15. Januar 2018

Geflüchtete Rohingya: Hilfe für mehr als 4.000 Menschen

Seit Beginn des Nothilfeprojekts für die geflüchteten Rohingya in Bangladesch haben wir mehr als 4.000 Menschen erreicht. Der Bedarf an humanitärer Hilfe in den Flüchtlingscamps bleibt enorm. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen sind wir weiterhin vor Ort und weiten die Hilfe aus.

Die geflüchteten Rohingya erhalten Materialien wie zum Beispiel Bambus, Zeltplanen und Seile, um provisorische und sichere Unterkünfte bauen zu können. Auch Decken, Matratzen und Kleidung werden verteilt, damit die Menschen über den Winter kommen. (FoDie geflüchteten Rohingya erhalten Materialien wie zum Beispiel Bambus, Zeltplanen und Seile, um provisorische und sichere Unterkünfte bauen zu können. Auch Decken, Matratzen und Kleidung werden verteilt, damit die Menschen über den Winter kommen. (Foto: AWO International)

„Wir haben Bambus, Zeltplanen und Seile erhalten. Damit können wir für uns und unsere Kinder eine provisorische Unterkunft bauen, die uns gegen die Kälte im Winter schützt“, berichtet Mohammed Junus. „Wir haben auch Decken und Matratzen bekommen. Wir sind glücklich, dass wir jetzt einen sicheren Platz haben“, fügt seine Ehefrau Shju Begum hinzu. Die Familie ist eine von 615 Haushalten, die wir bisher mit unserem Hilfsprojekt im Flüchtlingscamp Myonarghonna unterstützen. Das Camp ist eine Erweiterung des Balukhali Camps, das ursprünglich als Übergangsquartier gedacht war, aber nun auf längere Sicht erhalten bleibt. Die kalten Temperaturen sind ein großes Problem und Erkältungskrankheiten weit verbreitet. Über 15.000 Personen sind mittlerweile an Diphterie erkrankt.

Bedarf an humanitärer Hilfe weiterhin enorm

„Zusätzlich zu den Baumaterialien und der winterfesten Ausstattung mit Decken, Matratzen und Kleidung versorgen wir 275 Haushalte mit Hygiene-Kits und Kochgeschirr und stellen die Versorgung mit sauberem Trinkwasser und Toiletten für mehr als 500 Haushalte sicher. Dafür wurden 7 Tiefbrunnen angelegt, die Wasser aus über 200 Meter Tiefe pumpen. Das ist wichtig, um Krankheiten und Seuchen vorzubeugen, denn die hygienische und sanitäre Lage vor Ort bleibt weiterhin katastrophal“, sagt Mukund Singh, der als Nothilfekoordinator von AWO International vor Ort ist. Darüber hinaus unterstützt unser lokales Team die Menschen mit Maßnahmen zur Basishygiene, Gesundheitsförderung und Abfallbeseitigung.  

Nach Angaben der Regierung von Bangladesch leben inzwischen 823.000 Rohingya in 20 Flüchtlingslagern. Viele Menschen sind schwer traumatisiert von der Gewalt und der Flucht. Schätzungsweise 65.000 unbegleitete Minderjährige und zehntausende schwangere Frauen (auch in Folge der Vergewaltigungen in Myanmar), viele von ihnen Witwen, leben in den Camps. „Der Bedarf an humanitärer Hilfe ist weiterhin enorm“, berichtet unser Kollege Felix Neuhaus, der im Dezember die Flüchtlingslager besucht hat. „Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen leistet unser Team ganze Arbeit, um möglichst viele bedürftige Menschen zu erreichen. Wir konnten das erste Nothilfeprojekt ausweiten und erreichen etwa 1.000 Haushalte, also mehr als 5.000 Menschen. Dabei koordinieren wir die Hilfe mit staatlichen Institutionen, den Vereinten Nationen und mit anderen nationalen und internationalen Hilfsorganisationen“, so Neuhaus.

Sexuelle Gewalt und Menschenhandel in den Flüchtlingscamps

„Was uns zudem große Sorge bereitet, ist die Sicherheitslage in den Camps. Insbesondere für Frauen und unbegleitete Kinder und Jugendliche ist das Risiko, Opfer von sexueller Gewalt, Menschenhandel und Ausbeutung zu werden sehr hoch. Es gibt bereits zahlreiche Fälle“, berichtet Felix Neuhaus. Um dieser Gefahr zu begegnen, planen wir neben einer Ausweitung der laufenden Maßnahmen auch ein weiteres Projekt, das sich dem Schutz von Kindern und Frauen in den Camps widmet. Dazu werden sichere Räume für Kinder und Jugendliche (child friendly spaces) und Frauen eingerichtet. Zudem soll psychosoziale Unterstützung angeboten und Aufklärungsarbeit zum Thema Menschenhandel und Zwangsarbeit geleistet werden.

„Wir wissen nicht, wie es weiter geht. Wir werden wahrscheinlich noch lange hier bleiben müssen“, sagen Shju Begum und Mohammed Junus. Die Regierungen von Bangladesch und Myanmar haben zwar eine Vereinbarung unterzeichnet, laut der die Geflüchteten wieder zurückkehren sollen. Viele fragen sich aber, wohin sie zurückkehren sollen: Ihre Dörfer und Felder sind zerstört, zudem haben sie schlicht Angst nach den traumatischen Erfahrungen, die sie gemacht haben. Die Camps – da sind sich die Experten einig – werden noch einige Jahre bestehen bleiben. Was die Zukunft für die geflüchteten Rohingya bringt, ist ungewiss. Wichtig ist es, in dieser humanitären Katastrophe Hilfe zu leisten.

Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende!

Stichwort: Hilfe für Rohingya - Bangladesch/Myanmar
IBAN: DE83 1002 0500 0003 2211 00

Das laufende Nothilfeprojekt wird mit Spenden und Mitteln von Aktion Deutschland Hilft und Solidar Suisse finanziert. AWO International ist Mitglied von Aktion Deutschland Hilft, dem Bündnis renommierter deutscher Hilfsorganisationen, die im Falle großer Katastrophen ihre Kräfte bündeln, um schnelle und effektive Hilfe zu leisten.

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