20. Juni 2018

Weltflüchtlingstag: Flucht vor Gewalt und Verfolgung in Zentralamerika

68,5 Millionen Menschen weltweit sind auf der Flucht. Der heutige Weltflüchtlingstag gedenkt den Menschen, die ihre Heimat aufgrund von Gewalt, Verfolgung und Menschenrechtsverletzungen verlassen müssen. In Zentralamerika und Mexiko unterstützen wir Geflüchtete in einer Migrationsherberge.

Die Migrationsherberge „La Sagrada Familia“ ist unmittelbar an den Schienen des Güterzuges „La Bestía“ gelegen, mit welchem sich täglich hunderte Migrant*innen auf den gefährlichen Weg in die USA begeben. (Foto: AWO International)Die Migrationsherberge „La Sagrada Familia“ ist unmittelbar an den Schienen des Güterzuges „La Bestía“ gelegen, mit welchem sich täglich hunderte Migrant*innen auf den gefährlichen Weg in die USA begeben. (Foto: AWO International)

Die aktuellen Zahlen des Flüchtlingshilfswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR) zeichnen ein trauriges Bild: 68,5 Millionen Menschen waren 2017 auf der Flucht, so viele Menschen wie noch nie zuvor. Täglich kommt es auf der Welt zu mehr als 44.000 Zwangsvertreibungen. Krieg, Gewalt und Verfolgung zählen dem UNHCR zufolge zu den Hauptursachen.

2017 wurden weltweit 1,7 Millionen Asylanträge gestellt, die meisten davon in den USA (331.700). Damit hat sich die Anzahl der Asylanträge, die in den USA eingegangen sind im Vergleich zum Jahr 2015 verdoppelt (Stand 2015: 172.700). Die Mehrheit der Asylsuchenden in den USA kommt aus El Salvador (49.500 Anträge), dicht gefolgt von Guatemala (35.300 Anträge) und Honduras (35.300).

„La Sagrada Familia“ – Eine sichere Unterkunft für Menschen, die fliehen

Im Norddreieck Zentralamerikas (Guatemala, El Salvador, Honduras) ist die Gewaltsituation alarmierend. San Salvador, die Hauptstadt El Salvadors, gehört zu den zehn gefährlichsten Städten der Welt mit 83,39 Todesfällen pro 100.000 Einwohner*innen. In Guatemala sind in den vergangenen neun Jahren offiziellen Angaben zufolge 7.273 Frauen umgebracht worden, im Durchschnitt sterben 15 Frauen pro Woche einen gewaltvollen Tod. Eine Studie der staatlichen Universität von Honduras belegt, dass die Gewalt in dem mittelamerikanischen Land die dritthäufigste Ursache für Behinderungen bei Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 63 Jahren ist. Zahlen wie diese, machen deutlich, dass für viele Zentralamerikaner*innen der Alltag von der Angst überschattet wird. Und so entscheiden sich Tausende von ihnen jährlich zu einer Flucht nach Mexiko oder in die USA.

„Sie haben gesagt, wenn ich nicht von hier verschwinde, werden sie mich umbringen. Also bin ich geflüchtet“, berichtet ein Migrant aus El Salvador, welcher unbekannt bleiben möchte. Auf der Migrationsroute hat er Unterschlupf in der Migrationsherberge „La Sagrada Familia“ im Gemeindebezirk Apizaco in Zentralmexiko gefunden. Die Herberge ist unmittelbar an den Schienen des Güterzuges „La Bestía“ gelegen, mit welchem sich täglich hunderte Migrant*innen auf den gefährlichen Weg vom Süden Mexikos an die US-amerikanische Grenze begeben. „Die Fahrt auf dem Zug ist sehr gefährlich. Zweimal haben sich unter die Migrant*innen Mitglieder aus kriminellen Banden geschlichen und uns überfallen. Wenn du nichts dabei hast, dann sind sie eiskalt und werfen dich vom Zug“, erzählt ein honduranischer Migrant.

In der Unterkunft haben die ankommenden Migrant*innen die Möglichkeit, sich zu waschen und auszuruhen, zudem erhalten sie warme Mahlzeiten. Viele von ihnen erkranken auf der Migrationsroute – manche leiden an einer Magenverstimmung, andere haben schwere Verletzungen beim Auf- oder Abspringen vom Zug „La Bestía“ erlitten. So auch der Migrant aus Honduras. Beim Aufsteigen auf den Zug ist er umgeknickt, seitdem hat er Schwierigkeiten beim Laufen. Ein großer Nachteil, da viele aufgrund von Geldknappheit einen Großteil der Strecke zu Fuß hinter sich bringen müssen. Während seines 48-stündigen Aufenthaltes in „La Sagrada Familia“ erhält er medizinische Versorgung.

Mit finanzieller Unterstützung von AWO International wird derzeit ein Bauvorhaben in der Migrationsherberge umgesetzt, um sie sicherer zu gestalten. Die Schlafräume und die Küche werden kernsaniert, dadurch soll sichergestellt werden, dass die Migrant*innen vor Regen, Kälte und Erdbeben geschützt sind.

Mehr als 14.500 gestellte Asylanträge in Mexiko

Aufgrund der zunehmend restriktiven Migrationspolitik ausgehend von der US-amerikanischen Politik unter dem derzeitigen Präsidenten Donald Trump entscheiden sich immer mehr Migrant*innen ihren Asylantrag in Mexiko zu stellen. 2017 wurden insgesamt 14.589 in Mexiko gestellte Asylanträge dokumentiert, im Vorjahr waren es noch etwa 8.800. Daher betreut die Migrationsherberge „La Sagrada Familia“ die Migrant*innen in Zusammenarbeit mit Anwaltskanzleien, welche auf Asylrecht spezialisiert sind, bei ihrem Asylverfahren.

Jedoch führt Mexiko gleichzeitig auch zahlreiche Abschiebungen, insbesondere von zentralamerikanischen Migrant*innen, durch. Allein im Januar 2018 wurden 5.688 Zentralamerikaner*innen in ihre Herkunftsländer abgeschoben. Die Hilfsorganisation Amnesty International bezeichnet dieses Vorgehen als illegal, da in vielen Fällen ignoriert wird, dass den Flüchtlingen in ihren Herkunftsländern oftmals Verfolgungen von kriminellen Banden oder andere Gewalttaten drohen. Und so stellt die Flucht, wenn sie in einer Abschiebung mündet, für viele am Ende doch keinen Ausweg aus der Gewalt dar, da eine Rückkehr in die Herkunftsgemeinde nicht selten für sie der Tod bedeutet.

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