05. Juni 2019

„Unser Ziel ist es, Frauen und Kinder zu stärken“

Zwei Hände, die eine Frau und ein Kind umschließen. Das Logo von UCOBAC symbolisiert das, wofür unsere neue Partnerorganisation in Uganda steht: UCOBAC kümmert sich um Frauen und Kinder in Uganda und stärkt sie. Ein Gespräch mit der Programmkoordinatorin Loretta Owino über unser neues Projekt im Norden des Landes.

„Wichtig dabei ist es uns, die Widerstandsfähigkeit der Gemeinden bezüglich des Klimawandels zu stärken und zum Schutz der Umwelt beizutragen“, sagt Loretta Owino.„Wichtig dabei ist es uns, die Widerstandsfähigkeit der Gemeinden bezüglich des Klimawandels zu stärken und zum Schutz der Umwelt beizutragen“, sagt Loretta Owino.

Loretta, bevor wir über unser neues Projekt sprechen: Wann und mit welchem Hintergrund wurde UCOBAC gegründet?

Wir haben uns 1990 gegründet und sind seit 1991 als nationale Nichtregierungsorganisation registriert. Infolge des Bürgerkriegs gab es zu dieser Zeit mehr als eine Million Waisen in Uganda. Zudem grassierten Krankheiten wie zum Beispiel HIV/AIDS. Traditionell kümmert sich der erweiterte Familienkreis um Waisen, aber in den besonders schwer betroffenen Regionen konnten die Familien die Not nicht auffangen. Auch die Regierung konnte nicht adäquat reagieren. Deswegen erschien uns damals eine gemeindebasierte Koordination und Unterstützung der Waisenkinder als die beste Lösung. Schnell wurde uns klar, welch große Herausforderung das wird und dass eine umfassende und nachhaltige Betreuung der Kinder nur mit der Hilfe und Unterstützung der Frauen möglich ist. Deshalb haben wir unser Programm neu ausgerichtet, mit dem Ziel, Frauen und Kinder zu stärken. Und das ist bis heute unser Motto.

Was sind die Schwerpunkte eurer Arbeit?

Wir fokussieren uns auf vier Themen: Wir unterstützen gefährdete Kinder wie zum Beispiel Waisenkinder auf verschiedenen Ebenen. Hier geht es um Ernährungssicherheit, Schutz, Bildung und Kinderrechte. Dann spielt der Bereich Gesundheit eine große Rolle: Hier geht es uns um die Verbesserung und Ausweitung von Gesundheitsleistungen für besonders gefährdete Menschen. Das sind beispielsweise Maßnahmen im Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene, Unterstützungsleistungen bei HIV/AIDS und Aufklärung im Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit. Ein wichtiger Schwerpunkt ist unser Einsatz für die Menschenrechte: Dabei geht es uns insbesondere um den Schutz von gefährdeten Frauen und Kindern. Als vierten Punkt möchte ich die Anpassung an den Klimawandel nennen: Hierbei geht es uns darum, die Resilienz der Gemeinden zu stärken, damit sie bei extremen Wetterereignissen besser vorbereitet sind und reagieren können.

Seit Januar 2019 läuft unser gemeinsames Projekt. Worum geht es und wo wird es durchgeführt?

Mit dem Projekt wollen wir vor allem die Ernährungssituation und die Lebensbedingungen sowohl von geflüchteten Menschen als auch der aufnehmenden Gastgemeinden im Lamwo-Distrikt verbessern. Und hier wiederum liegt unser Fokus auf Frauen. Um die Situation dort besser zu verstehen, muss ich ein wenig ausholen. Die Infrastruktur in Lamwo wurde während des 20 Jahre andauernden Bürgerkrieges zwischen der Lord's Resistance Army und der UPDF nahezu komplett zerstört.

Mit dem Ende des Krieges 2006 kamen die Menschen wieder zurück in die Dörfer. Häuser und Felder aber waren zerstört. Beim Wiederaufbau wurde nicht auf die Umwelt geachtet, sodass es zu einer massiven Abholzung und Entwaldung kam. Das hat dazu geführt, dass sich die Umwelt und die Klimaverhältnisse in Lamwo massiv verschlechtert haben. Deswegen werden wir auch auf die Auswirkungen des Klimawandels eingehen und möchten durch innovative Landwirtschaft dazu beitragen, die Widerstandsfähigkeit zu verbessern.

Ein weiterer wichtiger Punkt, der auch für unser Projekt eine Rolle spielt, ist die Aufnahme von Geflüchteten aus den Nachbarländern. Das führte in Lamwo zu einem Bevölkerungswachstum. In einer Region mit knappen Ressourcen birgt das natürlich ein enormes Konfliktpotenzial und macht die Ernährungssituation noch schwieriger, als sie eh schon ist. Deswegen richtet sich das Projekt explizit sowohl an Geflüchtete als auch an die Gastgemeinden.

Du hast es gerade schon gesagt: Uganda hat in den letzten Jahren viele Flüchtende aus dem Südsudan und dem Kongo aufgenommen. Wie ist die Situation und wie reagiert die Bevölkerung?

Die ugandische Bevölkerung und auch die Regierung sind grundsätzlich sehr gastfreundlich, wenn es um die Aufnahme von Geflüchteten aus verschiedenen Ländern geht. Die Akzeptanz in den Gemeinden ist hoch, aber es gibt auch einige Konflikte. Wie gesagt sind die Ressourcen in der Region äußerst knapp, sodass das Konfliktpotenzial recht hoch ist. Deswegen ist es wichtig, Projektmaßnahmen sowohl an die Aufnahmegemeinden als auch an die Geflüchteten zu richten. Und genau das machen wir mit unserem Projekt.

Was soll mit dem Projekt erreicht werden?

Wir wollen mit unserem Projekt dazu beitragen, die Ernährung in den Gemeinden zu sichern und die Lebensbedingungen der Geflüchteten und der Aufnahmegemeinden zu verbessern. Wichtig dabei ist es uns, die Widerstandsfähigkeit der Gemeinen bezüglich des Klimawandels zu stärken und zum Schutz der Umwelt beizutragen. Neben Klima und Ernährung spielt auch der Bereich sexuelle und reproduktive Gesundheit eine Rolle. Zudem bekämpfen wir mit Aufklärungskampagnen jegliche Art sexueller und geschlechterbasierter Gewalt.

Wie viele Menschen werden erreicht?

Wir richten uns insbesondere an 200 Personen direkt, mit dem Ziel, die Hilfsstrukturen aufzubauen. Insgesamt erreichen wir dann 1800 Menschen. Damit wir messen können, was durch das Projekt erreicht wurde, haben wir vor Beginn eine Baseline-Studie durchgeführt, um den Ist-Zustand zu beschreiben. Nach Abschluss des Projekts können wir dann die Veränderungen und Ergebnisse ermitteln. Auch in der Umsetzungsphase überprüfen wir regelmäßig, ob die Aktivitäten wie geplant vorangehen.

Vielen Dank für das Gespräch!

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