10. Februar 2017

Bundestagsabgeordnete besuchen Migrationsprojekt in Nepal

Während ihres Aufenthalts in Nepal besuchten zwei Mitglieder des Deutschen Bundestages, Dr. Hans-Peter Uhl (CSU) und Thorsten Frei (CDU), sowie ein Vertreter der Deutschen Botschaft in Kathmandu ein Projekt von AWO International und der Partnerorganisation POURAKHI zum Thema sichere Migration.

Diskussion mit den MdBs Dr. Hans-Peter Uhl und Thorsten Frei im Migrationsinformationszentrum am Busbahnhof von Kathmandu zum Thema sichere Migration.Diskussion mit den MdBs Dr. Hans-Peter Uhl und Thorsten Frei im Migrationsinformationszentrum am Busbahnhof von Kathmandu zum Thema sichere Migration. (Foto: AWO International)

POURAKHI ist eine in Nepal geschätzte Nichtregierungsorganisation (NRO), die sich gegen Menschenhandel und für sichere Migration engagiert. Für Nepal spielt der Export von Arbeitskräften eine bedeutende Rolle. Ungefähr 25 Prozent des Bruttoinlandsprodukts werden durch die Rücküberweisungen der Arbeitsmigrant*innen erzielt und sind somit von größter Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Nepals.

Täglich verlassen knapp 1.500 registrierte Arbeitsmigrant*innen das Land, um in den Golfstaaten oder in Malaysia in prekären Arbeitsverhältnissen für Dumpinglöhne zu arbeiten. Addiert man die Ziffer an nichtregistrierten, meist weiblichen Arbeitsmigranten, die Nepal über die offene Grenze nach Indien verlassen, dürfte die Zahl im Ausland arbeitender Nepales*innen deutlich höher liegen. Derzeit leben laut offiziellen Angaben der nepalesischen Behörden etwa sechs Millionen Nepales*innen in Übersee. Viele dieser Arbeitsmigrant*innen kehren mit großen physischen und psychischen Problemen nach Nepal zurück. Und auch in ihrer Heimat - nach dem vermeintlichen Ende der Torturen – erfahren sie Diskriminierung und Ausgrenzung: Frühzeitig Zurückkehrende werden als „gescheitert“ stigmatisiert und finden in ihren Dörfern keinen Anschluss. Ebenfalls brachte die Arbeit in Übersee auch nicht den erhofften finanziellen Erfolg, da die Arbeitsmigrant*innen nicht selten von den Vermittlerfirmen und Arbeitgebern um ihren vertraglich vereinbarten Lohn gebracht werden.

Unsere Partnerorganisation POURAKHI wurde 2003 von rückkehrenden Arbeitsmigrantinnen gegründet und versucht durch gezielte Informations-, Beratungs- und Medienarbeit eine sichere Migration zu fördern und rückkehrende Migrantinnen bei der Wiedereingliederung zu unterstützen. Zudem sollen Lobby- und Netzwerkarbeit mit Regierungsvertreter*innen, staatlichen Institution und Nichtregierungsorganisationen dazu beitragen, die Rechte von Migrantinnen zu stärken.

MdBs besuchen Informationszentrum zum Thema Migration

Eine besonders wichtige Rolle spielen die acht Migrationsinformationszentren (MIZ), die POURAKHI, mit der Unterstützung von AWO International, im Zeitraum 2014 - 2016 in einigen Distrikten Nepals gründen konnte. Das exponierteste Zentrum befindet sich in Kathmandu am Gongabu-Busbahnhof, einem der Haupttransitpunkte des Landes. Dort verteilen die Mitarbeiter*innen Informationsmaterialien und bieten in einem gesonderten Raum erste Rechtsberatung für hilfesuchende Migrant*innen. Die MIZs erfahren große Wertschätzung und verzeichnen eine hohe Beratungsleistung.

Auch die Bundestagsabgeordneten besuchten das MIZ am Gongabu-Busbahnhof und konnten sich so selbst ein Bild über die Projektarbeit von POURAKHI und AWO International machen. Umgeben von Ticketverkäufern, Vermittlungsagenturen und Fliegenden Händlern stellten Mitarbeitende von POURAKHI das alte und laufende Projekt vor und beantworteten die Fragen der Abgeordneten. Schnell wurde deutlich, dass der Mehrebenansatz des Projekts von großer Wichtigkeit ist, da auch der nepalesische Staat zum Schutz seiner Arbeitsmigrant*innen verstärkt in die Pflicht genommen werden muss und durch die gezielte Lobbyarbeit POURAKHIs eine Verbesserung der rechtlichen Rahmenbedingungen zur Migration schafft.

Auch im Kampf gegen illegale Vermittler*innen und Agenturen benötigt es ein härteres Durchgreifen des nepalesischen Staates. Ebenfalls muss die sozio-ökonomische Situation der Landbevölkerung Nepals verbessert werden, damit es weniger Anreize zur Migration gibt und die Menschen eine Lebensgrundlage und –perspektive in ihren Heimatdistrikten finden. Die Einkommen fördernden Maßnahmen des Projekts sollen dazu einen Teil beitragen. Außerdem finden regelmäßige Trainingskurse zur Gendersensibilisierung statt. Noch immer sind die Gesellschaften in Südasien sehr patriarchalisch organisiert, so dass Mädchen und Frauen häufig keinen Zugang zu formeller Bildung genießen und nicht selten Opfer von häuslicher Gewalt sind.

Das gemeinsame Projekt hat in seiner ersten Phase bemerkenswerte Ergebnisse erzielt und wird deshalb im Zeitraum 2017 – 2019 auf weitere Distrikte und Zielgruppen erweitert. Zusätzlich soll die Lobbyarbeit auf nationalem Level in der kommenden Phase intensiviert werden.

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