01. Dezember 2017

Mittelmeer: An Bord des Rettungsschiffes Aquarius

25.000 Menschen hat das Rettungsschiff Aquarius von unserer Partnerorganisation SOS Méditerranée seit Beginn des Einsatzes im Mittelmeer gerettet und an Bord versorgt. AWO International trägt seit 2015 wesentlich dazu bei, dass die Aquarius die Rettungseinsätze aufnehmen kann. Unser Vorstandsmitglied Karlheinz Petersen und unser Kollege Felix Neuhaus waren an Bord.

Karlheinz Petersen (AWO International Vorstandsmitglied) und Felix Neuhaus (Koordinator für humanitäre Hilfe) an Bord der Aquarius.Karlheinz Petersen (AWO International Vorstandsmitglied) und Felix Neuhaus (Koordinator für humanitäre Hilfe) an Bord der Aquarius. (Foto AWO International)

„Seenotrettung ist nicht verhandelbar und darf kein Politikum sein. Ich engagiere mich als ehemaliger Seemann und aus Ehrfurcht vor dem Leben. Wir dürfen nicht zusehen, wie Menschen vor den Grenzen Europas ertrinken“, sagt Karlheinz Petersen im Gespräch mit der Besatzung der Aquarius. Der ehemalige Geschäftsführer des AWO Landesverbandes Sachsen und Mitglied des Vorstandes von AWO International war selber viele Jahre auf See und gehört zu den ersten Unterstützern des Projekts. Jetzt ist er als Botschafter in der AWO unterwegs, um über das Hilfsprojekt zu berichten und um Spenden dafür zu werben.

Seit Februar 2016 ist die Aquarius mit Unterstützung von AWO International auf dem Mittelmeer zwischen Libyen und Italien unterwegs, um Menschen in Seenot zu retten. Diese Flüchtlingsroute gehört zu den gefährlichsten der Welt. Die Bilanz bestätigt, wie dringend notwendig die Einsätze sind: In mehr als 100 Einsätzen wurden 25.000 Menschen gerettet und an Bord versorgt. Allein in November wurden 1.400 Menschen gerettet, darunter viele Frauen und Kinder.

„Die Aquarius ist eines der wenigen Rettungsschiffe, das aufgrund der Ausstattung auch im Winter voll im Einsatz sein kann“, berichtet Rettungskoordinator Nicola Stella. „Die Flüchtenden auf den Schlauchbooten sind stark geschwächt und unterkühlt. Sie halten es rund 13 bis 15 Stunden auf See aus, dann ist die Gefahr, dass sie sterben sehr hoch. Mit unserer Spezialausrüstung und einer gut ausgebildeten 35-köpfigen Besatzung können wir auch Rettungen in komplizierten Situationen durchführen. Das Schiff hat eine Kapazität von 600 Personen, wir hatten aber schon 1000 Gerettete an Bord“, so Stella.

„Die aktuelle Situation für Flüchtende in Libyen ist menschenverachtend und von Gewalt geprägt. Die Menschen nehmen die lebensgefährliche Überfahrt in Kauf, um der Hölle in den libyschen Lagern zu entfliehen. Was die Geretteten an Bord der Aquarius berichten ist erschütternd“, so Felix Neuhaus, Koordinator für Humanitäre Hilfe von AWO International. „Die internationale Gemeinschaft muss aktiv werden. Wir hoffen, dass der aktuelle Gipfel zwischen EU und Afrikanischer Union zu konkreten Maßnahmen führt“, so Neuhaus.

Während des Besuchs an Bord der Aquarius betonte Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Méditeranée Deutschland,  wie wichtig die Unterstützung von AWO International ist und dankte allen Spender*innen im Namen der Besatzung und der Geretteten. „Die Aquarius wird weiterhin dringend gebraucht, um den Engpass an staatlichen Rettungsschiffen im Mittelmeer zu überbrücken. Jede Hilfe wird dringend benötigt, damit wir unseren Betrieb solange wie nötig aufrechterhalten können.“

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