Freiwillige im Einsatz für Kinderrechte
Im Büro von CODEHUCO herrscht geschäftiges Treiben. Monika M. gibt letzte Anweisungen. Kurz darauf geht es durch den dichten Verkehr von Comalcalco, einer Kleinstadt etwa 60 km nordwestlich der Hauptstadt von Tabasco Villahermosa, in Richtung Gregorio Mendez, einer kleinen Gemeinde etwa 60 Kilometer entfernt.
Während der Fahrt erläutert Monika M. den Ablauf des Nachmittags: Auf dem Programm steht Spielen und kreatives Arbeiten mit Kindern. Monika M. ist Psychologin. Bei CODEHUCO bietet sie psychologische Beratung an und leitet die Freizeitangebote für Kinder in verschiedenen Dörfern. „In der Region gibt es kaum Angebote für Kinder und niemanden, der sich mit ihnen intensiver beschäftigt. Viele Menschen sind der Meinung, dass Kinder nicht denken, nichts wissen und nichts verstehen. Sie sollen den Eltern gehorchen und keine Ansprüche stellen. Dabei wird völlig übersehen, dass sie sehr verletzlich und in vielen Fällen Opfer von Gewalt, auch sexueller Gewalt sind“, erklärt sie.
Die ersten Kinder warten schon, nach und nach kommen weitere hinzu, bringen ihre Freunde und Geschwister mit. Sie fassen sich an den Händen und nennen reihum ihren Namen, ihr Alter und ihre Lieblingsfarbe. Im Kreis steht auch Richard Weber, ein weltwärts-Freiwilliger von AWO International. Mit einer Größe von fast zwei Metern wirkt er zwischen den Kindern wie ein Riese. „Es war hier unmöglich, ein Bett für mich zu finden“, erzählt er. „Ich habe mich anfangs ständig gestoßen.“ Und dies durchaus im übertragenen Sinn: „Es gibt überall Ecken und Kanten, an denen man in einem anderen Land anstößt; andere Menschen und Gepflogenheiten eben.“
Mit dabei ist auch Martin Schmidt. Der 25-jährige, der zuvor bei der AWO in Erftstadt tätig war, ist ebenfalls ein Freiwilliger von AWO International und wie Richard Weber für ein Jahr Gast der mexikanischen Partnerorganisation. „Die Kinder lernen durch Spielen“, erklärt er das Geschehen. „Zum Beispiel bauen sie gerade eine Pyramide. Sie erleben, dass die Kinder oben nur Halt haben, wenn sie von unten gestützt werden. Die Pyramide steht auch als Bild für den Zusammenhalt in der Familie.“
Inzwischen leitet Martin Schmidt in einem Dorf selbstständig Workshops, in denen Jugendliche über ihre spezifischen Themen und Probleme sprechen können: über Gewalt, Sexualität, ihre Vorstellungen von einem lebenswürdigen Leben, über ihre Hoffnungen und Erwartungen und darüber, was sie selbst verändern möchten.
Die Jugendarbeit in Comalcalco wird seit vielen Jahren von Erika M. geleitet. „Die Situation der Jugendlichen in Tabasco ist prekär“, sagt sie. „Auch hier herrscht Drogenkrieg. Jugendliche werden getötet und besonders von den Autoritäten schlecht behandelt.“ Viele Jugendliche haben keine Arbeit, kein Geld und keine Möglichkeiten, ihre Freizeit zu gestalten. Viele junge Menschen wissen nicht, was sie mit ihrem Leben anfangen sollen. Wer kann, wandert aus.
Die blutigen Bilder der Boulevardpresse kennen auch die Kinder in Gregorio Mendez. Gewalt ist Teil ihres Alltags. Besonders innerfamiliäre Gewalt ist ein großes Problem. „Deshalb ist unsere Arbeit so wichtig“, ist Monika M. überzeugt. „Spielerisch lernen bereits kleine Kinder ihre Rechte kennen und sich auszudrücken. Auf diese Weise können wir auch Missbrauch aufdecken und diese Kinder intensiver betreuen.“
Der Nachmittag neigt sich dem Ende zu. „Wollt ihr, dass wir nächste Woche wieder kommen?“, fragt Monika M. „Ja“, rufen die Kinder aus vollem Hals. Ein letztes Winken, ein Blick zurück, dann lassen wir Gregorio Mendez zurück.








