29. April 2019

Noch freie Plätze: Fortbildungen von AWO International

Unser entwicklungspolitisches Bildungsangebot gibt Impulse für ein werteorientiertes, nachhaltiges Handeln. In diesem Jahr bieten wir Fortbildungen zur Mobilisierung für die Agenda 2030 und zu Globalem Lernen in der Freien Wohlfahrtspflege an und freuen uns über Ihre Anmeldung.

Die Agenda 2030 und ihre 17 globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung geben der Welt die Richtung für nachhaltige Entwicklung vor. Gemeinsam wollen wir erkunden, wie die freie Wohlfahrtspflege zu deren Umsetzung beitragen kann und das Vorhaben eine Chance zur Mobilisierung von haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeiter*innen ist. Unser Ratgeber "Gerecht Aktiv" bildet dafür die Grundlage.

Gerecht aktiv: Mobilisierung für die Agenda 2030 in der Freien Wohlfahrtspflege

Termin: 31. Juli – 2. August 2019
Ort: Umweltbildungsstätte Oberelsbach

Wir setzen uns dafür ein, dass mehr Menschen ungerechte globale Verhältnisse erkennen, begreifen und die Zusammenhänge an andere vermitteln. Viele haupt- und ehrenamtliche AWO-Aktive teilen die Idee des "fairen Wohlstandes" für alle: Engagement und Aktion in sozialer Sache ist in der AWO tief verwurzelt. Gemeinsam können wir Aufmerksamkeit auf ungerechte globale Verhältnisse lenken, um uns "grenzenlos" solidarisch zu zeigen und weitere interessierte Ehrenamtliche zu aktivieren und zu motivieren. Dadurch können wir Verantwortung für die versteckten sozialen und ökologischen Kosten unseres Handelns übernehmen und zusammen kleine und große Veränderungen anstoßen.

Diese Fortbildung basiert auf unserem Aktionsleitfaden "Gerecht Aktiv", der AWO-Ehrenamtliche dabei unterstützt, auf globale Ungerechtigkeiten hinzuweisen und für eine solidarische Entwicklung der Weltgeschicke in den kommenden Jahrzehnten einzutreten. Wir erfahren praktische Infos und Tipps, die es Aktiven in AWO-Gruppen und -Einrichtungen erleichtern, zum Beispiel anlässlich der Fairen Woche im September eines jeden Jahres verschiedene Aktionen zu globalen Themen vor Ort vorzubereiten und umzusetzen. Dabei spielen Allianzen mit anderen progressiven Organisationen vor Ort eine wichtige Rolle.

Mittwoch, 31. Juli

  • Beginn: 14 Uhr – Ankommen und Kennenlernen
  • Impuls: Die globale Nachhaltigkeitsagenda
  • Welche Bedeutung entwickeln die globalen Ziele für nachhaltige Entwicklung für die freie Wohlfahrtspflege?
  • Reflexion: Unser Handlungsspielraum für Aktivierung und Mobilisierung
  • Impuls: Die Faire Woche 2019

Donnerstag, 1. August

  • Impuls: Ratgeber „Gerecht Aktiv- Ein Leitfaden, um ungerechte globale Verhältnisse bekannter zu machen“
  • Reflexion der Aktionsideen und Einordnung in die Kontexte der unterschiedlichen Organisationen
  • Impuls: 100 Jahre AWO – Impulse für entwicklungspolitische Bildungsarbeit in unserem verband
  • Reflexion der Aktionsideen und Einordnung in die Kontexte der unterschiedlichen Organisationen

Freitag, 2. August

  • Entwicklung von Aktions- und Mobilisierungsideen
  • Evaluation und Abschluss – Ende: 14 Uhr

Globales Lernen in der Freien Wohlfahrtspflege

Termin: 27. – 30. September 2019
Ort: Umweltbildungsstätte Oberelsbach

Bildung für nachhaltige Entwicklung und Global Citizenship Education bilden eine Klammer für Globales Lernen, das sich als pädagogische Antwort auf Globalisierungsprozesse versteht. Dabei wird versucht, vom Kategoriendenken (Erste Welt, Zweite Welt, Dritte Welt) wegzukommen und im Blick auf die ge-samte Welt zu denken und zu handeln. Eine wichtige Rolle spielt die Frage nach Verwirklichung von Menschenrechten, globaler Gerechtigkeit und nach den Bedingungen für eine friedliche Welt (Friedenserziehung).

Diese Fortbildung ist ein Einstieg für Pädagog*innen in der freien Wohlfahrtspflege, die globale Themen stärker in ihre eigenen Bildungsangebote einflechten möchten. Unser frisch aktualisiertes, entwicklungspolitisches Bildungsmaterial bildet hierfür die Grundlage: Unsere Methodenboxen „Saubere Kleidung?“, „Es ist genug für alle da“ und „Duschgel, Make-Up, Regenwald?“ beinhalten Materialien, Methoden und Hintergrundinformationen für jeden Lerntyp. Die Methoden sind auf Workshop- und Seminarphasen in der non-formalen Bildungsarbeit  zugeschnitten und gleichermaßen für jugendliche und erwachsene Zielgruppen geeignet. Sie erleichtern den Einstieg in das Thema, die Vermittlung und Vertiefung von Wissen, Reflexion und Sensibilisierung sowie Aktivierung der Teilnehmenden:

Wir probieren einige Methoden aus und evaluieren gemeinsam, wie wir diese in unsere Bildungsangebote einbauen können.

Freitag, 27. September 

Beginn: 14 Uhr, Ankommen und Kennenlernen

Workshop nach Interessenslage in Absprache mit angemeldeten Teilnehmen-den aus dem BNE-Workshopangebot der Umweltbildungsstätte Oberelsbach

Abends: Willkommen- Einstieg in Globales Lernen

Samstag, 28. September

Workshop: The House Modernity built - Gesturing Towards Decolonial Futures
Gast: René Susa, Decolonial Futures Collective

In englischer Sprache mit deutscher und spanischer Sprachmittlung

"Gesturing towards decolonial futures" ist ein internationales Kollektiv von wissenschaftlich, künstlerisch, pädagogisch Tätigen und Aktivist*innen, die sich an künstlerischen, pädagogischen und visuellen Mapping-Experimenten im Bildungsbereich beteiligen. Die Arbeit des Kollektivs bringt Anliegen im Zusammenhang mit Rassismus, Kolonialismus, Nichtnachhaltigkeit, Klimawandel, wirtschaftlicher Instabilität, psychischen Gesundheitskrisen und der Intensivierung sozialer und ökologischer Gewalt zusammen. Sie setzt sich dafür ein, gesündere Möglichkeiten der (Ko)-Existenz zu erforschen und zu ermöglichen, die in unseren dominanten kognitiven und affektiven Bezugsrahmen umsetzbar, aber derzeit undenkbar/unvorstellbar sind.

Rene Suša ist Mitglied des Kollektivs und Post-Doc-Stipendiat für Bildungswissenschaften an der University of British Columbia, Kanada. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Verwendung von sozialer Kartographie (visuelle Mappings), die uns dabei helfen können, einige der gemeinsamen unbewussten Annahmen, Wünsche und Projektionen sichtbar zu machen, die unsere kognitiven und affektiven Rahmenbedingungen leiten. Seit mehr als 12 Jahren ist er in den Bereichen globale (Bürger-)Bildung (Global Citizenship Education) und Entwicklungszusammenarbeit als Praktiker und Forscher tätig.

Der Workshop bietet eine Mischung aus intellektueller, affektiver und verkörperter Arbeit, die die Teilnehmer mit den Komplexitäten und Herausforderungen der globalen Bürgerschaftsbildung/Global Citizenship Education und entwicklungspolitischer Bildungsarbeit vertraut macht, insbesondere mit den vielen "verflixten" globalen Herausforderungen (Probleme ohne einfache Lösungen), die beide Bildungsbereiche durchdringen. Die dekoloniale Perspektive des Kollektivs, die im Workshop vorgestellt wird, ist von indigenen Analysen und Praktiken geprägt und inspiriert, die bestätigen, dass unsere aktuellen globalen Probleme nicht mit einem Mangel an Wissen, sondern mit einer inhärenten gewalttätigen modernen/kolonialen Gewohnheit des Seins zusammenhängen. Drei Formen der Nichtanerkennung treiben diese Gewohnheit des Seins voran:

  • Nichtanerkennung systemischer Gewalt und Mitschuld am Schaden (die Tatsache, dass unsere Annehmlichkeiten, Sicherheiten und Freuden durch Enteignung und Ausbeutung woanders subventioniert werden);
  • Nichtanerkennung der Grenzen des Planeten (die Tatsache, dass der Planet kein kontinuierliches exponentielles Wachstum und Konsum aufrecht erhalten kann), und
  • Nichtanerkennung der Verstrickung (die Tatsache, dass wir darauf bestehen, uns selbst als voneinander und vom Land getrennt zu sehen, anstatt uns in einen lebenden, breiteren Stoffwechsel zu "verstricken", der biointelligent ist).

Der Workshop stellt mehrere pädagogische Werkzeuge vor, die die Menschen einladen, "tiefer zu graben" (Punkte in ihren Analysen des Gesamtbildes zu verbinden) und diese "weiter in Beziehung zu setzen" (ihre Fähigkeit zur verantwortungsbewusstem Handeln zu erweitern). Mit anderen Worten: Lebensweisen zu entwickeln, die sich mit systemischer Gewalt, unseren Verstrickungen und Mitschuld an Schäden und den Grenzen des Planeten beschäftigen und diese nicht leugnen. Die vorgestellten pädagogischen Werkzeuge können uns dabei helfen, uns sowohl intellektuell als auch affektiv mit Nichtanerkennung und unbequemen Fragen auseinanderzusetzen, und zwar auf eine Art und Weise, die nicht versucht, (wieder) vereinfachte Lösungen zu generieren, sondern uns einlädt, unsere phantasievollen und sensorischen Fähigkeiten zum (produktiven) Sitzen mit der Schwierigkeit des kollektiven Chaos, in dem wir uns befinden, zu erweitern.

Mehr über die Arbeit des Kollektivs sowie alle Kartografien (visuelle Abbildungen), die im Workshop verwendet werden, finden Sie unter: www.decolonialfutures.net. Dieser Workshop findet gemeinsam mit 14 Teilnehmenden am AWO-Fachkräfteaustausch zwischen Mittelamerika, Mexiko und Deutschland statt. Wir freuen uns, dass sich so Perspektiven auf Bildung für nachhaltige Entwicklung und Globales Lernen aus dem Globalen Süden und Globalen Norden begegnen und gemeinsam Ideen für transformative Bildung mit globalem Bezug entwickelt werden können.

Sonntag, 29. September

Die Methoden-Reader „Globales Lernen in der Freien Wohlfahrtspflege“ und „Neue Perspektiven auf Flucht & Migration“ von AWO International stellen Methoden und Materialien vor, die es Bildungsschaffenden in der Freien Wohlfahrtspflege erleichtern, eigenständig Workshops zu globalen Themen anzubieten und werden von begleitenden Methodenboxen ergänzt. Heute besteht die Gelegenheit, einige Methoden kennen zu lernen und bereits auszuprobieren. Welche, legen wir gemeinsam fest:

  • „Saubere Kleidung?“ deckt versteckte soziale und ökologische Kosten unserer billigen Kleidung auf: Während wir von einem stetig größeren Angebot immer billigerer Kleidung profitieren, wird anderswo auf der Welt ein hoher Preis bezahlt. Welche Folgen diese Billigpreispolitik für die Arbeiterinnen und Arbeiter und die Umwelt in den Produktions-ländern hat, schauen wir uns in diesem Workshop genauer an.
  • „Es ist genug für alle da“ ermöglicht einen regionalen und globalen Blick über den Tellerrand. Der Schwerpunkt liegt auf den Themenbereichen Lebensmittelverschwendung, Ernährungsgerechtigkeit und Landnutzung sowie Welthandel und fairer Handel. Dabei richtet sich der Blick nicht nur auf den eigenen Konsum, sondern auch auf unge-rechte globale Landnutzungs- und Handelsstrukturen.
  • „Duschgel, Make-Up, Regenwald?“ stellt unsere Kosmetik- und Körperpflegeprodukte auf den globalen Prüfstand. Er untersucht die Frage, warum auch diese Produkte globale Auswirkungen auf Mensch und Natur haben und klärt über die Verwendung von Palmfettprodukten auf. Die Teilnehmenden denken über Macht-Interessen nach und hinterfragen ihren persönlichen Konsum.
  • Neue Perspektiven auf Flucht und Migration: Unser neuer Methoden-Reader bietet Methoden an, um in non-formalen Bildungsbereichen mit unterschiedlichen Zielgruppen das Thema aus post-kolonialer, anti-rassistischer und vielfalts-orientierter Perspektive zu beleuchten.

Montag, 30. September

Analyse: Wie können wir die Methoden einsetzen

Ende: 14 Uhr

Sie können sich für beide Veranstaltungen per E-Mail an pia.wolfframawointernationalde anmelden. Haben Sie weitere Fragen zu den Terminen und unserem Bildungsangebot?

Kontakt:

Roman Fleißner
roman.fleissnerawointernationalde

030 25292 364

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