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22. Januar 2021 • News

Migrantenkarawane: Auf der Flucht vor Gewalt und Armut

Erneut machten sich Tausende Honduraner auf den Weg in die USA. Kurz nach der guatemaltekischen Grenze wurden sie gewaltsam gestoppt. Wir sprechen mit Karin Eder, Regionalleiterin in Mittelamerika, über die Fluchtursachen und die Vorgänge an der Grenze.

Erneut machten sich Tausende Honduraner auf den Weg in die USA und wurden in Guatemala gewaltsam gestoppt. (Foto:Carlos Ernesto Cano)Erneut machten sich Tausende Honduraner auf den Weg in die USA und wurden in Guatemala gewaltsam gestoppt. (Foto:Carlos Ernesto Cano)
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Karin Eder (links) im Gespräch bei einer Aufklärungskampagne über sichere Migration in Guatemala. AWO International setzt sich gemeinsam mit lokalen Partnerorganisationen in Mittelamerika und Mexiko seit 2015 für sichere Migration ein und erarbeitet lokale Projekte, um vor allem Jugendlichen und jungen Erwachsenen Bleibeperspektiven aufzuzeigen.

Karin, du leitest seit mehr als zehn Jahren unsere Projekte in Mittelamerika und Mexiko und lebst in Guatemala. Wie ist die Stimmung im Land?

Die Menschen sind erschrocken über die brutale Reaktion der Regierung. Die Solidarität mit den Migrantinnen und Migranten ist hoch. Zum einen, weil die Menschen hier die Fluchtursachen genau nachempfinden können. Zum anderen, weil diese repressive Migrationspolitik wütend macht. Denn eigentlich können sich Mittelamerikaner durch das CA 4 Abkommen frei in Guatemala bewegen. Viele Familien unterstützen die Migrant*innen daher mit Nahrung und Wasser und leisten so quasi erste humanitäre Hilfe.

Die Migrant*innen wurden in Guatemala aufgehalten. Was passiert da gerade?

Seit Freitag befanden sich mehrere Tausend, laut Medienberichten insgesamt 9000 Menschen auf dem Weg von Honduras in die USA. Darunter Frauen und Kinder. Die Bilder, die uns nun die letzten Tage aus Vado Hondo, einer Stadt nahe der honduranischen Grenze, erreichen, sind sehr besorgniserregend: Die Karawane wurde vom Militär gestoppt, die Schlagstöcke und Tränengas einsetzten, um die Menschen auseinanderzutreiben. Auch seitens der Migrant*innen wurde mit Gewalt reagiert. Laut UNHCR wurden mindestens 13 Menschen verletzt. Viele kehrten aus Angst freiwillig zurück nach Honduras. Andere wurden von der Regierung in Busse verfrachtet, die sich nun ebenfalls auf dem Weg nach Honduras befinden.

Etwa 3000 Migrant*innen konnten über Umwege in Richting Chiquimula und Zacapa weiterkommen. Einige haben sich wieder in Gruppen von 400 bis 500 zusammengetan und sind Richtung Guatemala Stadt und danach Richtung mexikanischer Grenze unterwegs. Andere haben sich in Kleingruppen in Richtung Petén aufgemacht.

Wieso machen sich inmitten der Pandemie erneut so viele Menschen auf den Weg in die USA?

Die Pandemie ist ein Grund. Durch die strikten Ausgangssperren verloren viele ihre Arbeit und rutschten dadurch noch weiter in die Armut. Die Hurrikane Eta und Iota, die im November tagelangen Dauerregen, Überschwemmungen und Erdrutsche mit sich brachten, verschlimmerten diese Situation: In Honduras sind 1,6 Millionen Menschen von den Auswirkungen betroffen. Diese Katastrophen treffen auf ein Land, das von Gewalt und Kriminalität der Drogenkartelle beherrscht und bis in die Regierungsspitze von Korruption durchzogen ist. Honduras gehört zu einem der gefährlichsten Länder der Welt, und dieser Gefahr versuchen die Migrant*innen zu entfliehen.

Seit 2015 setzen wir uns gemeinsam mit unseren lokalen Partnern für sichere Migrationsrouten ein. Kannst du erklären, wie diese aussehen?

Vor allem in Mittel- und Zentralamerika müssen sich Migrant*innen großen Gefahren aussetzen, die Migrationsroute über Mexiko in die USA ist eine der gefährlichsten der Welt: Gewaltsame Übergriffe und Vergewaltigungen, Überfälle von kriminellen Banden bis hin zu Folterungen, Entführungen und Mord sind an der Tagesordnung.  Wir klären potenzielle Migrant*innen über ihre Rechte auf, zeigen Gefahren auf und sensibilisieren für eine aufgeklärte Flucht. Zudem informieren wir über mögliche Migrationsrouten und setzen uns, gemeinsam mit unseren Partnern, für die Rechte von Migrantinnen und Migranten ein.

Inwiefern sind unsere lokalen Partnerorganisationen gerade aktiv?

Unsere Partnerorganisation IMUMI erarbeitete ein Statement an die Regierungen von El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko und den Vereinigten Staaten, das von mehr als 200 zivilgesellschaftlichen Organisationen unterzeichnet wurde. Darin appellieren sie an die Pflicht der Regierungen, geltende Menschenrechte im Umgang mit den Migrant*innen zu wahren. Zudem bereiten sich unsere Partnerorganisationen auf die Ankunft der verbliebenen Migrant*innen vor, verteilen Nahrung und bieten eine medizinische Grundversorgung an – sie führen also ihre tägliche Arbeit fort, die aktuell wichtiger denn je ist.

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