06. Juni 2018

Vier einfache Schritte zu einem nachhaltigeren Konsum

Wo kaufen Sie ein? Kaufen Sie nur das, was Sie auch wirklich brauchen? Kaufen Sie spontan oder gezielt ein? Achten Sie auf die Produktionsbedingungen der Waren, die Sie kaufen? Wir laden Sie dazu ein, während der AWO-Aktionswoche über die globalen Auswirkungen unseres Konsumverhaltens nachzudenken!

Wir konsumieren und verbrauchen weit mehr, als wir für unsere existenziellen Bedürfnisse benötigen. Werbung und soziale Normen sagen uns, was wir „dringend“ kaufen und essen müssen. Dabei landen in Deutschland knapp die Hälfte unseres Essens und 1,5 Millionen Tonnen Kleidung pro Jahr im Müll. Wir bezahlen für ein Produkt zwar nur eine gewisse Summe Geld, verursachen dadurch aber versteckte soziale und ökologische Kosten: Bei der Produktion von Lebensmitteln und Konsumgütern in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern werden Arbeits- und Menschenrechte verletzt. Sich bewusst zu machen, wie und was man wo einkauft, ist der erste Schritt, um unsere Einkäufe nachhaltiger zu gestalten. So können wir Einfluss darauf nehmen, wie und mit welchen Folgen für Mensch und Umwelt bestimmte Produkte hergestellt und wie viele Ressourcen dafür verbraucht werden – denn beim Schutz des Klimas, der natürlichen Ressourcen und der Menschenrechte zählt jeder Mensch und jeder Einkauf.

Besser einkaufen ist ganz einfach - so gelingt der Start

Nachhaltig konsumieren ist viel einfacher, als es den Anschein hat, und damit anfangen kann man jederzeit. Vier ganz einfache Tipps für den Kickstart:

  • Bedachter shoppen: Informieren Sie sich über die Folgen der globalen Textilherstellung. Sie können darüber nachdenken, welche und wie viele Kleidung Sie einkaufen und ob Sie wirklich alle brauchen. Organisieren Sie z.B. in der AWO-Aktionswoche eine Second-Hand-Kleidertauschparty mit Ihrer Familie, im Kiez, mit Freund*innen oder im Umfeld der AWO.
  • Klimafreundlich einkaufen: Starten Sie während der AWO-Aktionswoche mit Ihrem klimafreundlichen Einkauf! Klimafreundlicher einkaufen heißt nicht nur, saisonal, Bio und regional zu bevorzugen, sondern auch, seltener Fleisch zu essen. Außerdem können Sie auf frische Ware mit wenig Verpackung achten. Frisches Obst und Gemüse verursachen viel weniger CO² als tiefgekühlte Waren oder Konserven. Fertigprodukte vermeiden Sie am besten ganz, da bei ihnen jeder Arbeitsschritt zusätzlich CO² verursacht.
  • Fair einkaufen: Wie wäre es mit fair gehandeltem Kaffee und Tee am Arbeitsplatz bzw. in der FSJ- oder BFD-Einsatzstelle während der Fairen Woche? Wer bei der AWO oder in einem Verein aktiv ist, hat beste Möglichkeiten, dort das Thema fairer Einkauf einzubringen. Wenn Sie eigene Veranstaltungen durchführen, eine  Wochenend- oder Ferienfahrt mit eurem Verein planen oder Versammlungen abhalten  –  bei all diesen Gelegenheiten können Sie während der AWO-Aktionswoche anregen, faire Produkte einzukaufen. Fair gehandelten Kaffee und Tee gibt es in unserem Shop.
  • Palmfett vermeiden: Laden Sie sich während der AWO-Aktionswoche die App „Codecheck“ auf ihrem Smartphone herunter und scannen Sie die Strichcodes der Produkte bei Ihrem nächsten Einkauf. Ist in den Produkten Palmfett enthalten? Wenn ja, überlegen Sie, ob Sie das Produkt wirklich benötigen oder evtl. durch eine palmfettfreie Alternative ersetzen können.

Was bringt das alles?

Wer auf diese Art versucht, bewusster einzukaufen, unterstützt aktiv die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele aus der "Agenda 2030". 2015 wurde die „Agenda 2030 für nachhaltige Entwicklung“ mit 17 globalen Zielen für nachhaltige Entwicklung von den 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UN) verabschiedet, darunter auch Deutschland. Mit Hilfe der Agenda will die Weltgemeinschaft die globalen Herausforderungen wie Armut, Hunger und Klimawandel bewältigen. Wir machen gemeinsam mit mehreren Partnerorganisationen in den kommenden Jahren auf die Agenda 2030 aufmerksam.

Bedachter shoppen

Noch nie war so viel Mode für so wenig Geld erhältlich wie heute. In Zeiten globaler Weltmärkte haben die Billigpreispolitik und unser Fast-Fashion-Konsum für die  Arbeiter*innen in den Produktionsländern allerdings gravierende Folgen: ausbeuterische Arbeitsbedingungen, Zwangs- und Kinderarbeit, gesundheitsgefährdende Tätigkeiten und einen Lohn, der kaum zum Überleben reicht. Für unsere Schnäppchen wird anderswo auf der Welt ein hoher Preis gezahlt. Wir ahnen zwar, dass T-Shirts, die wir für fünf Euro kaufen, kaum unter fairen und ökologisch nachhaltigen Bedingungen produziert worden sind.

Uns fehlen aber oft die Ideen, wie wir als Verbraucher*innen durch unser Konsumverhalten oder ein aktives Engagement dazu beitragen können, die Arbeits- und Lebensbedingungen der Textilarbeiter*innen in den Produktionsländern zu verbessern oder die erheblichen Umweltschäden, die die Herstellung von Kleidern verursacht, zu reduzieren. Deshalb: Informieren Sie sich über die Folgen der globalen Textilherstellung. Sie können darüber nachdenken, welche und wie viele Kleidung Sie einkaufen und ob Sie wirklich alle brauchen. Organisieren Sie in der AWO-Aktionswoche eine Second-Hand-Kleidertauschparty mit Ihrer Familie, Freund*innen oder im Umfeld der Arbeiterwohlfahrt.

Klimafreundlich einkaufen

Was und wie wir essen, trinken und einkaufen, hat Auswirkungen auf das Klima und die Umwelt. Jede*r in Deutschland verursacht allein aufgrund seiner oder ihrer Ernährung Treibhausgas-Emissionen von rund zwei Tonnen CO² pro Jahr. Auch unser hoher Fleischkonsum hat negative Folgen: Für die Fleischproduktion werden Nahrungsmittel, die auch Menschen direkt ernähren könnten, an Tiere verfüttert. 70 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche und 30 % der globalen Landfläche werden von der Tierhaltung beansprucht – als Weideland oder für Futtermittelanbau. Auch die Tiere selbst produzieren eine große Menge klimaschädlicher Treibhausgase wie Methan und tragen so zur globalen Klimaerwärmung bei.

Eine Ernährung mit regionalen, saisonalen und Bio- Produkten, weniger Fleisch und weniger Verschwendung - das ist gut für Klima, Umwelt und unsere Gesundheit. Das sind wichtige Schritte auf dem Weg zu einem nachhaltigen Warenkorb. Es lohnt sich, den eigenen Ernährungsstil einmal genauer zu untersuchen und zu überlegen:  Wie wahrscheinlich ist es, dass wir in 50 Jahren genauso gut und viel essen können, wenn wir so weitermachen wie bisher? Werden dabei auch wirklich alle Menschen auf der ganzen Welt satt? Starten Sie während der AWO-Aktionswoche mit Ihrem klimafreundlichen Einkauf! Klimafreundlicher Einkaufen heißt nicht nur, saisonal, Bio und regional zu bevorzugen, sondern auch seltener Fleisch zu essen. Außerdem sollten Sie auf frische Ware mit wenig Verpackung achten. Frisches Obst und Gemüse verursacht viel weniger CO² als tiefgekühlte Waren oder Konserven. Fertigprodukte vermeiden Sie am besten ganz, da bei ihnen jeder Arbeitsschritt zusätzlich CO² verursacht.

Fair einkaufen

Kaffee, Tee und viele Früchte, die wir konsumieren, haben häufig eine lange Reise hinter sich: Sie werden in Ländern des globalen Südens angebaut und bei uns oft günstig angeboten. Doch das hat seinen Preis: Viele Menschen in den Anbauländern arbeiten unter unwürdigen und ausbeuterischen Bedingungen und erhalten einen Lohn, der kaum zum Überleben reicht. Um dem entgegenzuwirken, hat sich 1973 in Europa eine Solidaritätsinitiative gegründet, aus der heute unter dem Namen Fairer Handel oder Fair Trade ein weltumspannendes Projekt geworden ist. Der Faire Handel trägt zur Armutsbekämpfung in Ländern des globalen Südens bei und sorgt für einen gerechteren Welthandel. Rund 800 Weltläden in Deutschland bieten ein breites Sortiment fair gehandelter Lebensmittel und Handwerksprodukte. Darüber hinaus leisten sie Informations-, Bildungs- und Kampagnenarbeit zum Fairen Handel. Faire Produkte gibt es außerdem bei den Marken anerkannter Fair-Handels-Importeuren wie gepa, dwp, El Puente, Banafair oder Globo Fair-Handels-Importeure sind Unternehmen, die ausschließlich im Fairen Handel aktiv sind und seinen Prinzipien folgen. Ihre Produkte finden Sie in Weltläden, aber auch in Bio- und Naturkostläden sowie in manchen Supermärkten.

Wie wirkt der Faire Handel?

  • Marktzugang für benachteiligte Kleinbäuer*innen
  • Erzeuger*innen erhalten gerechte und stabile Preise, die meist über dem Weltmarktpreis liegen
  • Langfristige und partnerschaftliche Handelsbeziehungen
  • Planungssicherheit durch die Vorfinanzierung der Ernte
  • Unfairer Zwischenhandel wird ausgeschlossen
  • Verbot ausbeuterischer Kinderarbeit
  • Die zusätzliche Fairtrade-Prämie als Investition in Bildung, in den Bau sozialer Einrichtungen oder die Verbesserung der Produktion
  • Höhere Preise für Bio-Produkte fördern umweltschonenden und nachhaltigen Anbau gefördert.

Wie wäre es mit fair gehandeltem Kaffee und Tee am Arbeitsplatz bzw. in der FSJ- oder BFD-Einsatzstelle während der Fairen Woche? Wer bei der AWO oder in einem Verein aktiv ist, hat beste Möglichkeiten, dort das Thema fairer Einkauf einzubringen. Wenn Sie eigene Veranstaltungen durchführen, eine  Wochenend- oder Ferienfahrt mit eurem Verein planen oder Versammlungen abhaltet –   bei all diesen Gelegenheiten können Sie während der AWO-Aktionswoche anregen, faire Produkte einzukaufen. Fair gehandelten Kaffee und Tee gibt es auch un unserem Shop.

Palmfett vermeiden

Schön problematisch: Während bei Lebensmitteln, Elektrogeräten und Kleidung nachhaltige Produktion und Bio-Qualität immer mehr in unser Bewusstsein rückt, sieht es bei einer Produktschiene ganz anders aus: bei unseren Kosmetik- und Körperpflegeprodukten. Viele dieser Produkte sowie Lebensmittel enthalten Inhaltsstoffe, die aus dem Fett der Ölpalme gewonnen werden. Diese wächst nur in der tropischen Klimazone und wird überwiegend in Indonesien und Malaysia auf riesigen Plantagen angebaut. Teilweise müssen dafür große Flächen an Ur- und Regenwäldern weichen und Menschen ihre Siedlungsgebiete verlassen. Oft werden die Rechte von Kleinlandwirt*innen und indigenen Gemeinschaften missachtet*. Wertvoller Lebensraum für Menschen und Tiere wird nachhaltig zerstört.

In den Hauptanbaugebieten der Ölpalme wuchsen über viele Jahrhunderte intakte Regenwälder oft auf wertvollen Torfmooren. Nicht nur die Wälder, sondern auch diese Torfböden speichern enorme Mengen an Kohlendioxid. Durch das Freilegen dieser Böden wird dieses Gas in die Atmosphäre freigesetzt und trägt dort zum Klimawandel bei. Die Nutzungsdauer einer Plantage ist jedoch auf ca. 30 Jahre angelegt und es besteht die Gefahr, dass die in der Erde enthaltenen Nährstoffe nach dieser Zeit ausgelaugt sind. Darüber hinaus bietet eine Plantage deutlich weniger Tieren einen angemessenen Lebensraum, wodurch Artensterben beschleunigt wird. Palmfett schafft Wachstum und Arbeitsplätze im ländlichen Raum und sorgt indirekt dafür, dass Straßen gebaut und Gesundheits- sowie Bildungseinrichtungen eröffnet werden. Die meisten Arbeitsplätze werden jedoch auf Plantagen geschaffen: Für die schwere Arbeit werden dort nur sehr geringe Löhne gezahlt, die oft nicht reichen, um die Familie zu versorgen. Oft haben sie kein geregeltes Einkommen und werden bei Krankheit, Unfall oder Schwangerschaft nicht durch Sozialversicherungen aufgefangen. Diese Plantagen üben großen Druck auf unabhängige Kleinlandwirt*innen aus, die den Wettbewerb gegenüber dieser Unternehmen verlieren. Gemeinschaften ohne einen amtlichen Besitztitel, die diese Wälder seit Generationen nutzen, um ihren Lebensstandard zu sichern, werden teilweise gewaltsam verdrängt.

Laden Sie sich deshalb während der AWO-Aktionswoche die App „Codecheck“ auf ihrem Smartphone herunter und scannen Sie die Strichcodes der Produkte bei Ihrem nächsten Einkauf. Ist in den Produkten Palmfett enthalten? Wenn ja, überlegen Sie, ob Sie das Produkt wirklich benötigen oder evtl. durch eine palmfettfreie Alternative ersetzen können.

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