17. Dezember 2018

Seenotrettung: Ein neues Schiff für SOS MEDITERRANEE

Wir sind erschüttert, dass der Einsatz der Aquarius im Mittelmeer beendet werden muss. Wir stehen weiterhin an der Seite von SOS MEDITERRANEE und unterstützen die Suche nach einem Rettungsschiff.

In unzähligen Einsätzen hat die Aquarius 30.000 Menschen gerettet und an Bord versorgt. Jetzt muss SOS MEDITERRANEE vorerst die Rettungseinsätze einstellen. (Foto: Yann Levy/SOS MEDITERRANEE)In unzähligen Einsätzen hat die Aquarius 30.000 Menschen gerettet und an Bord versorgt. Jetzt muss SOS MEDITERRANEE vorerst die Rettungseinsätze einstellen. (Foto: Yann Levy/SOS MEDITERRANEE)

Seit 2016 ist das Rettungsschiff Aquarius von SOS MEDITERRANEE mit Unterstützung von AWO  International unterwegs, um Menschen in Seenot zu retten. Etwa 30.000 Menschen hat die Crew seitdem gerettet. Eine Reihe von gezielten politischen Angriffen hat nun dazu geführt, dass der Betrieb der Aquarius eingestellt werden muss. In den letzten Monaten wurde der Aquarius zweimal die Flagge entzogen, zuerst von Gibraltar und anschließend von Panama. Nun ordneten die italienischen Behörden die Beschlagnahme des Schiffes an. Der Grund: die nicht ordnungsgemäße Trennung von Bordabfällen.

Wir haben den Höhepunkt der Kriminalisierung von humanitärer Hilfe auf See erreicht. Dass wir jetzt dazu gezwungen sind, den Betrieb der Aquarius einzustellen, während europäische Mitgliedsstaaten ihrer Verantwortung, Menschen im Mittelmeer zu retten, nicht gerecht werden, ist ein Armutszeugnis für Europa. Dass Leben retten im Mittelmeer unmöglich gemacht werden soll, verdeutlicht das Scheitern Europas.“ sagt Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS MEDITERRANEE Deutschland.

In diesem Jahr sind bereits 2.100 Menschen bei der Flucht über das Mittelmeer ertrunken. Das liegt auch daran, dass die Rettungsschiffe daran gehindert werden, ihre Einsätze im Mittelmeer fortzuführen. Europa setzt stattdessen darauf, die libysche Küstenwache zu finanzieren und aufzurüsten. Libyen ist ein zerrissenes Bürgerkriegsland, in dem rivalisierende Parteien um die Macht kämpfen, lokale Milizen ganze Regionen beherrschen und keine Rechtsstaatlichkeit herrscht.  Inzwischen werden viele Flüchtende von der EU-finanzierten libyschen Küstenwache in das Bürgerkriegsland zurückgebracht: In ein Land, in dem geflüchtete Menschen ausgebeutet, versklavt, vergewaltigt oder einfach erschossen werden.

Die Einstellung des Betriebs der Aquarius war eine äußerst schwierige Entscheidung, die es uns aber jetzt ermöglichen soll, unseren lebensrettenden Einsatz auf See so schnell wie möglich wieder aufzunehmen“, erklärt Frédéric Penard, Head of Operations von SOS MEDITERRANEE. Das Team von SOS MEDITERRANEE arbeitet bereits daran, schnellstmöglich mit einem neuen Schiff ins Rettungsgebiet zurückzukehren.  AWO International steht auch weiterhin an der Seite von SOS MEDITERRANEE und unterstützt die Suche nach einem neuen Rettungsschiff.

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