24. Juli 2019

Zurück im Mittelmeer: Ein neues Schiff für die Seenotrettung

Nach einer monatelangen Zwangspause kehrt unsere langjährige Partnerorganisation SOS MEDITERRANEE mit dem neuen Rettungsschiff „Ocean Viking“ zurück auf das Mittelmeer. Die Situation dort ist dringlicher denn je: Täglich sterben mindestens sechs Menschen auf der Flucht im Mittelmeer.

Das neue Rettungsschiff "Ocean Viking" ist auf dem Weg ins Mittelmeer. (Foto: Anthony Jean/SOS MEDITERRANEE)Das neue Rettungsschiff "Ocean Viking" ist auf dem Weg ins Mittelmeer. (Foto: Anthony Jean/SOS MEDITERRANEE)

Das zentrale Mittelmeer gehört zu den tödlichsten Fluchtrouten der Welt: Auch wenn die Anzahl der Flüchtenden über das Mittelmeer seit Jahren sinkt: Mit einem Tod pro 11 Ankünften hat die Todesrate im Jahr 2019 einen traurigen Höhepunkt erreicht. 426 Menschen sind in diesem Jahr bereits ums Leben gekommen, die Dunkelziffer ist vermutlich höher.

Die Diskussionen um die zivile Seenotrettung haben sich seit 2018 verschärft: Humanitäre Helfer*innen wurden diffamiert und kriminalisiert, Rettungsschiffe zahlreicher zivilgesellschaftlicher Organisationen wurden durch Behörden festgesetzt oder beschlagnahmt. So musste auch der Einsatz des Rettungsschiffes Aquarius im Dezember 2018 beendet werden. Seit 2016 war die Aquarius unterwegs und hat bis zum Zeitpunkt der Festsetzung 29.523 Menschen auf dem Mittelmeer gerettet.

Nach der monatelangen Zwangspause gehen die Rettungseinsätze von SOS MEDITERRANEE mit einem neuen Schiff weiter: Die „Ocean Viking“  fährt unter norwegischer Flagge und ist robuster, schneller und jünger als die Aquarius. Für den Einsatz auf dem Mittelmeer wurde das Schiff eigenhändig umgebaut und angepasst. Mehrere Notunterkünfte für Gerettete und eine Klinik wurden eingebaut, zusätzlich wurde Stauraum für die Rettungsausrüstung und Vorräte geschaffen.

„In den vergangenen sieben Monaten haben wir aktiv nach einem geeigneten Schiff gesucht, welches den Anforderungen und Standards unserer Operationen entspricht. Die Ocean Viking stellte sich als die beste Wahl dar. Sie ist ein Rettungsschiff und hat nach Einschätzungen von SOS MEDITERRANEE und Ärzte ohne Grenzen, ausreichende Kapazitäten, um alle notwendigen Elemente unterzubringen, um Menschen in Seenot auf dem Mittelmeer zu retten, zu schützen und zu versorgen”, sagt Frédéric Penard, Einsatzleiter von SOS MEDITERRANEE in Frankreich. Im Moment ist das Schiff in Richtung Mittelmeer unterwegs, wo es mit einer 31-köpfigen Crew im Einsatz sein wird.

„Wir unterstützen die Rettungseinsätze von SOS MEDITERRANEE bereits seit 2016. Auch in den vergangenen Monaten, in denen das Team ein neues Schiff gesucht hat, standen wir an der Seite von SOS MEDITERRANEE und haben uns gemeinsam für die Einhaltung des Seerechts stark gemacht“, sagt Ingrid Lebherz, Geschäftsführerin von AWO International. „Wir sind froh, dass die Rettungseinsätze mit dem neuen Schiff nun weitergehen, denn sie sind dringender denn je“, so Lebherz.

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