren auf der Flucht verschwundenen Söhnen und Töchtern. Parallel haben Familienangehörige, die vom Thema Migration betroffen sind, und Rückkehrer*innen in Selbsthilfegruppen die Möglichkeit, sich über ihre Situation auszutauschen und sich gegenseitig zu unterstützen.

Doch was passiert mit den Migrant*innen, wenn sie sich dazu entscheiden, den Migrationsweg einzuschlagen? Wo können sie Unterstützung während der Flucht erfahren? Eine Komponente des Projekts ist die Zusammenarbeit mit sogenannten „solidarischen Familien“ („Familias solidarias“), die Migrant*innen auf ihrem Weg unterstützen.

Solidarische Familien gewähren Migrant*innen Unterschlupf

Hier arbeitet OCDIH mit der Basisorganisation ACOMUMSAM (Asociación Comunitaria Multisectorial de Monitoreo en Salud y Apoyo al Migrante) in der Provinz Petén in Guatemala zusammen, welche über ein großes Netz an solidarischen Familien in den beiden Gemeindebezirken La Libertad und Las Cruces verfügt. Die Route durch Petén ist eine der meist frequentierten Migrationsrouten in Zentralamerika. Allein in den vier Monaten von August bis Dezember 2016 hat ein Netzwerk aus 30 solidarischen Familien etwa 820 Migrant*innen Unterschlupf gewährt. Hier erholen sie sich von den Anstrengungen der gefährlichen Reise, erhalten Informationen über die weitere Migrationsroute sowie eine medizinische Basisversorgung, bevor sie ihren Weg nach Mexiko oder in die USA fortsetzen.

Projektinfo

ProjektSolidarisches Bündnis für Migrierende und betroffene Familien in Honduras und Guatemala
Ort/Region

Gemeindebezirke Nueva Arcadia und San Nicolás in der Provinz Copán, Honduras und Gemeindebezirke La Libertad und Las Cruces in der Provinz Petén, Guatemala

PartnerOCDIH (Honduras), ACOMUMSAM (Guatemala)
Zielgruppe

Potenzielle Migrant*innen und deren Familien in Honduras, Rückkehrerende Migrant*innen, Migrierende auf der Durchreise in Guatemala, Mitglieder der solidarischen Familien in Guatemala

Aktivitäten
  • Stärkung selbstbestimmter Migrationsentscheidungen und Förderung von „aufgeklärter“ Migration
  • Stärkung von Migrationskomitees und Selbsthilfegruppen, um den Auswirkungen der Migration begegnen und entgegenwirken zu können
  • Gesundheitsversorgung und Schutz vor Rechtsverletzungen für Migrant*innen
  • Unterstützung von Familienangehörigen bei der Aufklärung von Fällen vermisster Migrant*innen
Laufzeit2016-2018
Budget40.000 Euro p.a.
FördererBMZ

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