08. März 2018

Weltfrauentag in Guatemala: Solidarität mit den Opfern des Kinderheimes Virgen de la Asunción

Vor einem Jahr ereignete sich eine der schwersten Tragödien in der guatemaltekischen Geschichte: 41 Mädchen starben bei einem Brand eines Kinderheims. Unsere Kolleginnen und unsere Partnerorganisationen werden bei einem Protestmarsch teilnehmen, um den verstorbenen und überlebenden Mädchen zu gedenken.

365 Tage ist es nun her: Am 8. März 2017 starben 41 Mädchen im Alter von 14 bis 17 Jahren bei einem Brand im Kinder- und Jugendheim Virgen de la Asunción in der Nähe von Guatemala-Stadt. 15 Mädchen und Jugendliche überlebten das Feuer, trugen jedoch schwere Verbrennungen und schwerwiegende psychische Folgeschäden davon.

Einen Tag zuvor waren sie aus dem Heim geflüchtet, sie sprachen von miserablen Zuständen im Heim, es wurden sogar Vorwürfe wegen Misshandlungen, sexuellem Missbrauch und Menschenhandel laut. 56 der geflüchteten Mädchen und Jugendlichen wurden von der Polizei eingefangen, ins Kinderheim zurückgebracht und in einen kleinen Raum gesperrt, wo sie unter Verschluss gehalten wurden, kein Essen und Trinken erhielten und keinen Zugang zu sanitären Einrichtungen hatten. Voller Verzweiflung setzte am Morgen des 8. März 2017 eines der Mädchen eine Matratze in Brand, um den Toilettengang zu erzwingen. Das Feuer breitete sich in dem kleinen Raum schnell aus. Der Heimleiter, die Mitarbeiter*innen des Heimes und die Polizist*innen öffneten die Türen jedoch nicht und ließen die Mädchen verbrennen.

Es handelte sich um Mädchen und Jugendliche, die bereits zuvor Opfer der gesellschaftlichen Missstände geworden waren. Sie sollten aufgrund richterlichen Beschlusses im Heim Schutz vor der Armuts- und Gewaltsituation in Guatemala finden. Doch im Heim fanden die Mädchen keine Ruhe, sondern wurden erneut mit Gewalt konfrontiert. Sie waren psychologischer, physischer und sexueller Gewalt ausgesetzt und für viele von ihnen endete der Aufenthalt im Heim mit dem Tod.

Die Verantwortlichen des Verbrechens sind angeklagt worden, doch bis heute ist kein richterliches Urteil gefällt. Jedoch allein die Anklagen, welche von Korruption, Übergriffen, Vernachlässigung bis zu organisiertem Verbrechen reichen, sowie der Verdacht, dass der guatemaltekische Präsident selbst die Anweisung erteilt hat, die Mädchen einzusperren, zeigen auf, dass der guatemaltekische Staat versagt hat und nicht in der Lage war und ist, die Mädchen und Jugendlichen vor der Gewalt im Land zu schützen.

AWO International beteiligt sich am Protestmarsch

Anlässlich des ersten Gedenktages dieses grausamen Verbrechens und im Rahmen des Weltfrauentages rufen die guatemaltekischen Frauenrechtsorganisationen dazu auf, sich am globalen Protest (International Women’s Strike) zu beteiligen und den verstorbenen und überlebenenden Mädchen des Kinder- und Jugendheimes zu gedenken. Auch das Regionalbüro von AWO International beteiligt sich an der internationalen Bewegung und legt seine Arbeit am 8. März nieder, um gemeinsam an der Seite von Frauen auf die Straße zu gehen und sich für die Rechte der Mädchen und Jugendlichen stark zu machen.

„Wir solidarisieren uns mit den Opfern und Familienangehörigen des Kinder- und Jugendheimes Virgen de la Asunción und wollen durch unseren Protest den guatemaltekischen Staat wachrütteln“, sagt Karin Eder, Büroleiterin von AWO International in Guatemala. „Es darf nicht passieren, dass das Verbrechen in Vergessenheit gerät und so die Gefahr besteht, dass sich eine solche Tragödie wiederholt. Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, in einem gewaltfreien Raum aufzuwachsen.“ Zudem fordert das Regionalbüro, dass die Verantwortlichen des Verbrechens nicht straflos davon kommen. Der guatemaltekische Rechtsstaat muss für Gerechtigkeit sorgen und gegen die Verantwortlichen einen fairen Prozess führen, um so die Wahrheit ans Licht zu bringen und die Überlebenden und Familienangehörigen angemessen zu entschädigen.

Gemeinsam mit anderen guatemaltekischen Organisationen, die ihre Expertise im Bereich der Kinder- und Jugendrechte haben, setzt sich auch der Projektpartner SODEJU/ FUNDAJU für die Rechte der Mädchen und Jugendlichen des Kinderheimes Virgen de la Asunción ein und fordert die guatemaltekische Regierung mit dem Hashtag #RestituciónDNNAya auf, die überlebenden Mädchen des Kinder- und Jugendheimes zu schützen.

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