30. November 2017

Geflüchtete Rohingya in Bangladesch: „Es ging um Leben und Tod“

Die Situation für die geflüchteten Rohingya ist weiterhin äußerst kritisch: Die Flüchtlingscamps sind vollkommen überfüllt, die Hygienesituation ist katastrophal und viele haben kein Zugang zu sauberem Wasser. AWO International versorgt 400 Familien mit sicheren Unterkünften, Kleidung und Hygieneartikeln. Zusätzlich werden Toiletten und Brunnen gebaut.

Mina Rabeko floh mit ihrer 5-köpfigen Familie vor der Gewalt in ihrem Heimatdorf in Myanmar. Sechs Tage war die Familie unterwegs, bis sie die Grenze nach Bangladesch überquerte.Mina Rabeko floh mit ihrer 5-köpfigen Familie vor der Gewalt in ihrem Heimatdorf in Myanmar. Sechs Tage war die Familie unterwegs, bis sie die Grenze nach Bangladesch überquerte. (Foto: AWO International)

Sechs Tage lang war Mina Rabeko mit ihrem Mann und ihren drei Kindern unterwegs bis sie endlich die Grenze zwischen Myanmar und Bangladesch überquerte. Als die Situation Ende August eskalierte, Rohingya-Dörfer angezündet und Menschen umgebracht wurden, floh die Familie. „Ich hatte Angst um meine Kinder. Wir sind immer weiter gegangen, es ging um Leben und Tod“, erzählt Mina Rabeko und blickt dabei auf ihren zweijährigen Sohn.

Seit Generationen leben etwa eine Million muslimische Rohingya in Myanmar. Dennoch werden sie seit Jahrzehnten diskriminiert, das Recht auf eine Staatsbürgerschaft wurden ihnen 1982 aberkannt. Seit Beginn der Eskalationen im August sind mehr als 620.000 Rohingya vor Gewalt und Verfolgung in das benachbarte Bangladesch geflüchtet. Damit ist die Anzahl der Geflüchteten in Bangladesch inzwischen auf mehr als 820.000 gestiegen. Noch immer überqueren jeden Tag 2000 Geflüchtete die Grenze nach Bangladesch.

Die meisten kommen im Grenzdistrikt Cox`s Bazar an, der bereits zuvor von extremer Armut und durch Naturkatastrophen gezeichnet war. Es sind vor allem Frauen, Kinder und alte Menschen, die Schutz suchen. Sie kommen in komplett überfüllten Flüchtlingslagern an. Unzählige haben kein Dach über dem Kopf, keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser, leiden an Hunger und sind traumatisiert.

Hilfe für 400 geflüchtete Familien

AWO International ist mit einem Team vor Ort, um gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen die hilfebedürftigen Rohingya zu unterstützen. In einem ersten Hilfsprojekt werden 400 Familien (etwa 2400 Personen) mit dem Nötigsten versorgt. Sie erhalten provisorische, sichere Unterkünfte, Kleidung und Hygieneartikel. Darüber hinaus werden Toiletten und Brunnen gebaut, um die sanitäre Situation zu verbessern.

„Mein Mann und mein Sohn wurden vor unseren Augen ermordet. Ich habe alles verloren. Mit meinen Kindern haben wir es irgendwie geschafft hierher zu kommen. Wir haben überlebt“, berichtet Khatoon Fatima. Sie lebt mit ihren Kindern im Flüchtlingslager Balikali in Bangladesch. „Wir haben kaum Kleidung, kein sauberes Wasser und ich weiß nicht wie ich meine Kinder in der Nacht warm halten kann.“ Der Monsun in Bangladesch ist vorbei und der Winter naht. Damit die Menschen sich ausreichend vor der Kälte schützen können, werden zusätzlich Decken und Kleidung verteilt.

„Die Lage in den Flüchtlingscamps ist äußerst dramatisch. Die Hygienesituation ist katastrophal, der Bedarf an sauberem Wasser hoch und die Menschen sind schwer traumatisiert. Wir sind dringend auf weitere Unterstützung angewiesen, um unsere Hilfsmaßnahmen für die Not leidenden Menschen auszuweiten“, sagt Felix Neuhaus, Koordinator für Humanitäre Hilfe bei AWO International. Das laufende Projekt wird mit Spenden und Mitteln von Aktion Deutschland Hilft und Solidar Suisse finanziert.

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Stichwort: Hilfe für Rohingya- Bangladesch/Myanmar
IBAN: DE83 1002 0500 0003 2211 00

AWO International ist Mitglied von Aktion Deutschland Hilft, dem Bündnis renommierter deutscher Hilfsorganisationen, die im Falle großer Katastrophen ihre Kräfte bündeln, um schnelle und effektive Hilfe zu leisten.

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