18. Dezember 2017

Internationaler Tag der Migrant*innen

Ausbeutung, Missbrauch und eklatante Menschenrechtsverletzungen prägen das Leben vieler Migrant*innen. Zum Internationalen Tag der Migrant*innen am 18. Dezember werden auch in diesem Jahr wieder viele unserer Partnerorganisationen mit Aktionen und Veranstaltungen auf die prekäre Situation von Arbeitsmigrant*innen aufmerksam machen. Migration und Menschenhandel sind ein Schwerpunkt unserer Arbeit in Zentralamerika und Asien.

Der 23-jährige Carlos ist alleine und ohne Geld auf dem Weg in die USA, um dort Arbeit zu finden. An der mexikanischen Grenze in Bethel ist er bei einer solidarischen Familie untergekommen.Der 23-jährige Carlos ist alleine und ohne Geld auf dem Weg in die USA, um dort Arbeit zu finden. An der mexikanischen Grenze in Bethel ist er bei einer solidarischen Familie untergekommen. (Foto: AWO International)

Etwa 244 Millionen Menschen leben als Migrant*innen fernab ihrer Heimatländer. Insbesondere für Arbeitsmigrant*innen endet die Ausreise oft in prekären Arbeitsbedingungen und Ausbeutung. Die Grenze zwischen Migration und Menschenhandel ist dabei fließend. Schätzungsweise 40 Millionen Menschen sind von Menschenhandel und Zwangsarbeit betroffen. Die Förderung Sicherer Migration und die Bekämpfung des Menschenhandels sind seit 2014 strategischer Schwerpunkt unserer Arbeit in Zentralamerika und Mexiko, Südasien und Südostasien.

Migrationsprojekte in Zentralamerika

Bis zu 400.000 Menschen aus Zentralamerika überqueren jährlich die Grenze als irreguläre Migrant*innen. Die meisten von ihnen kommen aus Guatemala, Honduras und El Salvador. Sie fliehen vor Armut, Perspektivlosigkeit und Gewalt. Sie hoffen in den USA eine Arbeit zu finden, um ihre Familien zu unterstützen und nehmen dabei zahlreiche Risiken in Kauf. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen führen wir in Zentralamerika und Mexiko insgesamt 5 Projekte zum Themenbereich Migration durch und decken dabei den gesamten Migrationszyklus ab.

In den Herkunftsgemeinden leisten wir Aufklärungsarbeit zum Thema sichere Migration und den Rechten von Migrant*innen. Mit Einkommen schaffenden Maßnahmen und unterstützenden Bildungskursen insbesondere für Jugendliche schaffen wir gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen Zukunftsperspektiven und Alternativen zur Migration. Wir stärken die Selbstorganisation von Gemeinden und Gruppen und leisten psychosoziale Betreuung von Familienangehörigen und Rückkehrer*innen. Auf den Migrationsrouten bieten wir Migrant*innen Schutz. Ein Netzwerk aus solidarischen Familien gewährt Migrierenden Unterschlupf bei der Durchreise. Hier erholen sie sich von den Anstrengungen der gefährlichen Reise, erhalten Informationen über die weitere Migrationsroute sowie eine medizinische Basisversorgung. Zudem unterstützen wir Familien bei der Suche vermisster Angehöriger. Unsere Partnerorganisationen leisten zusätzlich politische Lobbyarbeit für die Rechte und einen besseren Schutz von Migrierenden.

Migration und Menschenhandel in Südasien

Auch in unseren Projektländern Bangladesch, Indien und Nepal spielt das Thema Migration und Menschenhandel eine wichtige Rolle. Für viele Menschen ist Migration zu einer Überlebensstrategie geworden. Immer mehr Menschen verlassen ihre Heimat, um im Ausland Arbeit zu finden. Viele von ihnen sind dabei den Machenschaften von Menschenhändler*innen und Schleppern ausgesetzt. In den Zielländern leben und arbeiten die Migrant*innen unter katastrophalen und menschenunwürdigen Bedingungen. Insbesondere Frauen sind von sexueller Gewalt und Missbrauch betroffen.

In Zusammenarbeit mit unseren Partnerorganisationen setzen wir uns in Südasien für eine sichere Migration ein und bekämpfen den Menschenhandel. Migrationsinformationszentren an zentralen Orten wie zum Beispiel an Bahnhöfen und Grenzgebieten informieren Migrierende über Risiken von unsicherer Migration und Menschenhandel. Grenznahe Beobachtungsstützpunkte dienen dem unmittelbaren Eingreifen im Verdacht auf Menschenhandel. Die Rettung sowie Erstversorgung der Opfer von Menschenhandel sind ein wichtiger Bestandteil unserer Projekte. In Notunterkünften bieten unsere Partnerorganisationen den Betroffenen eine vorübergehende Unterkunft und leisten gleichzeitig eine medizinische bzw. psychosoziale Beratung und Betreuung. Eine Rechtsberatung wird den Opfern vor Ort zur Verfügung gestellt, einhergehend mit einer Betreuung während des Gerichtsverfahrens. Nach der Erstversorgung erfolgt die Reintegration der Opfer in deren Familien bzw. Gemeinden. Um das Thema stärker in das Bewusstsein der Menschen zu positionieren, leisten unsere Partner*innen Lobby- und Advocacyarbeit. Zu den Maßnahmen gehört auch die Gründung und Unterstützung von Basisorganisationen, die als Dialog-Plattformen für Migrant*innen und deren Angehörige fungieren.

Ausbeutung und Zwangsarbeit in Südostasien

Seit vielen Jahren engagieren wir uns in Südasien für die Rechte von Kindern und Frauen. Wir gehen gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen gegen Kinderarbeit und Kinderhandel vor und setzen uns für Geschlechtergerechtigkeit ein. Ab 2018 erweitern wir unsere Arbeit um das Thema Migration und Zwangsarbeit. In den Philippinen zum Beispiel verlassen aus Mangel an Perspektiven Hunderttausende ihre Heimat, um im Ausland zu arbeiten. Für Frauen ist die Situation besonders prekär: Obwohl sie meist besser ausgebildet sind als Männer, sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt aufgrund von Geschlechterdiskriminierung noch schlechter. Die Arbeit als Hausangestellte gehört zu den größten Beschäftigungsfeldern von Migrantinnen. Schon für legal ausgereiste Haushaltshilfen ist die Arbeits- und Lebenssituation sehr schwierig. Für irreguläre Migrant*innen ist die Situation noch schlimmer: Missbrauch und Ausbeutung durch die Arbeitgeber*innen und die Vermittlungsagenturen kommen häufig vor, die Betroffenen könne sich kaum wehren. Gemeinsam mit unseren philippinischen Partnerorganisationen leisten wir anwaltschaftliche Arbeit und setzen uns für den Schutz und die Anerkennung der Grundrechte von Migrant*innen ein.

Alle unsere Projekte zum Thema Migration und Menschenhandel finden Sie hier. Schwerpunkt der weitblick-Ausgabe 1/2017 ist das Thema Migration und Entwicklung.

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