23. Oktober 2018

Hilfe für 460 Familien nach dem Erdbeben auf Lombok

Die Auswirkungen der Erdbeben, die Lombok im August erschütterten, sind noch immer zu sehen. Unser Team vor Ort konnte gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen 460 Familien mit Nothilfepaketen versorgen. Unsere Kolleg*innen waren vor Ort und geben einen Einblick über die aktuelle Situation und den Stand der Hilfe.

Etwa 2.300 Personen konnten wir in den Dörfern Sambik Bangkol, Tegal Maja und Medane mit dringend benötigten Hilfsgütern wie Essen, Hygieneartikel und Decken versorgen. (Foto: AWO International)Etwa 2.300 Personen konnten wir in den Dörfern Sambik Bangkol, Tegal Maja und Medane mit dringend benötigten Hilfsgütern wie Essen, Hygieneartikel und Decken versorgen. (Foto: AWO International)

In Sambik Bangkol steht das Leben noch immer still. Die Auswirkungen der Erdbeben waren hier besonders verheerend, denn direkt unter dem 8.000-Einwohner-Dorf verläuft eine Erdspalte. 90 Prozent der Gebäude Sambik Bangkols sind schwer beschädigt oder liegen ganz in Trümmern. Neben Wohnhäusern sind auch Schulen, Gesundheits- und Glaubenseinrichtungen zerstört.

Ein Besuch unserer Kolleginnen Jyrine Enteria und Elvince Sardjono in weitere Ortschaften bestätigte die Befürchtung, dass die Situation in der gesamten Region Nord-Lombok tragisch ist. Nord-Lombok ist mit 466 Todesopfern und über 1.000 Verletzten am stärksten von den Erdbeben betroffen. Durch den Einsturz von rund 12.000 Gebäuden wurden über 80 Prozent der Bevölkerung obdachlos.

Die meisten Betroffenen wohnen seither in Zelten, bemüht ihre Grundbedürfnisse zu decken. In den provisorisch aus Zelten zusammengestellten Camps sind keine Sanitäranlagen vorhanden und die Furcht vor der nahenden Regenzeit ist groß, da die Zelte aus leichten Materialien bestehen und nicht genügend Schutz vor Regen und starkem Wind bieten.

Hilfspakete für 460 Familien

Eines der größten Probleme in Sambik Bangkol ist die Wasserversorgung, da die Leitungen kilometerweit beschädigt sind. Die Betroffenen sind auf die Verteilung von Trinkwasser und Wasser zur Haushaltsnutzung angewiesen. Aufgrund fehlender Bewässerung steht auch die Agrarwirtschaft still. Einige Felder mussten zudem für Camps weichen, um die Bewohner in sicherer Distanz zu ihren einsturzgefährdeten Häusern zu wissen.

Für die Gemeinden, die weitestgehend auf Landwirtschaft angewiesen ist, bedeutet ein Stillstand zugleich Mangel an Nahrung und Einkommen. Auch diejenigen, die im formellen Sektor beschäftigt sind, können nicht arbeiten, da Büros und Unternehmen von den Beben zerstört wurden. Unter diesen Umständen war die betroffene Bevölkerung in den letzten Wochen maßgeblich auf Unterstützung angewiesen und bleibt es voraussichtlich auch weiterhin.

In Zusammenarbeit mit Perukumpulan Panca Karsa (PPK) versorgte AWO International 460 Familien (2.300 Personen) in den Dörfern Sambik Bangkol, Tegal Maja und Medane mit den am dringendsten benötigten Hilfsgütern, wie Essen, Hygieneartikel und Decken. Vorrang hatten hierbei besonders Schutzbedürftige - Waisen, Senioren, Familien mit weiblichem Familienvorstand und Familien mit Kindern mit Behinderung. Die drei ausgewählten Orte wurden besonders stark von den Beben getroffen und sind außerdem Teil eines Entwicklungsprojektes mit Fokus auf Frauen und Migration von PPK und AWO International.

Bedarf an humanitärer Hilfe weiterhin groß

Die indonesische Regierung hat einen Plan verabschiedet, der eine vollständige Rehabilitation in sechs Monaten verspricht. Die Überlebenden hoffen darauf, sagen jedoch, dass es weitaus länger dauern wird, zu ihrem normalen Leben zurückzukehren.

Nach und nach beginnen die Anwohner ihr Leben wieder aufzubauen. Bei unserem Besuch der beschädigten Dörfer begegneten wir Hausbesitzern, die versuchten, unbeschädigte Möbelstücke aus Trümmern zu bergen. Andere sammelten Material, das noch brauchbar für den Bau temporärer Unterkünfte ist.

In manchen Gemeinden sind Frauen zusammengekommen und haben informelle Klassen initiiert, um Kindern das Lernen zu ermöglichen, während Schulen noch in Trümmern liegen. Dennoch wird im Gespräch mit vielen Überlebenden deutlich, dass die psychologischen Auswirkungen tiefer reichen als der materielle Verlust. Viele Menschen sind traumatisiert und haben Angst vor Nachbeben.

Fitri, eine Anwohnerin Sambik Bangkols, sagte uns: „Es ist, als hätten wir unsere Träume verloren. Wir stehen noch immer unter Schock.“ Sie wünscht sich, dass ihr Haus und kleines Geschäft schnell wieder aufgebaut wird, damit sie wieder arbeiten kann. Die 31-Jährige engagiert sich als Leiterin einer Selbsthilfegruppe, die von unserer Partnerorganisation PPK unterstützt wird. Sriatun (34), ebenfalls aus Sambik Bankol, teilte uns mit: „Ich finde Kraft durch meine Freunde und wir versuchen nicht daran zu denken, wie hart die Situation ist. Wir versuchen einfach von Tag zu Tag damit zu leben.“ Der Weg zur Genesung und Normalität in diesen Gemeinden ist noch immer weit und Unterstützung wird weiterhin benötigt.